Bilder einer Sprengung Glockenturm wehrt sich gegen Abriss

Von Jürgen Lessat 

Der Glockenturm der Evangelischen Kirche in Mönchfeld erwies sich am Samstagnachmittag als standfest. Er widerstand drei Versuchen, ihn zu sprengen. Klicken Sie sich durch unsere Bilder!

Stuttgart - Der Glockenturm der Evangelischen Kirche in Mönchfeld erwies sich am Samstagnachmittag als standfest. Er widerstand drei Versuchen, ihn zu sprengen, erst ein Bagger brachte ihn nach vier Stunden zu Fall.

Man hätte es wissen können. Hat nicht Martin Luther vor 500 Jahren schon gedichtet: "Eine feste Burg ist unser Gott"? Dies gilt selbstverständlich auch für ein Gotteshaus. Am Samstagnachmittag legte man in Mönchfeld Hand an den 34 Meter hohe Glockenturm der Evangelischen Kirche am Barbenweg. Um die Renovierung der maroden Kirche zu finanzieren, hat die Gemeinde das Grundstück verkauft, auf dem der freistehende Turm seit 43 Jahren stand. Wohnhäuser sollen dort gebaut werden.

Doch auf dem Handel liegt offenbar kein Segen. Dass erstmals in Stuttgart ein Kirchengebäude gesprengt werden sollte, stieß augenscheinlich höheren Ortes auf Missfallen. Der Turm wollte nicht weichen.

So erlebten die Sprengmeister und Tausende Schaulustige ihr blaues Wunder, als sich kurz nach der ersten Explosion um 15 Uhr der Rauch verzog. Der Turm schüttelte sich kurz, blieb aber stehen. Eigentlich hätten vier Kilogramm Sprengstoff, verteilt auf 90 Sprenglöcher im Sockelbereich, ihn auf Anhieb fällen sollen. Doch nur Betonbrocken hatte es herausgerissen.

"Da wurde mehr Stahlarmierung verbaut als in den Bauplänen verzeichnet ist", beschrieb Sprengmeister Hubert Josef das Problem. Also auf ein Neues. Um 16.40 Uhr die zweite Sprengung, ein halbes Kilo Sprengstoff sollte diesmal genügen. Der Turm widerstand. Gelächter im Publikum. Um 18 Uhr Versuch Nummer drei. Erneut wurde ein halbes Kilo Sprengstoff angebracht. Ein Knall, der Turm wankte, fiel aber nicht.

Nun war Handarbeit gefragt. So mühten sich die Spezialisten zuletzt unter Lebensgefahr, mit Schneidbrennern und Meiselbagger die letzten Stahlstützen zu kappen. Zwischendurch ereilte ein Hilferuf die Feuerwehr in Feuerbach. Den Schweißern war das Gas ausgegangen, sie brauchten Nachschub. Gegen 19 Uhr gab der Turm auf, er neigte sich zur Seite, kippte fünf Meter neben das vorbereitete Fallbett. Vier Stunden später als geplant durften 40 Anwohner wieder in ihre Wohnungen. Der Glockenturm hatte einen langen zähen Kampf geliefert.

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