Eine Frau geht beim griechischen Badeort Rafina hinunter zum Strand. Rechts und links vom Weg sieht man, wie das Feuer vor zehn Tagen gewütet hat. Foto: AP

Mehr als 90 Menschen sind am 23. Juli bei einem Feuersturm ums Leben gekommen. Jetzt spenden Bürger, die selbst kaum etwas haben. Unterdessen wächst die Kritik an den Behörden.

Athen - Eine Sozialstation im Athener Stadtteil Dafni am Mittwochvormittag. Schwer bepackt kommen die beiden Frauen zur Tür herein. Sie schleppen Einkaufstüten: Konserven, Nudeln, Reis, H-Milch, Windeln, Toilettenpapier. Es sind Spenden für die Überlebenden der Brandkatastrophe, die vor neun Tagen über den Athener Küstenvorort Mati hereinbrach. „Wir haben selbst nicht viel“, sagt Evanthia, „aber was wir haben, teilen wir gern.“

Mit ihrer Nichte Elektra ist die Frau nun schon zum zweiten Mal hier. Die Gemeinde Dafni hat die Sozialstation vor einigen Jahren für Bedürftige eingerichtet. „Aber im Moment dreht sich hier vieles um Beistand für die Menschen in Mati“, erklärt Elena. Zusammen mit ihrer Kollegin Penelope leitet die junge Sozialarbeiterin die Station. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist überwältigend, zumal hier viele wegen der Krise selbst in Not sind“, sagt Penelope.

Stiftungen und Firmen spenden Millionenbeträge

Mindestens 92 Menschen kamen in dem Feuersturm uns Leben, der am Abend des 23. Juli durch den Ferienort nordöstlich von Athen fegte. 1046 Häuser wurden so schwer beschädigt, dass sie abgerissen werden müssen. Weitere 827 sind vorerst unbewohnbar. Die Bilder des fast völlig verwüsteten Ortes mit seinen schwarzen Baumgerippen und den ausgeglühten Autowracks hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst.

Die beiden großen gemeinnützigen Institutionen Griechenlands, die Alexander-Onassis-Stiftung und die Stavros-Niarchos-Stiftung, stellten sofort zweistellige Millionenbeträge zur Verfügung. Der Mineralölkonzern Motor Oil will den Wiederaufbau eines Waisenhauses finanzieren. Unternehmen überwiesen Spenden auf das Sonderkonto, das für die Katastrophenopfer eingerichtet wurde, manche Firmen spendeten Millionenbeträge. Aber auch zahllose Bürger helfen mit Geld- und Sachspenden oder bieten Obdachlosen ihre Wohnungen an.

Vor dem Parlament versammeln sich Menschen zur Mahnwache

Hunderte Menschen versammelten sich zu einer Mahnwache auf dem Syntagmaplatz vor dem Athener Parlament. Sie zündeten Lichter an, gedachten schweigend der Opfer und baten auf Plakaten um Verzeihung für die Tragödie – ein Wort, das Ministerpräsident Alexis Tsipras und seinen Ministern bisher nicht über die Lippen kam. Sieben Tage ließ der Premier verstreichen, bis er sich endlich zur einer kurzen Inspektion ins Katastrophengebiet aufmachte.

„Ich habe ihn nicht gesehen“, sagt die 72-jährige Panagiota. In der rußgeschwärzten Ruine ihres Hauses stochert sie in der Asche nach verwertbaren Überresten. Wie die meisten Obdachlosen ist sie bei Freunden untergekommen. Die Regierung verspricht finanzielle Soforthilfen und Steuerstundungen. „Aber ich weiß nicht, ob ich in meinem Alter noch einmal die Kraft aufbringe, das hier wieder aufzubauen“, sagt die alte Frau.

Auch aus Österreich und Deutschland kommen Spenden

„Es fehlt immer noch am Nötigsten“, sagt Maria Moschou. Sie leitet das Athener Büro der Griechenlandhilfe. Der Salzburger Erwin Schrümpf hat die gemeinnützige Hilfsorganisation 2011 gegründet, um griechischen Krisenopfern zu helfen, vor allem mit Medikamenten und Babynahrung. Die Organisation ist zwar in Österreich zuhause, aber die meisten Spenden bekommt sie aus Deutschland. „Wir können gezielt helfen, weil wir seit Jahren mit griechischen Behörden zusammenarbeiten, die örtlichen Verhältnisse gut kennen und genau wissen, woran es fehlt“, erklärt Erwin Schrümpf.

Unterdessen wächst in Griechenland die Kritik am Katastrophenmanagement. Opposition und Medien werfen Regierung und Behörden Versäumnisse vor. Als folgenschwer erwies sich vor allem, dass die Polizei währen des Brandes eine Hauptverkehrsstraße sperrte und Autofahrer in die engen Straßen von Mati umleitete – wo sie wenig später von der Feuerwalze überrollt wurden.

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