Und die Gewinnerin ist Helene Fischer! Wieder einmal. Wer es noch in die Top Ten der deutschen Albumcharts des Jahres 2018 geschafft hat, verraten wir in unserer Bildergalerie Foto: dpa

Wer hat es in die Top Ten geschafft? Wer nicht? Die zehn beliebtesten Alben des Jahres 2018 stellen wir in unserer Bildergalerie vor. Außerdem verraten wir Ihnen, was sich in diesem Jahr noch so alles in der Popbranche getan hat.

Stuttgart - 2018 war das Jahr des kanadischen Rappers Drake: Er war der meistgestreamte Musiker des Jahres. Sowohl beim Marktführer Spotify als auch bei der Nummer zwei, Apple Music, lieferte er mit „Scorpion“ das erfolgreichste Album des Jahres ab. Der am häufigsten gestreamte Song ist Drakes „God’s Plan“. Bei Spotify wurde dieser Song 1,1 Milliarden Mal abgerufen. Auf dem deutschen Spotify-Markt wiederum, auch erstaunlich, konnte sich der ­Österreicher RAF Camora als erfolgreichster Künstler durchsetzen.

Downloads überholen erstmals den physischen Verkauf

Das Jahr 2018 wird in die Annalen eingehen als das Jahr, in dem in Deutschland in der Musikindustrie erstmals mehr ­Umsätze mit gestreamter Musik und Downloads als mit CDs und LPs gemacht worden sind. Eine Momentaufnahme ist dies nicht, sondern ein Paradigmenwechsel. Das Album in seiner jetzigen, haptischen Form ist zwar nicht dem Untergang ­geweiht, aber es wird über kurz oder lang nicht oder allenfalls als Nischenprodukt ­erhalten bleiben. Freunde der kompletten Musikbibliothek in einer Hosentasche werden dies begrüßen, Liebhaber des Plattenregals betrauern.

Verkauft wird jedoch wieder mehr Musik. In den vergangenen fünf Jahren ist der Umsatz mit Tonträgern nach langen Jahren des Rückgangs wieder angestiegen oder ist – wie 2017 – zumindest nicht zurückgegangen. Im Vorweihnachtsgeschäft ist davon jedoch nichts zu spüren – wo sind die Alben, die früher alljährlich bewusst in der Vorweihnachtszeit veröffentlicht wurden? Sie scheinen ausgestorben zu sein.

Wo noch veröffentlicht wird, wird allerdings gerne in heimischer Zunge gesprochen. Am Freitag sind die offiziellen deutschen Jahrescharts bekannt gegeben worden. Auf Platz eins der Albumjahrescharts steht, wie schon im Vorjahr, Helene Fischer, ganze neun der zehn ersten Plätze – siehe unsere Bildergalerie – belegen deutschsprachige Musiker. Als einzige nicht deutschsprachige Produktion findet sich dort ein Album von Ed Sheeran. Rund ein Fünftel der hundert erfolgreichsten Singles 2018 stammen schließlich von deutschsprachigen Rappern, auch das ist ein Paradigmenwechsel.

Was bleibt? Jene Pop- und Jazz-Alben, die wir Ihnen am 1. Dezember in unserer Geschenktippbeilage ans Herz gelegt ­haben. Zuzüglich jener, die zwar sehr gut sind, es aber nur auf die Longlist geschafft haben: die Dirty Projectors mit dem hervorragenden „Lamp Lit Prose“ etwa, trotz aller politischer Debatten um die Band selbst „Cocoa Sugar“ von den Young Fathers und Marianne Faithfulls wunderbar altersweises „Negative Capability“. Oder die aktuellen Alben von Sophie Hunger, Tocotronic, Mitski, Janelle Monáe, Father John Misty, Johnny Marr, Julia Holter, Anja Plaschg und Christine & the Queens.

Was der Jazzjahrgang geboten hat

Unter den Jazz-Saxofonisten hat neben John Coltrane und Kamasi Washington JD Allen mit seinem lyrischen Album „Love Stone“ eine Duftmarke gesetzt. Dem Trompeter Eddie Henderson ist mit „Be cool“ ein starkes Hard-Bop-Album gelungen, dem Stuttgarter Quartett FUMMQ um die Brüder Magnus und Ferenc Mehl auf „Broken Circle“ quicklebendiger Modern Jazz. John Scofield pflegt auf „Combo 66“ lustvoll das E-Gitarrenspiel, Bill Frisell spielt auf „Music is“ wie ein Youtuber solo zu selbst eingespielten Loops schöne Pickings. Ein starkes Debüt vorgelegt hat die kalifornische Sängerin Arianna Neikrug, deren betörende Stimme auf „Changes“ den Ohren schmeichelt. Das Bigband-Album „Painted Lady Suite“ des Trompeters Michael Leonhart entführt in bildreiche Klangwelten, die Gitarre bedient Nels Cline von Wilco.

An den Tasten macht der junge Schwede Joel Lyssarides mit „Dreamer“ Furore, das Vermächtnis seines Landsmannes Esbjörn Svensson unterstreicht das e.s.t.-Album „Live in London“. Brad Mehldaus Trio bietet auf „Seymour reads the Constitution“ unbändige Spiellust, Michael Wollny auf „Wartburg“ die ihm eigene ekstatische Genialität. Einnehmend klingt der Piano-Jazz der Engländerin Victoria Wilson, die auf „Bohemia after Dark“ an Marian McPartland erinnert, eine der wenigen Frauen im Jazz der Fünfziger. Überhaupt kommt Spannendes von der Insel: Wie unter Strom erzeugen die Sons of Kemet wildes Pulsieren auf „Your Queen is a Reptile“. Leichtfüßig verbindet Blood Orange alias Devonté Hynes auf „Negro Swan“ Soul, Jazz und Elektronik mit einer Stimme wie Curtis Mayfield – wächst da ein neuer Prince heran?

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