Und dahinter das Verbrechen: Über die Zahl der Straftaten hat jetzt die Stuttgarter Polizei Bilanz gezogen. Foto: dpa/Christoph Reichwein

Die Zahl der Straftaten in der Landeshauptstadt ist deutlich zurückgegangen – auf den niedrigsten Stand seit 2001. Klar, wegen der Pandemie – allerdings gibt es da noch andere Trends.

Stuttgart - Die Kriminalität in Stuttgart ist auf den niedrigsten Wert seit 20 Jahren gesunken. Der neuerliche Rückgang um knapp sieben Prozent auf etwa 50 700 Straftaten hängt offenbar wesentlich von den Einschränkungen während der Coronapandemie zusammen. Dies geht aus der jüngsten Kriminalstatistik hervor, die am Dienstag vom Stuttgarter Polizeipräsidenten Franz Lutz vorgestellt wurde. „Mit 7978 Straftaten pro 100 000 Einwohner ist Stuttgart auf einem historisch niedrigen Wert“, sagt Lutz.

Dabei musste die Stuttgarter Polizei ganz unterschiedliche Entwicklungen registrieren: Die Zahl der Betrugsdelikte ging zurück, unter anderem wegen erheblich weniger registrierten Schwarzfahrten. Dies dürfte an weniger Fahrgästen und Kontrollen gelegen haben. Ebenso gab es für Diebe deutlich weniger Tatgelegenheiten. Auf der anderen Seite hat die Polizei so viele Drogendelikte wie noch nie aufgedeckt. Fahrraddiebe haben im vergangenen Jahr weitaus häufiger zugeschlagen – auch weil der Bestand teurer Fahrräder und E-Bikes gewachsen ist.

Dritter Platz unter den Stadtkreisen des Landes

Trotz der spektakulären Junikrawallnacht mit Randale und Plünderungen bezeichnet Polizeipräsident Lutz Stuttgart als sicher: „Im bundesweiten Vergleich ist Stuttgart eine der zehn sichersten Großstädte“, sagt er. Aber aber auch im Land: Im Vergleich der baden-württembergischen Stadtkreise liegt die Landeshauptstadt bei den am wenigsten kriminalitätsbelasteten Städten an dritter Stelle hinter Heilbronn und Pforzheim. Lutz lobt die weit über dem Landesschnitt liegende Aufklärungsquote von 67 Prozent. Freilich kommen der Quote aufgeklärte Wirtschaftsdelikte aus den Jahren 2015 bis 2018 zugute.

Die Innenstadt ist trotz Coronamaßnahmen und der starken Einschränkungen für Gastronomie und kulturellen Einrichtungen „für die Vergnügungssuchenden nahezu unverändert attraktiv“, so die Analyse des Stuttgarter Polizeipräsidenten. Ein hohes Personalaufkommen und erhöhter Alkoholkonsum habe zu einer hohen Kriminalitätsbelastung beigetragen. Die Sondereinheit Sicherheitskonzeption Stuttgart (SKS) ist deshalb seit 2016 ununterbrochen im Einsatz. „Wir werden keine Angsträume entstehen lassen“, so Polizeivizepräsident Markus Eisenbraun. Dass sich die Zahl der registrierten Ordnungswidrigkeiten verdoppelt habe, liege vor allem an den Verstößen gegen die Coronaverordnung, heißt es in der Bilanz.

Immer mehr Opfer – auch bei der Polizei

Die Opferzahlen haben in Stuttgart einen neuen Höchststand erreicht. Seltener, aber noch immer fallen ältere Menschen auf die Telefonbetrüger herein, die sich als Polizisten ausgeben und die Ersparnisse abzocken. In Stuttgart wurden im vergangenen Jahr knapp 900 000 Euro erbeutet. Allerdings werden die Fallzahlen nun statistisch anders erfasst.

Zu Opfern zählen aber auch die Beamtinnen und Beamten selbst. Die Zahlen der Widerstandsdelikte und der Gewalttaten gegen Polizisten sind auch im vergangenen Jahr erkennbar gestiegen. Der Täterkreis lässt sich dabei deutlich eingrenzen: Mehr als 80 Prozent der Tatverdächtigen sind männlich – und mehr als drei Viertel stehen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

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