Aaron Antes bei der Arbeit an einer Holzskulptur in seiner Urbacher Werkstatt. Foto: Gottfried Stoppel

Aaron Antes aus Winnenden hat in einem Jahr 600 Gemälde geschaffen. Der Gitarrist und Bildhauer zeigt seine Werke in einer Ausstellung im Kulturhaus Schwanen. Was treibt ihn an?

Viele Jahre hat Aaron Antes nicht gemalt. „Ich war der Überzeugung, ich kann das nicht“, sagt der 62-Jährige aus Winnenden (Rems-Murr-Kreis). 2023 änderte sich das. Da richtete Aaron Antes in dem alten Fachwerkhaus in Urbach, wo er Holzskulpturen herstellt, eine Ecke zum Malen ein – und vollendete binnen eines Jahres 600 Gemälde.

 

Ein kleiner Teil davon ist, zusammen mit Skulpturen zum Thema Kopf, bis Samstag, 14. Februar, in der Ausstellung „Kopfbilder – was können wir wahrnehmen?“ im Kulturhaus Schwanen in Waiblingen zu sehen. Sie ist nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe – für 2026 plant der Künstler derzeit sechs Ausstellungen, im Herbst werden seine Arbeiten auch im Urbacher Museum am Widumhof ausgestellt.

„Da hatte sich was aufgestaut“, sagt Aaron Antes in Bezug auf seine Malerei. Kreativ ist er freilich immer gewesen. Bereits als Teenager hat er Marionetten gebaut und Figurentheater gespielt. Die Stücke verfasste sein Schulfreund Jacob Benjamin Bothe, der später unter dem Pseudonym Jakob Arjouni erfolgreicher Krimiautor wurde. „Wir waren Zimmergenossen“, erzählt Aaron Antes, der nach dem Besuch der Grundschule in Karlsruhe im Alter von zehn Jahren auf die Odenwaldschule wechselte. Das Vorzeige-Internat der Reformpädagogik wurde 2015 aus finanziellen Gründen geschlossen. Zuvor war die Schule wegen sexueller Missbrauchsfälle in die Kritik geraten.

Für Aaron Antes war die Zeit dort positiv: „Alles Handwerk habe ich dort gelernt.“ Die Schule verließ der Abiturient als Schreinergeselle. Bereits während der Schulzeit hatte der Linkshänder für sich eine Western- und eine Konzertgitarre gebaut, später studierte er an der Hochschule Wuppertal Klassische Gitarre. Im Lauf der Jahre hat der Musiker mehrere CDs mit Eigenkompositionen aufgenommen, viele Konzerte gegeben und das Gitarrenspiel unterrichtet. Das tut er heute noch.

Feilen an Fünfplättchen-Fingertechnik

Im Dachgeschoss des Bauernhauses sind viele der Kopfskulpturen zu sehen. Foto: Gottfried Stoppel

Die Vormittage sind für die Musik reserviert. Aktuell feilt Aaron Antes an einer Fünfplättchen-Fingertechnik, die er entwickelt hat. Jeder Finger der Schlaghand – bei Antes ist es die Linke – wird so trainiert, dass er eine oder mehrere Saiten nach oben und nach unten anschlagen kann. Die Fingernägel der linken Hand hat Aaron Antes sich für diesen Zweck in einem Nagelstudio mit einem aushärtenden Gel präparieren lassen, nun erfüllen sie die Funktion von Plektren. „So habe ich rhythmisch ganz andere Möglichkeiten“, schwärmt der Musiker.

Nachmittags arbeitet der 62-Jährige in seiner Holzwerkstatt in Urbach. In den Räumen einer ehemaligen Glaserei steht auf einem Schnitztisch ein Holzblock, aus dem Aaron Antes mit verschiedenen Schnitzmessern und Stemmeisen bereits die groben Konturen eines Kopfs herausgearbeitet hat. Auf der Werkbank liegen mehrere Winkelschleifer, am Boden Sägen und große Säcke, die bis oben mit Holzspänen gefüllt sind.

Fehler im Holz machen kreativ

Das Dachgeschoss nutzt Aaron Antes als Ausstellungsfläche für seine Skulpturen. Zur Bildhauerei ist er nach einem Kurs im Jahr 2018 gekommen. Fast ausnahmslos widmet er sich dem Kopf. Wieso? „Ich kann es nicht sagen.“ Variantenreich ist das Thema, das zeigen die Skulpturen. Sie erinnern zum Teil an indische Gottheiten, an Korallen oder an einen Ritterhelm mit geschlossenem Visier.

Mal verbirgt sich der Kopf hinter Gitterstäben, mal hat der Künstler ein ganzes Haus über den Kopf gestülpt und das Holz so mit der Säge bearbeitet, dass es wie faserige Pappe wirkt. Manchmal durchlöchert Aaron Antes das Holz auch mit dem Bohrer und schafft Hohlräume, durch die das Licht fallen kann. Astlöcher und Verwachsungen findet er nicht ärgerlich, sondern spannend: „Ich freue mich über Fehler im Holz, denn die zwingen mich zur Kreativität.“