Die Steuerfahndung ist zuständig für strafbare Steuerhinterziehung. Foto: picture alliance / dpa/Angelika Warmuth

Die elf Spezialeinheiten der Finanzämter sind zuständig für kriminelle Hinterziehung und erzielten 2019 Mehreinnahmen von 358 Millionen Euro. Nun werden sie fürs Datenzeitalter ausgerüstet.

Stuttgart - Die Steuerfahnder im Land haben den öffentlichen Kassen im Jahr 2019 pro Kopf mehr als eine Million Euro an Mehreinnahmen verschafft. Insgesamt führten die Ermittlungen der 352 Beschäftigten zu zusätzlichen Steuerzahlungen in Höhe von 358,2 Millionen Euro, teilte das Finanzministerium unserer Zeitung mit. Im Jahr zuvor hatten die Ergebnisse bei der gleichen Zahl von Fahndern noch bei 331,5 Millionen Euro gelegen. Durch Rechtsstreitigkeiten können sich die Zahlen noch ändern.

Es geht nicht nur im dicke Fische

Die Steuerfahndung, die auf elf Finanzämter im Land aufgeteilt ist, kümmert sich um kriminelle Fälle der Steuerhinterziehung. Dabei geht es nicht nur um große Fälle, sondern auch um alltägliche Geschäfte wie etwa den Handel mit Gebrauchtwagen oder Bargeldgeschäfte in Gastronomie und Handel. In vergangenen Jahren, als Deutschland etwa CDs aus der Schweiz mit Informationen über Steuerhinterziehung aufkaufte, waren die Mehreinnahmen deutlich höher.

Um die wachsenden Datenmengen bewältigen zu können, die pro Fall schnell Tausende von Gigabyte erreichen können, wird die Steuerfahndung derzeit technisch aufgerüstet. Es entsteht eine zentrale Infrastruktur, auf der auszuwertende Daten sicher gespeichert werden. Dies soll die Hinzuziehung von Spezialisten ebenso erleichtern wie die Arbeit im Home Office. Die Daten – darunter Buchungsvorgänge, E-Mails und Chatverläufe aus sozialen Medien – können angesichts der Menge nicht mehr durch Menschen gelesen werden, sondern müssen durch Software nach Schlüsselbegriffen durchsucht werden. Auch solche Analyse-Software steht den Fahndern inzwischen zur Verfügung. Für das Projekt sind zunächst zwei Millionen Euro eingeplant.

Steuergewerkschaft begrüßt Ausbau

Die Deutsche Steuergewerkschaft (DSTG) begrüßt den Ausbau der Infrastruktur im Südwesten, sieht aber seitens der Politik weiter Handlungsbedarf. Die IT-Kriminalität entwickle sich exponenziell, erklärte DSTG-Bundeschef Thomas Eigenthaler unserer Zeitung. „Der IT-Hinterzieher sitzt sozusagen im Ferrari, während wir auf dem Moped sitzen.“ So gehe die Digitalisierung unter anderem mit dem Handel über Kryptowährungen und der Speicherung von Daten in Clouds mit unbekanntem Serverstandort einher. Es gebe hier einen „Wettlauf zwischen Hase und Igel“.

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