Der reine Kitsch: Christoph Waltz und Amy Adams in „Big Eyes“ - mehr Bilder in unserer Bildergalerie Foto: Verleih

In Tim Burtons Drama „Big Eyes“ macht der Hochstapler Walter Keane (Christoph Waltz) die Gebrauchskunst seiner Frau populär. Waltz, in großer Form wie in „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“, wächst über sich hinaus, wenn er die Menschen um den Finger wickelt.

Filmkritik und Trailer zum Kinofilm "Big Eyes"

Er charmiert und becirct, er beschwört Träume und verheißt Großes, er malt die Zukunft in buntesten Farben aus; allerdings nur mit Worten, denn mit dem Pinsel kann Walter Keane allenfalls wirkungsvoll vor Pariser Straßenszenen posieren – er ist der Inbegriff eines Hochstaplers.

Auf den fällt die ahnungslose Margaret herein, die in San Francisco eine neue Existenz für sich und ihre Tochter aufbauen möchte, frisch ­geschieden im Jahr 1958 ­alles andere als ­einfach. Walter aber gelingt es, Margarets Porträts von Kindern mit riesigen Augen zu Verkaufsschlagern zu machen – unter seinem eigenen Namen, versteht sich.

Die Geschichte ist wahr, die Telleraugenkinder lagen tatsächlich jahrzehntelang in den Auslagen von Souvenir- und Ramsch­läden. Tim Burton („Mars Attacks!“, „Alice im Wunderland“) musste sich also nicht viel ausdenken, sondern nur ausgestalten – und das ist ihm mit Fingerspitzengefühl gelungen.

Christoph Waltz wächst über sich hinaus

Er verdichtet den Grusel, mit dem er schon immer gerne spielte, in einer einzigen Figur: Walter Keane. Und Christoph Waltz, in großer Form wie in „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“, wächst über sich hinaus, wenn er Margaret und andere um den Finger wickelt. So von sich eingenommen ist dieser Mann, dass er sich später vor Gericht sogar selbst verteidigt, nachdem seine Frau ihn verklagt hat – und man glaubt Waltz jedes großspurige Wort, jede obskure Geste.

Ein derart quirliger, permanent vibrierender Protagonist kann schwer auszuhalten sein, doch Burton platziert ihn in einer unspektakulären Normalität, die ihn trägt und erst so richtig zum Blühen bringt. Besonders stark wirkt der Kontrast, weil Amy Adams als Margaret Keane mit großer Zurückhaltung viel erreicht: Sie spielt eine brave, viel zu lange stillhaltende Frau, die ihren Windmacher gewähren lässt.

Dabei lässt Adams keinen Zweifel daran, dass diese Frau sehr genau weiß, was sie kann und möchte, dass sie nur deshalb in der Lage ist, auch ihre zweite Ehe schließlich zu beenden.

Jason Schwartzman verkörpert als Galerist Ruben das Motto, dass Kultur gar nicht anders sein kann als elitär, und der große Terence Stamp verströmt natürliche Autorität als unbestechlicher Kunstkritiker der „New York Times“, der Keane mächtig zusetzt.

Warum die Augen der Kinder so groß ­seien, fragt Ruben, und Walter Keane antwortet ganz im Ernst: „Die Augen sind das Fenster zur Seele!“ Köstlich.

Unsere Bewertung zu "Big Eyes": 4 von 5 Sternen - empfehlenswert!

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