Auf der Hangweide zwischen Kernen-Stetten und -Rommelshausen ist mit dem Bau des „Zukunftquartiers“ begonnen worden. Auch die Kreisbaugruppe engagiert sich hier. Foto: Gottfried Stoppel

Der Rems-Murr-Kreis engagiert sich über die Kreisbaugruppe im Wohnungsbau. 365 Wohnungen sind fertig. Doch wie soll angesichts knapper Kassen der ehrgeizige Plan vollendet werden?

Trotz leerer Kassen will der Rems-Murr-Kreis beim Wohnungsbau auf Kurs bleiben. „Eine solide Finanzpolitik ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung, um strategische Aufgaben zu erfüllen“, betonte der Landrat Richard Sigel bei der Jahrespressekonferenz der Kreisbaugruppe.

 

Der Wohnraummangel, von der Industrie und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart jüngst erneut als Risiko für das regionale Wirtschaftswachstum eingestuft, zwinge zu Investitionen – auch wenn der finanzielle Spielraum schrumpfe.

Wohnungsbau‑Bilanz: Ambitioniert, aber im Zeitplan

Die Bilanz der Kreisbau fällt da durchaus selbstbewusst aus. Laut Geschäftsbericht wurden bis März dieses Jahres bereits 365 der 500 geplanten geförderten Mietwohnungen fertiggestellt, weitere 34 befinden sich im Bau. „Das Ziel von 500 Wohnungen bis 2027 ist erreichbar“, so Dirk Braune, der Geschäftsführer der Kreisbaugruppe. Ergänzend sollen im Rahmen des Programms „500+“ rund 290 zusätzliche Mietwohnungen entstehen – auch für Menschen ohne Wohnberechtigungsschein.

Schwerpunktprojekte in Planung und Bau

Eines der größten Projekte ist das Bauvorhaben auf der Hangweide in Kernen. Dort entstehen bis 2026 rund 120 Mietwohnungen sowie eine inklusive Kita, ergänzt durch Eigentumswohnungen, die Bauträger realisieren. Das Konzept folgt dem Leitgedanken eines „sozial durchmischten, zukunftsfähigen Quartiers“, wie es in einer Präsentation der Kreisbaugruppe heißt.

Landrat Richard Sigel (rechts) engagiert sich mit der Kreistochter Kreisbau im Wohnungsbau. Foto: Julian Rettig

Weitere Schwerpunkte liegen in Backnang, Welzheim und Berglen: Im Bonhoeffer-Quartier wurden die ersten 15 Wohnungen bereits im Frühjahr bezogen, die restlichen 33 sollen Ende des Jahres fertig sein. In Welzheim sind elf geförderte Wohnungen im Rötelfeld II übergeben, während in Berglen in diesem Sommer der Startschuss für 20 neue Eigentumswohnungen fallen soll.

Auch in Schorndorf denkt die Kreisbaugruppe groß: Am Karlsplatz sind neben Mietwohnungen Flächen für eine Tagespflege, betreutes Wohnen und Schülerwohnungen geplant. „Sinnvoll wäre auch Schülerwohnen, da die Berufsschule in der Nähe ist“, ordnet Sigel ein.

Pflegeheime und Klimaschutz als zweite Säule

Die Investitionen beschränken sich freilich nicht nur auf Wohnungen. In Urbach wurde 2024 der Grundstein für ein neues Pflegeheim gelegt, das 2026 fertig sein soll. In Rudersberg wuchs das Seniorenquartier mit 46 Pflegeplätzen und 16 betreuten Seniorenwohnungen beim Richtfest sichtbar in die Höhe. Beide Projekte setzen auf Hybridbauweise und Photovoltaik – ein sichtbares Zeichen für den Klimaschutz.

Der spielt auch im Gebäudebestand eine wachsende Rolle. Mit der Sanierung in der Beinsteiner Straße in Kernen nach dem Standard „Effizienzhaus 70EE“ spart die Kreisbau künftig 33 Tonnen CO₂ pro Jahr ein. Die Klimaroadmap sieht bis 2040 einen klimaneutralen Bestand vor.

Neuer zweiter Geschäftsführer – alte Herausforderungen

Frischen Wind soll Ingo Haußmann bringen. Der 45-Jährige wurde Ende Juli zum neuen technischen Geschäftsführer und damit Nachfolger von Steffen Krahn bestellt, der als deren Leiter zur Stadtbau Schorndorf wechselt. Haußmann war mehr als ein Jahrzehnt in leitender Funktion bei der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) beschäftigt.

Doch die Herausforderungen bleiben: Der Landkreis hat seit 2016 über 51 Millionen Euro in die Kreisbau eingebracht – weitere massive Eigenkapitalerhöhungen sind laut Sigel nicht mehr möglich.

Stattdessen setzt die Kreisbaugruppe auf „Investieren mit Verantwortung“: serielles Bauen, Kooperationen mit Partnern und Gewinnthesaurierung sollen die ehrgeizigen Ziele sichern. Für die Menschen im Rems-Murr-Kreis bleibt die Hoffnung, dass sich die Balance zwischen knappen Kassen und sozialer Verantwortung halten lässt.