Und nach Trainingsende steht Sinisa Martinovic auch mal hinter dem Tresen im „Paul & Toni“. Foto: Baumann

Sinisa Martinovic ist nicht nur ein guter Eishockeytorhüter – der 38-jährige Steelers-Schlussmann baut sich gemeinsam mit seiner Frau ein zweites Standbein auf.

Bietigheim - Die Ausrüstung eines Eishockeytorhüters ist kein Wohlfühldress. Nach einem Spiel wird die monströse Montur, die etwa 25 Kilogramm wiegt, möglichst schnell abgelegt. Die meisten Fans der Bietigheim Steelers kennen ihren Goalie Sinisa Martinovic in der EgeTrans Arena fast nur in diesem Outfit, bei dem der Kopf noch von einem Helm geschützt wird.

Seit etwa zwei Jahren kann man den Torhüter aber in einer ganz anderen Rolle erleben. Zusammen mit seiner Frau Michaela hat Silo, wie er von allen gerufen wird, am Marktplatz in Bietigheim die Cafébar „Paul & Toni“ eröffnet. Stylisch und doch sehr gemütlich kommt es auf zwei Etagen daher. Es sind insgesamt viele kleine Details, die den Charme ausmachen. Die Namensgeber sind seine beiden Söhne Paul (9) und Toni (6), die beide auch Eishockey und Tennis spielen. Es ist ein Tagescafé mit kleiner, aber feiner Karte, angelehnt an die österreichische Kaffeehaustradition, denn seine Frau, eine gelernte Hotelkauffrau, stammt aus der Alpenrepublik. „Ich möchte ein Stück von dieser Kaffeekultur auch nach Bietigheim bringen“, sagt er und rührt in seinem Cappuccino.

Wiener Stil mit italienischen Einflüssen

Aber es gibt auch italienische Einflüsse: Denn, wer seinen Espresso an der Bar trinkt, muss nur einen Euro dafür bezahlen. Silo Martinovic hat lange nach den passenden Bohnen gesucht, überhaupt ist er das Projekt „Paul & Toni“ sehr perfektionistisch angegangen. Die Stühle stammen aus einer Schule und werden mit weichen Kissen zu einem perfekten Sitzmöbel. Kochen kann der 37-Jährige allerdings nicht. „Ich halte mich eher im Hintergrund, kümmere mich um Bestellungen, organisiere Veranstaltungen wie Geburtstage, Hochzeiten oder Taufen“, sagt der zweifache Familienvater.

Und hin und wieder wird in das „Paul & Toni“ auch mal das Kabinenfest der Steelers ausgelagert. Seine Mitspieler zählen ebenso zu den Gästen wie Handballer und Fußballer aus der Region. „Es ist erstaunlich, wie viel hochklassigen Sport wir in Bietigheim haben bei nur 40 000 Einwohnern“, sagt Silo Martinovic. Er fühlt sich mit seiner Familie hier sehr wohl. Deshalb wird Bietigheim auch der Lebensmittelpunkt der Martinovics bleiben.

Acht Jahre im Steelers-Trikot

In der achten Saison trägt er jetzt das Steelers-Trikot mit der Nummer 23. Dazwischen war er auch mal weg. Aktuell steht er in der fünften Saison in Folge vor dem Gehäuse für den Zweitligisten. „Torwart bin ich aus Berufung geworden“, sagt der kroatische Allgäuer, der in Füssen aufgewachsen ist. Viel Mut braucht es, sich ständig den 250 Gramm schweren Hartgummischeiben entgegenzustellen, die mit einer Geschwindigkeit von 150 Stundenkilometern auf ihn zukommen.

Er ist der Mann, auf den es ankommt – quasi die letzte Instanz auf dem Eis. Und das über 60 Minuten. Denn, anders als die Feldspieler, die alle zwei Minuten aus dem Getümmel genommen werden, bleibt der Keeper in der Regel das ganze Spiel über im Kasten. Zu Null Spiele gibt es im Eishockey fast nie. Im Schnitt kassiert ein Goalie zwei Treffer, bekommt pro Spiel um die 40 Schüsse auf seinen Kasten. „Das musst du aushalten können“, sagt er.

Lieber DEL 2 als in der ersten Liga auf der Bank

Einen guten Eishockeytorwart kann man daran erkennen, dass er im Getümmel so lange wie möglich stehen bleibt. Ein weniger guter geht alle naselang im Spagat zu Boden: Die Zeit zum Aufstehen kann der Gegner schon zum Torschuss nutzen. Martinovic beherrscht diese Kunst. Und doch hat es für einen Karriere in der DEL nicht gereicht. Aber er hadert nicht. „Für mich war immer wichtig, dass ich spielen kann“, sagt Martinovic.

Schließlich kann es beim Eishockey im Kasten in der Regel nur einen geben, anders als im Handball, wo sich die Torhüter während des Spiels abwechseln. „Mein Vater hat immer gesagt, besser der erste im Dorf sein als der Letze in der Stadt“, erzählt er. Und so hat er sich sportlich eingerichtet in der DEL 2, mit den Steelers drei Meisterschaften gefeiert und wurde mehrmals als Keeper mit dem geringsten Gegentorschnitt ausgezeichnet. Im Dezember wird er 38. Er will spielen, so lange der Körper mitmacht. „Und danach würde ich gerne als Nachwuchstrainer arbeiten“, sagt er. Bei den Steelers gibt es noch keinen Torwarttrainer für die jungen Talente – mit dem Café alleine ist er nicht ausgelastet.

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