VfB-Sonderausstellung im Mercedes-Museum Foto: Oliver Willikonsky/Lichtgut

Trotz steigender Besucherfrequenz bei Kunst und Karossen muss die Staatsgalerie im Jahr 2018 eine Einbuße von 18 Prozent hinnehmen. Gewinner im vergangenen Jahr ist das Kunstmuseum mit fast 50 Prozent mehr Besuchern und dann gibt es noch eine Überraschung.

stuttgart - Alles ist relativ. Auch die Besucherbilanz der Stuttgarter Museen. Hier hält das Deutsche Landwirtschaftsmuseum in Hohenheim bei einem Zuwachs von 166 Prozent einen fulminanten Rekord. Warum die Zahl, die 2017 noch 13 488 betrug, 2018 plötzlich auf 35 882 hochschnellte, kann Museumsleiter Jürgen Weisser leicht erklären: „Die Sonderausstellung zum historischen Wasen auf dem Schlossplatz mit altem Gerät, auch von der Ackergerätefabrik Hohenheim, und Zeugnissen von 200 Jahren Landwirtschaftsgeschichte brachte allein 22 400 Besucher.“

Vom kleinen Heimatmuseum bis zu Kunst und Karossen von Weltrang reicht das Angebot der 40 Stuttgarter Museen. Dass sie im letzten Jahr insgesamt 3,07 Millionen Besucher und damit 6,1 Prozent mehr als 2017 (2,9 Millionen) verzeichnen konnten, liegt an einem Zuwachs im Angebot: „Die Eröffnung des Stadtmuseums im April 2018 im Stadtpalais mit jetzt schon 230 000 registrierten Besuchern (oder teilweise auch nur durchlaufendenPassanten) hat daran großen Anteil“, erklärt Lucas Jacobi vom Statistischen Amt der Stadt. Dieses Plus schließt jedoch Verlierer wie die Staatsgalerie mit einem Besucherminus von 18 Prozent nicht aus.

„Das hängt immer von der Anziehungskraft der Sonderausstellungen ab“, erklärt Beate Wolf von der Staatsgalerie die „Schwankungsbreite der Zahlen“. Umschrieben wird damit ein gravierender Rückgang: Zum ersten Mal seit vielen Jahren sank die Zahl mit 199 827 unter 200 000. Selbst mit der Jubiläumsausstellung zum 175-jährigen Bestehen der Staatsgalerie, die allein 54 476 Besucher ins Haus gelockt habe, mit dem Meister von Meßkirch und seinem Wildensteiner Altar oder dem Ausstellungsthema Ernst Ludwig Kirchner konnte die Vorjahreszahl von 243 585 nicht erreicht werden. Geschweige denn die 354 430 Besucher von 2016. Ist es da sinnvoll, das Haus für reguläre Besucher um 17 Uhr zu schließen, um es danach angemeldeten Besuchern zu öffnen? Bei einer Grundgebühr von 50 Euro, egal, ob für einen Besucher oder eine Gruppe. Woher sollen das Besucher von außerhalb wissen? „Wir haben es probeweise für ein Jahr eingeführt und werden die Besucherreaktion beobachten“, sagt Beate Wolf.

Lindenmuseum mit Minus

Bauarbeiten im Haus für die Neupräsentation der Afrika-Sammlung ab dem 16. März macht man im Linden-Museum für den Besucherschwund um 27 Prozent verantwortlich. „Aber allein die Schau über Hawai’i hatte“, so Martin-Otto Hörbrand, „33 211 von den insgesamt 51 492 Besuchern (2017:70 580).“

Dagegen ist das Minus von 2,9 Prozent des Württembergischen Landesmuseums im Alten Schloss fast zu vergessen. Mit insgesamt 238 836 Besuchern fehlen im Vergleich zum letzten Jahr (246 035) mehr als 7000. „2017 waren die Landesausstellung über die Schwaben und dann auch das Kinder- und Mitmachmuseum „Die 7 Superschwaben“ besonders besucherstark“, erklärt Ulrike Reimann vom Landesmuseum die Differenz. Außerdem konnte Direktorin Cornelia Ewigleben verkünden, dass sich in den eintrittsfreien Schausammlungen die Besucherzahlen auf 76 300 verdoppelt haben.

Gewinner ist das Kunstmuseum mit einem Zuwachs von stolzen 49,5 Prozent von 149 600 auf 223 700 Besuchern. Laut Isabel Kucher von der Kommunikation erwies sich die Schau „Reinhold Nägele. Chronist der Moderne“ als großer und unerwarteter Publikumserfolg . Auc h die Ausstellung „Ekstase“ (noch bis 24. Februar) verfehle nicht die Wirkung als viel versprechender Magnet.

Auch kleinere Museen verzeichnen Zulauf

Erst am 4. Dezember wurde die ehemalige Gestapo-Zentrale Hotel Silber als Lern- und Gedenkort eröffnet, jetzt schlägt es in der Besucherbilanz vom Haus der Geschichte (78 000)schon mit 7700 zu Buche. „Das Interesse ist immens“, stellt die Direktorin Paula Lutum-Lenger fest.

Sie sind gewissermaßen Selbstläufer, weil auf die Faszination von noblen und schnellen Autos eigentlich immer Verlass ist: Dennoch musste das Mercedes-Benz-Museum bei 834 121 Besuchern aus 193 Ländern eine kleine Einbuße von 4,8 Prozent hinnehmen. Spitzenreiter sind mit zwölf Prozent die Bewunderer aus China, gefolgt von den USA und Frankreich. Begrüßt wurde im April der neunmillionste Gast. Im Porsche-Museum, das in zehn Jahren 4,5 Millionen besuchten, ist dagegen der Rückgang von 0,1 Prozent kaum der Rede wert.

Um sehr viel kleinere Zahlen geht es im Muse-O in Gablenberg, dessen Betreiber Ulrich Gohl sich über 24 Prozent Besucherzuwachs und den „Sprung über die 3000-er-Marke“ freut, „nachdem uns die Leute bei den Ausstellungen von Kaufläden und mechanischen Musikgeräten die Bude eingerannt haben.“ Es ist eben alles relativ.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: