Samuel L. Jackson (li.) und Onni Tommila in "Big Game" - mehr Szeneneindrücke aus dem Film in unserer Bildergalerie! Foto: Verleih

Ein finnischer Junge rettet den US-Präsidenten: Als Hommage an die Action-Blockbuster der 1980er, inklusive wiederkehrender ­Oneliner, taugt der Streifen. Tiefgründigere Ansätze darf man aber nicht erwarten.

Filmkritik und Trailer zum Kinofilm "Big Game"

Der Flug des Präsidenten der Vereinigten Staaten (Samuel L. Jackson) wird torpediert. Mit Hilfe einer Ein-Mann-Rettungskapsel evakuiert ihn die Security. Er landet in finnischen Wäldern. Ein 13-jähriger Möchtegernjäger namens Oskari (Onni Tommila), der gemäß rituellen Bräuchen in jener Nacht seinen Mann stehen und eigenhändig ein Tier erlegen soll, begegnet ihm. Bar Orientierung folgt das Staatsoberhaupt dem Knaben, doch der jagende Terrorist ­Hazar (Mehmet Kurtulus) hat schon Witterung aufgenommen.

Die in Bayern gedrehte deutsch-finnische Produktion des Filmemachers Jalmari ­Helander darf man nicht zu ernst nehmen – genau genommen überhaupt nicht, denn ansonsten verärgert der Kinogang. „Big Game“, zu Deutsch nicht etwa „großes Spiel“, sondern entsprechend der Waidmannssprache „Hochwild“, zielt aufs Popcorn-Kino und verheimlicht das zu keiner Sekunde. Neben Knabberkram verhelfen dem volljährigen Betrachter eventuell auch Bier- oder Weinkaltschalen zum Genuss dieses, nun ja, besonderen Werks.

Vorbei an rauchenden Raketen gen Erdboden

Schnitte hinüber ins Pentagon, wo Jim Broadbent als Verteidigungsspezialist Strategien zur Rettung des Präsidenten vorträgt, unterbrechen die schicken, absurden ­Actionsequenzen. Wie sich Bodyguard Morris (Ray Stevenson) rücklings, vorbei an rauchenden Raketen gen Erdboden fallen lässt, dürfte Genre-Freunden gefallen.

Samuel L. Jackson darf ungläubigen ­Auges in die Kamera blicken. Mühelos mimt er den menschlichen Machthaber. Sein Einfluss hält sich im fremden Forst freilich in Grenzen. Es bleibt keine Zeit, zu seinem kindlichen Retter eine Beziehung zu entwickeln, und mehr als die verfilmten 90 Minuten könnte so ein sinnfreies Spektakel auch kaum tragen. Jegliche Ambition in puncto Charakterzeichnung wäre innerhalb dieses Rahmens lächerlich. Dass der schwächliche Oskari aus dem Nichts über sich hinauswächst – geschenkt. Der vollbärtige Mehmet Kurtulus muss als Ganove nur finster dreinblicken. Für ihn ein Leichtes.

Als Hommage an die Action-Blockbuster der 1980er, inklusive wiederkehrender ­Oneliner, taugt der Streifen. Gewaltige ­Explosionen und Fährnisse mit selbstironisch dargestelltem Ausgang unterhalten, sofern die Synapsen ihre Arbeit einstellen. „Big Game“ macht nicht mehr als Spaß. Den Maßstab vielschichtiger, vielleicht sogar in Ansätzen kohärenter Actionfilme darf man hier nicht anlegen.

Unsere Bewertung zu "Big Game": 3 von 5 Sternen - kann man sehen. 

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Mehr Input gefällig? Hier geht es zu unserer Rezension eines packenden Thriller-Dramas aus Brasilien, "Trash".

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