Landrat Roland Bernhard (rechts) fährt selbst Motorrad. Zusammen mit Bürgermeister Ekkehard Fauth hat er das erste Lärmanzeigegerät im Landkreis in Betrieb genommen. Foto: LRA

Eine digitale Anzeigetafel bei Deufringen weist die Biker auf ihre Lautstärke hin. Dieses neue Display soll bald auch anderswo im Landkreis aufgestellt werden.

Deufringen - Biker sollen im Landkreis Böblingen ermuntert werden, rücksichtsvoll und leise zu fahren. Deshalb hat die Kreisverwaltung ein ortsunabhängiges Display angeschafft, das mit Warnhinweisen Zweiradfahrer darauf aufmerksam macht, wenn sie zu laut unterwegs sind. Das Display hat rund 15000 Euro gekostet, wovon das Landesverkehrsministerium 4000 Euro bezuschusst. Landrat Roland Bernhard und der Aidlinger Bürgermeister Ekkehard Fauth haben im Selbsttest ausprobiert, wie das Display auf verschiedene Fahrweisen reagiert. Der erste Einsatz ist im Ortsteil Deufringen am Ortseingang aus Richtung Gechingen. Das Display hält in Aidlingen als erste Station, soll aber überall im Landkreisgebiet zum Einsatz kommen, um auch andernorts zu laute Zweiradfahrer auf ihr Verhalten hinzuweisen.

Das Display mahnt zu leiserem Fahren und angepasster Geschwindigkeit. Bei Überschreitung der Lautstärke bekommt der Fahrer die Rückmeldung über ein nachgeschaltetes Dialogdisplay (Langsam/Danke/Leise). Untersuchungen des Verkehrsministeriums haben gezeigt, dass sich die negative Rückmeldung auf dem Display positiv auf den Fahrer auswirkt.

Bernhard fährt selbst gerne Motorrad. „Wer rücksichtsvoll fährt schützt sich selbst und andere. Dazu gehört auch das leise Fahren. Motorradfahren liegt im Trend und macht Spaß. In unserem Landkreis sind über 25000 Zweiräder zugelassen, ein Zuwachs von elf Prozent in fünf Jahren“, weiß der Landrat. Bei aller Freude am Fahren sei vielen Motorradfahrern leider nicht bewusst, wie laut ihre Maschinen sind und wie stark dieser Krach andere Menschen stört und sogar gesundheitlich beeinträchtigen kann. Lärm-Displays könnten helfen, Motorradlärm zu reduzieren und die Fahrer für das Thema zu sensibilisieren.

„Aidlingen ist vom Motorrad-Lärm besonders betroffen. Unsere Ortsdurchfahrten sind für viele Städter die bevorzugte Strecke für die Ausflugstour in den Schwarzwald“, begründet Bürgermeister Fauth die Mitgliedschaft in der Initiative Motorradlärm, die lauten Motorrädern den Kampf angesagt hat. Man könne schließlich auch mit entspannterer Fahrweise Spaß auf der Straße haben.

Motorradlärm-Displays zeigen Wirkung

Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg hat im Jahr 2016 Motorradlärm-Displays als präventive Lärmminderungsmaßnahme auf mehreren Pilotstrecken erprobt und zur Serienreife entwickeln lassen. Mit Motorradlärm-Displays können Motorradfahrende durch die unmittelbare und individuelle Ansprache zu einer moderaten Fahrweise und somit zu einer Reduzierung der Lärmbelastung angehalten werden. Die vom Land in den Jahren 2015 und 2016 durchgeführten Testreihen konnten eine Lärmminderung von 1,1 bis 2,2 dB(A) nachweisen. Das ist eine Größenordnung, die der Mensch durchaus als Verbesserung wahrnimmt.

Initiative Motorradlärm formiert sich

Im Juli 2019 haben sich Zahlreiche Städte, Gemeinden und Landkreise in Baden-Württemberg zur „Initiative Motorradlärm“ zusammengeschlossen. Die zehn Forderungen der Initiative haben das Ziel, dass der Motorradlärm verringert wird. Sie richten sich an den Bund und die EU, an Hersteller und Händler sowie an Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen. Der Initiative sind inzwischen über 150 kommunale Mitglieder beigetreten.

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