Nach acht Jahren im Amt stellt sich der 45-Jährige am 25. Januar in Böblingen zur Wiederwahl . Bei ausgewählten Projekten seiner Amtszeit fällt die Bilanz gemischt aus.
Die Amtszeit von Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz neigt sich dem Ende. Am 25. Januar stellt sich der 45-Jährige erneut zur Wahl. Seine acht Jahre waren geprägt von internationalen Krisen: Corona, Ukraine-Krieg sowie der längsten Konjunkturflaute der jüngeren Geschichte, die insbesondere den automobilen Kreis Böblingen trifft. Wie blickt er zurück auf ausgewählte Projekte seiner Amtszeit? Was hat er erreicht? Was nicht?
Schlossberg-Bebauung In der Debatte um eine neue Musik- und Kunstschule auf dem Schlossberg ist es auffällig ruhig geworden. Nach fünfjähriger Untersuchung der Machbarkeit und des Untergrunds, Protesten wegen Baumfällungen und Aufregung wegen massiv gestiegener Grabungskosten liegt dem Gemeinderat noch immer keine Entscheidungsgrundlage vor. Im Gespräch rechnet Oberbürgermeister Stefan Belz mit einer Gegenüberstellung der Kosten für Mitte 2026. Sprich: Was würde eine Musikschule auf dem Schlossberg samt Interim für die Paul-Lechler-Schule kosten? Und wie teuer käme es, sie andernorts zu realisieren? Belz selbst scheint sich nicht für die Bebauung verkämpfen zu wollen, freut sich aber über die zutage geförderten Ergebnisse: „Die Grabungen sind ein glücklicher Zufall. Noch nie wurde die Geschichte des Schlossbergs so tiefgehend untersucht, die Funde gehen bis ins 8. oder 9. Jahrhundert zurück. Es ist ein stadthistorisches Juwel.“ Schon jetzt sei klar, dass man den Gewölbekeller für die Öffentlichkeit erhalten wolle. Belz: „Dies ist ein kultureller Schatz. Darin kann man sich vieles vorstellen, vom Jazz-Konzert bis zur Weinbar.“ Außerdem plädiert er dafür, das Plateau – mit oder ohne Musikschule – stärker als Aussichtsplattform zu bespielen.
Kauf des Krankenhaus-Areals Ob er die vier mal zehn Millionen Euro für das Kreiskrankenhaus in Zeiten klammer Kassen nach wie vor als gut angelegt betrachtet, antwortet Belz nur mit einem trockenen: „Ja.“ Schiebt aber sogleich die Erklärung nach: „Die Entwicklung dort wird den Kaufpreis rechtfertigen.“ Nur so sei die Stadt in der Vorhand bei den Planungen und bei der Investorensuche. „Die Diversifizierung zeichnet Böblingen aus, wir brauchen weitere wirtschaftliche Standbeine und dafür sind Flächen notwendig.“ Erst wenn das Krankenhaus vollständig ausgezogen ist, wird voraussichtlich 2028 die letzte Zehn-Millionen-Tranche fällig. Bis dahin will Belz mit Unterstützung eines Kuratoriums Investoren anlocken und seiner Vision eines Innovationscampus näher kommen. „In Sachen Vernetzung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gibt es in der Region Stuttgart noch viel Luft nach oben“, sagt er.
Energiewende Mit Verve begleitete Belz als Grünen-Politiker die Planungen für einen interkommunalen Windpark auf dem Holzgerlinger First im Vorranggebiet BB-14. Doch die Sonderbehandlung der Diezenhalde durch die Regionalversammlung ließ einen Windpark dort sterben. Die Enttäuschung darüber ließ und lässt sich der OB nicht anmerken, stellt aber klar, „dass der Energiehunger der Firmen in Böblingen steigen wird und wir immer mehr Strom benötigen werden.“ Mehr erneuerbare Energie sei dafür unerlässlich, diese gar ein Standortfaktor, betont er. Um das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen, überlege Böblingen nun Ökostrom von anderen Kommunen zu kaufen. Außerdem habe sich die installierte Photovoltaik-Leistung in Böblingen in seiner Amtszeit mehr als verdoppelt – und ein Drittel der Haushalte beziehe ökologisch sinnvolle Fernwärme.
Neuordnung des Elbenplatzes Es ist der am stärksten vom Verkehr umtoste Platz der Stadt, entsprechend komplex war die Neuordnung dieses gordischen Verkehrsknotens zwischen 2019 und 2021. Durch die Wegnahme einer Geradeaus-Spur aus Richtung Herrenberg zugunsten eines Radwegs staut es in den Stoßzeiten – zum Leidwesen vieler Autofahrer. „Verkehrsplanung ist immer ein Kompromiss“, sagt Stefan Belz. Es sei der Auftrag aus dem Gemeinderat gewesen, die Radfahrer entlang der Hauptverkehrsachsen zu führen. „Außerdem kühlt der Grünstreifen in heißen Sommern.“ Der Platz habe in den Siebzigerjahren noch rund 70 000 Autos täglich gezählt, heute seien es aufgrund B 464 und Nordumfahrung nach Schönaich nur noch rund 32 000. Die neue Querspange bringe ab 2028 zusätzlich Entlastung. Verbesserungsbedarf sieht er aber bei der Einfädelspur aus Richtung Pulse: „Hier gibt es noch Potenzial.“ Außerdem sei es denkbar, am List-Kreisel noch einen Bypass Richtung Brumme-Allee zu errichten.
Belebung der Innenstadt Eine verödende Innenstadt begleitet Stefan Belz – und viele seiner Amtskollegen – seit Jahren. Die Stadt sorgte zuletzt für einen Paukenschlag, indem sie selbst ins städtische Monopoly einstieg und das brachliegende Seestudio samt weiterer Gebäude in der Poststraße erwarb, „um dort eine Entwicklung zu ermöglichen“, wie Belz sagt. Man könne das Seestudio „mit überschaubaren Mitteln“ ertüchtigen, derzeit läuft die Ausschreibung für ein neues Konzept. Eine Neubebauung der Zeile sieht er kurzfristig nicht. Ausdrücklich begrüßt er die Initiative zur Wiederbelebung des Künstlerviertels, nachdem der Gemeinderat einen Komplett-Abriss samt Neubebauung 2022 ablehnte. „Das lässt unsere Stadtplaner darüber nachdenken, wie man den Verkehr dort neu ordnen könnte“, sagt er. Im Raum steht auch, ein Sanierungsgebiet auszuweisen, was es den Eigentümern beispielsweise ermöglichen würde, einfacher an Fördergelder zu kommen.
Sanierung von Schulen und Turnhallen Als Stefan Belz das OB-Amt übernahm, stand die Stadt vor der Herkulesaufgabe, ihre in die Jahre gekommenen Schulgebäude auf Vordermann zu bringen. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit wurde das Schulhaussanierungsprogramm aufgesetzt, um die Aufgabe strukturiert anzugehen, inklusive Personalaufstockungen. Und tatsächlich ist in den vergangenen Jahren einiges passiert. Die Sportstätten aber blieben – bis auf Ausnahmen – außen vor. Der Unmut über marode Turnhallen mehrte sich: In der Eduard-Mörike-Schule nistete Ungeziefer, in die Turnhalle der Eichendorff-Schule regnet es rein. „Es ist eine Frage der Prioritäten. Wir können nicht alles auf einmal sanieren“, sagt Belz. Er begrüße aber den Vorschlag der CDU-Fraktion, eine AG Sportstätten zu gründen, um dies nun gezielt anzugehen. Als Leuchtturmprojekt ragt der Neubau des Schulzentrums Stockbrünnele hervor. Ein viel gelobtes Gebäude, bei dem die Kosten jedoch aus dem Ruder liefen: Von ursprünglich veranschlagten 53 Millionen Euro stiegen sie auf 75 Millionen Euro. Belz: „Wir mussten erst wieder lernen, wie nach heutigen Anforderungen Schulen gebaut werden. Der letzte Schulneubau in Böblingen lag fast 30 Jahre zurück.“ Als Grund für den Kostensprung nennt er unter anderem deutliche Baukostensteigerungen und neue Anforderungen an Brand- und Amokschutz.
Zur Person
Stefan Belz
wurde am 23. Juni 1980 in Böblingen geboren. Sein Abi machte er am Sindelfinger Stiftsgymnasium, danach studierte er Luft- und Raumfahrttechnik an der Uni Stuttgart mit anschließender Promotion zu Raumfahrtsystemen
Politik
2011 trat er in den Grünen-Ortsverband Böblingen ein, 2012 wurde er dessen Sprecher. 2014 zog er in den Gemeinderat ein. Bei der OB-Wahl 2018 gewann er gegen CDU-Amtsinhaber Wolfgang Lützner.