Guido Henzler in einem seiner Erdbeerfelder, bevor der Starkregen den Großteil der Ernte schädigte. Foto: Guido Henzler/privat

Ausgefallene Erdbeerernten, von Müll überschwemmte Felder, beschädigte Wege: Die Hochwasser-Folgen machen den Landwirten der Region zu schaffen. In einigen Landesteilen ist wohl die Futterernte gefährdet.

Als vor vier Wochen der Dauerregen auf die Felder von Guido Henzler zu prasseln begann und der Pegel der Flüsse stieg und stieg, tauchten auch die Erdbeeren der Sorte Asia unter. Zumindest jene, die der Nürtinger Landwirt nicht überdacht hatte. „Mitten in der Erntephase wurden 90 Prozent der Erdbeerkulturen zerstört“, sagt Henzler. Die übrigen mussten seine Helfer und er mühsam pflücken.

 

Inzwischen sind die Felder getrocknet und Henzler zieht Bilanz: Knapp zehn Hektar Erdbeeren waren komplett, knapp sechs Hektar in Teilen betroffen. Einen „sechsstelligen Betrag“ habe er durch die Ernteeinbußen und den zusätzlichen Arbeitsaufwand verloren. Dazu kommt, dass durch den Regen der Spargel nur spät gestochen werden konnte und lediglich in den Qualitätsstufen 2 und 3 in den Handel kam. Die meisten Süßkirschen und Himbeeren reifen zum Glück unter einem mobilen Regendach.

„Bei Wetterextremen kann das existenzbedrohend sein“

Petra Rauch, Leiterin des Landwirtschaftsamts in Nürtingen, sieht die Abhängigkeit mancher Landwirte von den arbeits- und kostenintensiven Sonderkulturen, zu denen neben Erdbeeren auch Spargel, Hopfen und Wein zählen, mit Sorge. „Bei Wetterextremen kann das existenzbedrohend sein.“ Die vergangenen Jahre hätten die Landwirte wegen der Trockenheit die Felder bewässern müssen – „dieses Jahr war es das andere Extrem“. Besser sorgten Betriebe vor, die landwirtschaftlich breiter aufgestellt seien.

Foto: Gudio Henzler/privat

Oder deren Einnahmen nicht nur von der Landwirtschaft abhängen. An die zehntausend Euro Schaden hat das Hochwasser bei Ulrich Jäcklein Kirchberg verursacht. Unter Druck setzt ihn das nicht, auch weil er im Brotjob Gebäudemanager ist. Ausgerechnet zur Heuernte überflutete die Murr die Wiesen – auch jene zehn Hektar, die Jäckle für seinen Hof mit Pensionspferden bewirtschaftet. „Die komplette Ernte ist in diesem Bereich vernichtet, auch weil das Wasser Dreck angeschwemmt hat“, sagt Jäckle. „Im Bereich Kirchberg gibt es kaum Wiesen, die man noch verwerten kann.“

Jäckle mähte und häckselte das Heu und fuhr es zum Kompostieren. Ein Aufwand wie beim Heumachen – nur ohne Ertrag. Die Wiesen von angeschwemmtem Unkraut und Samen zu befreien, sei Handarbeit – die meisten Flächen werden biologisch bewirtschaftet. Jäckle befürchtet, dass er immer häufiger die Schäden infolge des extremen Wetters beheben muss. Diesen Mittwoch flutete ein Starkregen den Hof und nässte auch das Heu, das er gerade pressen wollte. „So etwas gab es noch nie auf unserem Hof, schließlich wohnen wir auf dem Berg und nicht am Fluss.“

In manchen Regionen Baden-Württembergs könnten die durch die Überflutung verschmutzten Wiesen zu einem Engpass bei der Futterversorgung führen, heißt es beim Landesbauernverband. Im Raum Allgäu-Oberschwaben etwa gehe man davon aus, dass eine Vielzahl von Flächen in diesem Jahr kein geeignetes (Milchvieh-)Futter liefern werden.

Auch angeschwemmter Müll verursachte wohl große Schäden

Auch im Kreis Göppingen befürchte man große Schäden durch Verschmutzungen und angeschwemmten Müll, sagt Sprecherin Ann-Kathrin Brodbeck. Was auch für viele landwirtschaftliche Betriebe im Hohenlohekreis gelte – hier rechneten etliche Betriebe beim ersten Schnitt ihrer Wiesen mit einem Totalverlust. Im Raum Ludwigsburg und Heilbronn wiederum war der Gemüsebau besonders stark betroffen, insbesondere Winterweizen, Zuckerrübe, Weißkohl, Rotkraut, Salat und Mais. Manche Landwirte rechneten mit Schäden im fünfstelligen Bereich. Ähnliches gilt für den Kreis Esslingen, wo ganze Gemüsefelder unter Wasser standen.

Unklar sind die langfristigen Folgen. Viele Feldwege sind beschädigt. Während des Starkregens und Hochwassers fielen Maßnahmen zum Pflanzenschutz oft aus, Unkraut und Pilze wuchern. Was wiederum die Erntemenge und -qualität beeinflussen könnte. Auch deshalb fordert der Landesbauernverband auch auf Bundesebene Unterstützung beim Aufbau einer Mehrgefahrenversicherung, die bei Schäden durch Hochwasser, Hagel, Überschwemmung, Dürre oder Frost einen Ausgleich zahlt.

„Eins ist sicher: Das Klima wird extremer – ob in die eine oder andere Richtung. Damit müssen wir klarkommen“, meint der Nürtinger Landwirt Henzler. Er hofft jetzt darauf, dass die nächsten Ernten bei Himbeeren, Süßkirschen und Erdbeeren die aktuellen Verluste mildern werden. Wegen der geringen Ernte sind immerhin die Verkaufspreise für Erdbeeren gut.

Allerdings wirken sich Dauerregen und Hochwasser auch auf die Saisonarbeiter aus Rumänien aus, die Henzler zu dieser Jahreszeit auf den Feldern beschäftigt. Derzeit werden weniger gebraucht und Einsätze nach hinten verschoben. Die Saisonkräfte hätten Verständnis für die Situation, schließlich arbeite man schon seit vielen Jahren zusammen, meint Henzler. „Jetzt aber muss ich erst einmal jene beschäftigen, die zur Zeit des Hochwassers bereits gekommen waren.“