Der Mann mit der goldenen Startnummer beim Bietigheimer Silvesterlauf: Peter Bäuchle Foto: Pressefoto Baumann

Beim 34. Bietigheimer Silvesterlauf sind, wie jedes Jahr, Tausende Teilnehmer am Start. Doch ein Ausdauersportler sticht aus der Masse heraus: Es ist der Mann mit der goldenen Startnummer.

Bietigheim-Bissingen - Als Rico Schwarz nach 33:39 Minuten als Erster die Ziellinie vor dem Viadukt überquerte und sich damit zum Sieger des 34. Bietigheimer Silvesterlaufs kürte, war Peter Bäuchle noch auf der zweiten Runde des 11,1 Kilometer langen Kurses. Erst nach gut einer Stunde war der 61-Jährige im Ziel. Dass er vorne nicht mehr mitlaufen kann, weiß Bäuchle nur zu genau. Doch es kümmert ihn nicht. Eines hat er Rico Schwarz und auch allen anderen Läufern voraus: die Erfahrung. Denn Peter Bäuchle kennt den Silvesterlauf wie kein anderer.

Bereits beim ersten Lauf 1981 war er in Bietigheim dabei und hat danach keinen einzigen Start verpasst. „Im vergangenen Jahr war noch ein anderer Teilnehmer dabei, der bis dato alle Rennen mitgemacht hatte. Der sah noch so fit aus – ein braun gebrannter Rentner. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich nun der Einzige bin, der alle Läufe mitgemacht hat. Aber das ist natürlich etwas Besonderes“, meint Bäuchle. 2014, bei der 34. Auflage des größten Silvesterlaufs in Süddeutschland, startete der Esslinger mit einer goldenen Startnummer. Und die will er auch in den nächsten Jahren tragen. „Solange ich mich noch bewegen kann, werde ich mitlaufen“, sagt er im Brustton der Überzeugung, „Hauptsache, das Ziel ist noch nicht abgebaut, wenn ich den Lauf beende.“

Keine Frage: Der Mann ist ein echter Dauerläufer. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er läuft seit 35 Jahren. Deshalb kann Peter Bäuchle nach eigener Aussage gar nicht mehr damit aufhören – der Sport gehört einfach zu seinem Leben. Nach Bietigheim kehrt er jedes Jahr an Silvester zurück, weil die Atmosphäre eine besondere ist. „Die Zuschauerbeteiligung in Bietigheim ist fantastisch“, schwärmt Bäuchle. Und wenn einer das einzuschätzen weiß, dann er. Denn der 61-Jährige hat ja die Anfänge mitgemacht, die Entwicklung des Laufs über die Jahre beobachtet. Von anfänglich 350 Teilnehmern ist die Läuferzahl auf über 3500 angestiegen. Dieses Mal waren sogar 3637 Starter gemeldet. Mit den wachsenden Teilnehmerzahlen wuchs auch der Zuspruch am Rande der Strecke. „In den Anfangsjahren standen ein paar verstreute Leute neben der Straße“, erzählt Bäuchle, „das war fast wie auf einer Beerdigung. Heute ist das ganz anders.“

In der Tat: Trotz Temperaturen um die null Grad und Nieselregens säumten auch dieses Mal mehr als 20 000 Zuschauer die Strecke entlang der Enz und durch die Bietigheimer Altstadt. Diese Atmosphäre schätzen aber nicht nur Hobbyläufer wie Bäuchle, sondern auch die Top-Athleten: Alina Reh, die ihren Vorjahreserfolg bei den Frauen wiederholte, will deshalb im nächsten Jahr erneut starten. „Die Stimmung ist einfach gigantisch“, sagt Reh. Für die 17-Jährige vom TSV Erbach war es im Enztal nur „fast ein bisschen zu warm“. Die zweifache Siegerin ist aus ihrer Heimat auf der Alb andere Bedingungen ­gewohnt.

Auch Peter Bäuchle bevorzugt das kalte Wetter. „Meine Bestzeiten habe ich immer bei eisigen Temperaturen erzielt“, sagt der Esslinger. In Bietigheim liegt die immerhin bei 40:31 Minuten. Das wird aber wohl auch so bleiben, weiß Peter Bäuchle. Er hat ohnehin ein anderes Ziel: Er will den Rekord für die meisten Teilnahmen ausbauen. „Ich habe schon eine Zahl im Kopf“, sagt er, „50 Teilnahmen sind machbar.“ 2030, beim 50. Start, wäre Dauerläufer Peter Bäuchle dann 77 Jahre alt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: