2024 ist für die Flughafengesellschaft Stuttgart das fünfte Jahr in Folge gewesen, in dem sie rote Zahlen geschrieben hat. Die große Herausforderung der Transformation zur Klimaneutralität am Boden will man trotzdem angehen.
Das Geschäft mit der Fliegerei bleibt in Stuttgart ein Verlustbringer. Der Manfred-Rommel-Airport auf den Fildern bewegt sich im fünften Jahr in Folge in der Verlustzone. Auf 6,1 Millionen Euro belief sich das Defizit im Jahr 2024, wie die Flughafen-Geschäftsführer Ulrich Heppe und Carsten Poralla bei der Bilanzpräsentation am Mittwoch sagten. Zum Vergleich: 2019, im bislang letzten profitablen Jahr, erwirtschaftete die Betreibergesellschaft FSG noch einen Gewinn von 50,2 Millionen Euro.
Flughafen Stuttgart: Verluste trotz steigender Passagierzahlen
Damals passierten 12,7 Millionen Passagiere die Gates am Stuttgarter Flughafen. Im vergangenen Jahr zählte der Airport 9,1 Millionen Fluggäste. Die Erholung nach dem coronabedingten Stillstand verläuft weiterhin in kleinen Schritten. „Herausfordernd“ sei 2024 gewesen, erklärte Flughafenchef Ulrich Heppe. Auf dem Weg zurück in die schwarzen Zahlen sei man aber ein gutes Stück vorangekommen. Und 2025 solle sich der Erholungskurs fortsetzen. „Für das aktuelle Geschäftsjahr erwarten wir etwa fünf Prozent mehr Fluggäste als im Vorjahr. Die Menschen wollen unverändert fliegen – wir sehen eine weiter steigende Nachfrage, vor allem bei den Privatreisen.“
Tatsächlich steigen die Fluggastzahlen wieder kontinuierlich an. 2022 waren es noch sieben Millionen Reisende, 2023 zählte die FSG 8,4 Millionen Passagiere. Ulrich Heppe sieht den Flughafen bei den Finanzen solide aufgestellt. Trotz Verlusts im vergangenen Jahr erhöhte sich die Eigenkapitalquote und sank die Verschuldung, die allerdings immer noch bei 123 Millionen Euro liegt. Für das laufende Jahr erwartet der Flughafen eine Steigerung der Passagierzahlen auf 9,6 Millionen Reisende. Spätestens im Jahr 2026 will die FSG in die Gewinnzone zurückkehren.
Zahl der Flugbewegungen ist gestiegen
Was für den einen Aufschwung bedeutet, ist für andere eine Mehrbelastung. Etwas mehr als 94 000 Flugbewegungen haben im Jahr 2024 am Stuttgarter Flughafen stattgefunden – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Airportanrainer. 2023 lag dieser Wert noch bei gut 92 000. Die Schutzgemeinschaft Filder hat am internationalen „Tag gegen den Lärm“, der mit der Bilanzpräsentation zusammenfiel, eine Revision des seit 2007 geltenden Fluglärmschutzgesetzes gefordert.
Gelassen reagiert man am Flughafen auf Gedankenspiele der Linksfraktion im Stuttgarter Gemeinderat, den städtischen Anteil am Flughafen – Stuttgart hält 35 Prozent, das Land 65 Prozent – zu veräußern. Er habe bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung deutliche Unterstützung durch beide Gesellschafter erfahren, so Heppe. „Ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändert.“ Der Stuttgarter FDP-Landtagsabgeordnete und Stadtrat Friedrich Haag wirft der Linksfraktion „reine Symbolpolitik“ vor, wenn sie Reisende auf die Flughäfen in München und Frankfurt verweist. Leidtragende seien Familien, die „das ganze Jahr sparen, um in den Urlaub zu fliegen, und die vielen Pendler und Geschäftsreisenden, die auf gute Verbindungen angewiesen sind“.
Klimaschutz: hohe Investitionen bis 2040 geplant
In Sachen Klimaschutz versucht der Flughafen zumindest am Boden voranzukommen. Im Jahr 2040 will man treibhausgasneutral sein. Dafür sollen vor allem die Gebäude energetisch auf Vordermann gebracht werden. Auf zwei Milliarden Euro taxiert die FSG die Investitionen. Der für die landseitigen Aktivitäten zuständige FSG-Geschäftsführer Carsten Poralla will alsbald ins Bauen kommen. „Jetzt können wir die detaillierte Ausgestaltung der einzelnen Bauabschnitte anpacken. Die ersten Baumaßnahmen starten im Jahr 2027.“ Dann sind auch die Gesellschafter gefragt. Sie sollen in den Jahren 2028 bis 2031 in mehreren Tranchen insgesamt rund 690 Millionen Euro zu den Investitionen beisteuern.