Der Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt Foto: dpa

Der des Insiderhandels verdächtigte Manager macht bei der Präsentation der Geschäftszahlen eine unglückliche Figur. Obendrein wächst die Kritik am geplanten Zusammenschluss mit der Londoner Börse. Über Alternativen zum geplanten Hauptsitz in Großbritannien will Kengeter nicht sprechen.

Frankfurt - Die Deutsche Börse hat die ihren Gewinn 2016 um 14 Prozent gesteigert – doch das nützt Vorstandschef Carsten Kengeter derzeit wenig. Die Bilanzpressekonferenz am Donnerstag wurde von den laufenden Ermittlungen gegen den 49-Jährigen überschattet. Zwar wies Kengeter die Verdächtigungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft erneut zurück: „Insiderhandel widerspricht allem, wofür ich stehe“, sagte der sichtlich angegriffene Börsenchef. Doch er ließ einige Fragen zu seinem umstrittenen Aktienkauf offen.

Kengeter hatte keine drei Monate vor Bekanntgabe der Fusionsverhandlungen mit der Londoner Börse LSE ein großes Aktienpaket seines eigenen Unternehmens erworben. Der Börsenchef betonte, der Kauf sei Teil eines Vergütungsprogramms und „in einem mir vorgegebenen Zeitrahmen“ erfolgt. Zudem unterliegen die gekauften Anteile einer Haltefrist bis Ende 2019. Selbst wenn Kengeter – wie die Staatsanwaltschaft vermutet – beim Kauf der Aktien im Dezember 2015 also bereits mit einer Börsenfusion gerechnet haben sollte, kann er diesen Informationsvorsprung vorerst nicht zu Geld machen.

Das Ko-Investitionsprogramm für Kengeter ist äußerst lukrativ

Unbeantwortet blieb allerdings, warum der Aufsichtsrat im September 2015 überhaupt ein einmaliges Ko-Investitionsprogramm für den Vorstandsvorsitzenden auflegte. Nach Einschätzung der Frankfurter Staatsanwaltschaft liefen die Gespräche mit der LSE da bereits. Zwar musste Kengeter für die Inanspruchnahme des Programms in Vorleistung gehen, er gab für den Aktienkauf rund 4,5 Millionen Euro aus. Doch die Börse legte noch einmal virtuelle Aktien im gleichen Wert obendrauf.

Dieses virtuelle Aktienpaket könnte Kengeter weit mehr Geld einbringen als die von ihm selbst finanzierten Anteile. Es weist nämlich ganz besondere Eigenschaften auf: Bei einer erfolgreichen Unternehmensführung würde Kengeter nicht nur von einem Anstieg des Aktienkurses, sondern zusätzlich von einer Vervielfachung der 69 000 von der Börse gewährten Anteilsscheine profitieren. Sollte der ehemalige Investmentbanker bei Gewinnentwicklung und Aktionärsrendite die vorgegebenen Maximalziele erreichen, so würden die virtuellen Aktien mit dem Faktor 2,5 multipliziert. Statt 69 000 erhielte Kengeter damit 2019 also 172 000 richtige Anteilsscheine – zum dann gültigen Kurs. Sollte dieser von derzeit 83 Euro etwa auf 100 Euro steigen, wäre das von seinem Arbeitgeber finanzierte Aktienpaket also über 17 Millionen Euro wert.

Hessen könnte Einspruch gegen die Börsen-Fusion erheben

Die Debatte über die Sondervergütung kommt für das Unternehmen zur Unzeit. Denn auch der geplante Zusammenschluss mit der Londoner Börse ist umstritten. Rechtssitz der neuen Holding soll die britische Hauptstadt sein, was seit dem Votum der Briten für einen Austritt aus der EU auch außerhalb Frankfurts für Unbehagen sorgt. Die hessische Börsenaufsicht hat sich zu dem Fusionsvorhaben noch nicht geäußert, Landesfinanzminister Thomas Schäfer forderte kürzlich aber eine Ansiedlung der Holding in Frankfurt. Kengeter erklärte dazu: „Wir haben gut zugehört, was uns die Verantwortlichen in Hessen gesagt haben.“ Ob sein Haus vertraglich überhaupt die Möglichkeit hätte, der LSE einen Verzicht auf den Rechtssitz London abzuringen, wollte der Börsenchef aber nicht beantworten. Bis Ende Juni muss die Transaktion in trockenen Tüchern sein.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: