Mittagessen im Kindergarten gehört heute zum Standardangebot in vielen Einrichtungen. Foto: dpa

Die Kita-Mittagessen eines Caterers beschäftigen Eltern in Bietigheim-Bissingen. Es gibt laut Stadt „vereinzelt qualitative Probleme“. Welche Rolle spielt die Ausschreibung?

An den Schulen und Kitas der Stadt Bietigheim-Bissingen werden täglich rund 1500 Essen ausgegeben. In den vergangenen Monaten genügte aber immer wieder die Qualität, des von einem bestimmten Caterer gelieferten Essens, nicht allen Ansprüchen. Teilweise räumt dies der Anbieter auch ein. Kritisiert wird auch die Ausschreibung der Stadt für das Mittagessen an Schulen und Kitas – Eltern wünschen sich einen Anbieter aus der Region.

 

Von Schimmel, dunklen Flecken, Fliegen und Plastik am oder in den gelieferten Menüs war die Rede, vor allem in einer Einrichtung. In anderen Einrichtungen gab es auch Beschwerden, allerdings eher wegen der zu geringen Temperatur des Essens oder fehlender Bestandteile.

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kitas-in-bietigheim-ohne-fachkraefte-in-der-kita-neues-projekt-kommt-gut-an.c6786c8e-6547-4c3f-bbcb-40b742496cec.html

Die Probleme wurden vor der Ausgabe der Essen erkannt und die Menüs entsprechend nicht an die Kinder weitergegeben. Auch wenn die Kita-Mitarbeiter viel auffangen und sogar zum Teil selbst für Ersatzessen sorgen, ist das Vertrauen in die Verpflegung gestört. In der betreffenden Einrichtung gab es deshalb auch Abmeldungen vom Mittagessen.

„Wir sind uns unserer besonderen Verantwortung als Caterer für Kita- und Schulverpflegung bewusst.“

Geschäftsführer des Caterers
Im Zuge der Kritik am Essen in Bietigheim-Bissingen, wurde eine Probe entnommen und untersucht. Laut Landratsamt war sie gesundheitlich unbedenklich. Foto: Jens Bättner/dpa

Die Lebensmittelüberwachung des Landratsamts Ludwigsburg wurde eingeschaltet. Dort bestätigt man, dass „Verbraucherbeschwerden“ eingegangen seien. Diese habe man sehr ernst genommen. Die Kontrolleure seien den Hinweisen nachgegangen, hätten eine Lebensmittelprobe erhoben und untersucht. „Die Probe war gesundheitlich unbedenklich“, teilt das Landratsamt mit.

Der Caterer selbst weist Kritik generell sowie in einem speziellen Fall zurück. Dabei habe es sich um ein Nugget gehandelt, das in der Panade schwarze Punkte gezeigt habe. Das sei kein Schimmel oder Ähnliches gewesen, sondern vermutlich Gewürze, die sich in der sogenannten Flüssigpanade verklumpt hätten.

„Uns ist bewusst, welchen Eindruck eine solche Abweichung im Produkt verursacht, und wir stehen auch mit dem Hersteller hierzu in Kontakt. Wir haben uns entschieden, den Artikel bis auf Weiteres nicht mehr von diesem Lieferanten zu beziehen“, teilt ein Sprecher des Caterers mit.

Stadtverwaltung reagiert auf Kritik

Die Stadtverwaltung hat nach eigenen Angaben die Probleme ernst genommen. „Die Stadt steht seit einiger Zeit mit dem Caterer der Kitas und Schulen, die er beliefert (drei Schulen, alle Kitas, die warmes Mittagessen anbieten) in Kontakt, da es vereinzelt qualitative Probleme gab“, teilt Sprecherin Anette Hochmuth auf Anfrage mit.

Die Probleme seien dokumentiert und dem Caterer mitgeteilt worden. „Teilweise wurden die Speisen, die zu beanstanden waren, auch an ihn zurückgegeben. Der Caterer sicherte zu, seine Betriebsabläufe zu optimieren, die Beschäftigten zu sensibilisieren und die Qualität zu verbessern“, so Hochmuth weiter.

Caterer betont regionale Qualität

„Wir sind uns unserer besonderen Verantwortung als Caterer für Kita- und Schulverpflegung bewusst“, erklärt der Geschäftsführer des Unternehmens. Bei mehreren hundert Anlieferstellen täglich sei es nicht vermeidbar, dass vereinzelt Komponenten fehlten oder falsch sortiert würden. Nachlieferungen würden jedoch stets umgehend veranlasst. „Unsere Produkte beziehen wir von regionalen, zertifizierten Großhändlern, die uns täglich mit Ware beliefern“, so der Geschäftsführer weiter. Soll heißen: Die Qualität stimmt.

Wie es nun weitergeht, scheint offen: „Welche Konsequenzen aus den entstandenen Problemen zu ziehen sind, wird geprüft“, sagt Hochmuth. Die Verträge mit dem derzeitigen Caterer laufen teilweise noch bis August 2028.

Der Caterer gehört zu den größeren Playern in der Essensversorgung von Kindern in Süddeutschland. Mit Sitz in Nürnberg und einer Großküche in Weil der Stadt werden viele Stellen beliefert.

Aus Branchenkreisen ist zu hören, dass die Probleme, die nun in Bietigheim aufgetaucht sind, auch mit den Ausschreibungskriterien der Stadt für die Verpflegung der Kinder zu tun haben könnten. Konkret heißt es, den Schwerpunkt so stark auf den Preis zu legen, führe dazu, dass lokale Caterer nicht zum Zuge kommen und sich deshalb gar nicht erst bewerben.

Eltern wollen mehr Regionalität

In der Tat war der jetzt in der Kritik stehende Caterer bei der jüngsten Ausschreibung in Bietigheim-Bissingen der einzige Bieter. Ein Caterer aus der Region sagt, dass es besser wäre, wenn Regionalität eine größere Rolle beim Ausschreibungstext spielen würde.

Bei den Qualitätsstandards hatte sich die Stadt in der jüngsten Ausschreibung an den weithin anerkannten Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientiert und sich von zwei Experten auf dem Gebiet beraten lassen.

„Für eine neue Ausschreibung in der Zukunft wünschen wir uns mehr Regionalität und einen besseren Austausch mit dem Caterer“ , erklärt dennoch auch der Gesamtelternbeirat der städtischen Kindertageseinrichtungen. Die Stadt habe versprochen, die Elternvertreter in der Zukunft besser einzubeziehen.