Wer so viel erntet, darf auch mal Pause machen. Foto: Carolin Rothenburger

Carolin Rothenburger ist von Beruf Grafikdesignerin, ihre Eltern sind Winzer. Nun hat sie einen Bildband über die Arbeit im Weinberg herausgebracht – mit beeindruckenden Bildern.

Bönnigheim - „Mild süß & leuchtend grün“ ist der Titel eines Fotobandes, der die Weinberge im Landkreis Ludwigsburg in eindrucksvollen Bildern in Szene setzt. Das Konzept des Buches: Der Leser begleitet die Winzer ein Jahr lang bei ihrer Arbeit. Den dafür nötigen Blick hatte die Grafikdesignerin Carolin Rothenburger aus Bönnigheim. Ihre Eltern sind von Beruf Winzer. Rothenburger spricht über ihr Buch, das Dasein als Winzer und den Bezug zur Natur.

Frau Rothenburger, wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über die Weinlandschaftim Landkreis Ludwigsburg zu machen?
Carolin Rothenburger Foto: privat
Ich bin von Beruf Grafikdesignerin – und bei jedem Grafikdesigner schwebt im Kopf die Idee, auch mal ein Buch zu machen. Das ist die Königsklasse. Meine Eltern sind Wengerter, da lag das Thema sozusagen vor der Haustür. Und mit ein bisschen zeitlichem und räumlichem Abstand zu meinem Elternhaus ist mir bewusst geworden, was für ein Privileg es war, in einer Wengerter-Familie groß zu werden.
Wie meinen Sie das?
Der Weinberg war wie mein zweites Zuhause, ich war als Kind ständig in der Natur. Der Titel des Buches spielt auf meine erste Kindheitserinnerung an, wie ich zwischen den Laubwänden der Reben liege und einen Mittagsschlaf mache. Der süßliche Duft kommt von der Traubenblüte im Juni.
Wie haben Ihre Verwandten und Bekannte auf Ihr Buchprojekt reagiert?
In der Anfangsphase habe ich nur im Weinberg fotografiert. Als ich wusste, dass daraus ein Buch werden soll, habe ich diese Arbeit über einen Zeitraum von sechs Jahren intensiviert. Denn nicht jedes Jahr bekommt man alle Motive perfekt zusammen. Wie die Natur unvorhersehbar ist, so ist auch nicht kalkulierbar, wie lange ein solches Projekt braucht. Auf das Ergebnis ist meine Familie natürlich sehr stolz.
Das Buch ist auch sehr persönlich: Man sieht Familienfotos und Bilder, auf denen Ihre Eltern und Ihre Kinder im Weinberg sind.
Mir war wichtig, dass man die Menschen hinter dem Wein sieht. Es sollte ja kein Fotokalender mit Landschaftsmotiven werden. Ich wollte den Beruf des Wengerters zeigen und auch die Sorgen und Nöte thematisieren, die die Winzer haben. Beispielsweise diese Anspannung, erst im Herbst zu wissen, ob es ein guter Jahrgang wird oder nicht.
Sie erwähnten die Abhängigkeit von der Natur. Wird man da automatisch zum Öko?
Nein, das nicht. Aber man hat einen anderen Zugang zur Natur. Viele Menschen wissen heute nicht mehr, wie das Wetter in den nächsten drei Tagen wird. Viele sitzen in beheizten Büros, im Großraum Stuttgart gibt es nicht viele Menschen, die derart abhängig von der Natur sind wie die Wengerter. Sie wissen zwar wie das Wetter wird, können es aber nicht beeinflussen und nur bedingt darauf reagieren. Damit muss man als Wengerter umgehen können.
Und wie geht’s bei Ihnen weiter? Wollen Sie auch mal einen eigenen Weinberg?
Die Arbeit im Weinberg überlasse ich weiterhin meinen Eltern. Jetzt im Herbst helfen mein Mann und ich natürlich bei der Weinlese. Ansonsten arbeite ich weiterhin gerne als selbstständige Grafikdesignerin.

Selbstständige Grafikdesignerin

Vita
Carolin Rothenburger wurde 1983 geboren und ist in einer Wengerterfamilie groß geworden. Als Kind verbrachte sie mit ihrem Bruder und den Eltern viel Zeit im Weinberg. Rothenburger ist ausgebildete Grafikdesignerin und hat sich nach zehn Jahren Arbeit in einer Werbeagentur selbstständig gemacht. Sie lebt mit ihrem Mann und den beiden Töchtern im Kreis Ludwigsburg in Bönnigheim.

Buch
Der im Eigenverlag herausgegebene Bildband „Mild süß & leuchtend grün“ ist für 29,95 Euro in gut sortierten Buchläden zu haben.

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