Freude über das Rekordjahr, aber auch mahnende Worte: VHS-Leiter Uwe Peinke. Foto: Stadt Leonberg/Sebastian Küster

Die Bilanz der Volkshochschule Leonberg übertrifft in allen Bereichen die Erwartungen. Doch es gibt auch große Probleme, mit denen das Team um VHS-Leiter Uwe Peinke wohl auch in Zukunft umgehen muss.

Der Trend setzt sich fort. Uwe Peine, Leiter der Leonberger Volkshochschule (VHS), nennt es eine „stürmische Aufwärtsentwicklung“. Im zweiten Jahr in Folge verzeichnet die Einrichtung mit samt ihrer Außenstellen in Renningen, Rutesheim, Weil der Stadt und Weissach einen enormen Zuwachs. In Zahlen sind das über 4500 Unterrichtseinheiten mehr als noch im Jahr 2022, damit liegt man nun bei knapp 30 000. Eine Unterrichtseinheit entspricht dabei einer Veranstaltungszeit von 45 Minuten. Rechnet man zu den Kursen die Einzelveranstaltungen und Studienfahrten hinzu, haben im Jahr 2023 rund 17 000 Personen die VHS und ihre Außenstellen besucht.

 

Unterm Strich steht somit der zweitgrößte Anstieg in der Geschichte der Leonberger VHS. „Natürlich hat das aber auch mit dem Knick zwischendurch zu tun“, so Peinke. Während der Coronapandemie sahen die Zahlen noch ganz anders aus. Peinke, der seinen Bericht am Mittwochabend im Sozial- und Kultusausschuss des Gemeinderats vortrug, ging auch auf die finanziellen Aspekte ein. Denn auch wirtschaftlich machte die VHS im vergangenen Jahr eine gute Figur. Sie erwirtschaftete laut dem vorläufigen Ergebnis knapp 550 000 Euro und lag damit rund 260 000 Euro über Plan. All das zusammengenommen „ist das Ergebnis ganz außerordentlich erfreulich und übertrifft sogar die optimistischsten Erwartungen“, so Peinke.

Er nennt auch Gründe für den Anstieg: „Geflüchtete füllen die Sprachkurse enorm“, so der VHS-Chef. Jener Fachbereich ist traditionell der umfangreichste bei der Volkshochschule. Gut 19 000 Unterrichtseinheiten entfielen hierauf im Jahr 2023, 2022 waren es noch gut 15 200 gewesen. Den Löwenanteil des Anstiegs seien laut Peinke dem Deutsch- und Integrationsbereich zuzurechnen. Dieser habe auch 2023 nochmals stark ausgebaut werden müssen.

Und hier zeigen sich die negativen Effekte der vornehmlich guten Zahlen. Das Team ist gesundheitlich angeschlagen, und zwar durch die Bank. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien langfristig ausgefallen, was dem dauerhaft hohen Arbeitsdruck geschuldet gewesen sei. Besonders das Fehlen einer Stellvertretung in der Verwaltungsleitung ist dabei ein Thema. So forderte Peinke auch im Ausschuss, dass die Personalsituation dringend verbessert werden müsse.

Kursprogramm ein wenig zurückgefahren

Angesichts dieser Lage habe man die Kursplanung für das zweite Halbjahr 2024 auch etwas zurückgefahren. Die Inhalte sollen jedoch nach wie vor abwechslungsreich bleiben. Peinke sieht für seine VHS drei primäre Aufgaben: die Stärkung der Demokratie, die Integration sowie die Sicherung von Fachkräften. Denn neben den Sprachkursen („Würden diese Menschen nicht zu uns kommen, wären sie orientierungs- und sprachlos.“) sind auch Angebote und Veranstaltungen in Sachen Politik und Gesellschaft fester Teil des VHS-Portfolios. Hinzu kommen Kurse etwa im Bereich Arbeit und IT, in denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fähigkeiten für ihre berufliche Tätigkeit aneignen können.

Für die Zukunft will man bei der VHS die Entwicklung fortführen. Wie das auch in Sachen Personal funktionieren könnte, dafür hat Uwe Peinke auch schon eine Idee. Angesichts der guten wirtschaftlichen Bilanz und der gleichzeitigen gravierenden gesundheitlichen Belastung aufgrund der dünnen Personaldecke scheine eine „maßvolle Erweiterung der Personalkapazität, vor allem bei den Verwaltungsmitarbeitenden, dringend geboten“.