Die Tankstelle von Matthias Breier und Roxy Schiess in Bietigheim leidet unter langwierigen Baustellen. Foto: Werner Kuhnle

Keine Vorabinfo, mangelhafte Planung und Umsatzeinbußen: Schon 2024 hat die Baustelle auf der B 27 in Bietigheim (Kreis Ludwigsburg) für Verdruss bei Tankstelleninhaber Matthias Breier gesorgt. Heuer könnte es noch schlimmer werden.

„Ich will mich gar nicht gegen die Baustelle stemmen, ich appelliere nur an die menschliche Intelligenz“, sagt Matthias Breier. Er betreibt die Avia-Tankstelle an der Stuttgarter Straße in Bietigheim-Bissingen. Wegen umfangreicher Bauarbeiten an Belag und Leitungen war die B 27 von der Autobahn kommend bis zu seiner Baustelle im vergangenen Jahr schon insgesamt 13 Wochen teilweise gesperrt.

 

In diesem Jahr geht es ab Mai weiter mit den Bauarbeiten, dann im nächsten Bauabschnitt – und wieder ist seine Tankstelle betroffen. Breier hofft, dass diesmal die Abstimmung mit Regierungspräsidium und Stadt besser läuft als voriges Jahr und generell eben die Planung intelligenter vonstatten geht.

Zufällig von Baustelle erfahren

Eher zufällig habe er vergangenes Jahr vier Tag vor Beginn der Baustelle von deren Einrichtung erfahren – seine Tankstelle konnte fortan nicht mehr über die B 27 erreicht werden, weil der Verkehr vorher umgeleitet wurde. „Als ich beim Ordnungsamt angerufen habe, hat man mir nur gesagt, dass man viel zu tun hätte, wenn man jeden Anlieger informieren müsste.“ Das ließ sogar den eloquenten Breier sprachlos zurück.

Am meisten ärgerte ihn gar nicht, dass eine Baustelle eingerichtet wurde. „Ich sehe ein, dass die Straße und Leitungen erneuert werden müssen“, sagt der 65-jährige Bietigheimer, der die Belastung der Straße mit – so seine Angaben – 35 000 Autos täglich mitkriegt. Ihm stieß aber die fehlende Information vorab und dann auch der Umgang mit seinem Anliegen sauer auf. Man fühle sich eher wie ein Bittsteller als wie ein Bürger mit berechtigten Interessen.

Der Tankstellenbetreiber, der die Leitung des Betriebs unlängst an seine Tochter Roxy übergeben hat, aber sie weiterhin unterstützt, sagt, dass ihn ein solches Verhalten noch vor 20 Jahren – in der Anfangszeit der Tankstelle – sehr auf die Palme gebracht hätte. Heute sei er da ruhiger. „Es bringt wenig sich über Dinge aufzuregen, die ich ohnehin nicht beeinflussen kann“, sagt er.

Die gute Lage an der B 27 ist derzeit für die Betreiber der Avia-Tankstelle problematisch. Foto: Werner Kuhnle
Sein Ärger ließ aber auch deshalb nach, weil der folgende Kontakt mit Baubürgermeister Michael Wolf wohl wesentlich besser lief als der erste Anruf auf dem Amt. Dennoch kritisierte Breier die Baustellenplanung. Aus seiner Sicht hätte man die Umleitung zumindest zeitweise auch erst nach seiner Tankstelle ins Industriegebiet führen können. So wäre nicht nur sein Betrieb besser erreichbar gewesen, es hätte auch weniger Lärm für die Menschen an der Asperger Straße (hinter seiner Tankstelle) bedeutet, wo die Umleitung letztlich durchführte.

Umsatz geht um 50 Prozent zurück

50 Prozent Umsatzeinbußen waren die Folge in den 13 Wochen im vergangenen Jahr. „Wenn ich frühzeitig von der Baustelle erfahren hätte, hätte ich auch die Urlaubsplanung meiner Mitarbeiter anpassen können“, sagt Breier. Bei weniger Betrieb könne man eher auf Mitarbeiter verzichten und Urlaub gewähren. Waren die 13 Wochen 2024 schon herausfordernd, stehen der Tankstelle in diesem Jahr wohl weitere harte Zeiten ins Haus. Weil die B 27 nun im nächsten Abschnitt erneuert werden soll, sei mit einer Baustelle und großräumigen Umfahrung für sechs Monate ab Mai zu rechnen. „Zuerst hieß es noch, dass die Bundesstraße zeitweise komplett gesperrt würde für eine Fahrtrichtung. Dann hätte ich meine Tankstelle erstmals seit 20 Jahren zumachen können“, sagt der 65-Jährige.

           

Keine Abstimmung

Zuletzt hatten das Regierungspräsidium Stuttgart und die Stadt in einer öffentlichen Veranstaltung erste Pläne für die Baustelle präsentiert, dort dann aber von einer jeweils einspurigen Verkehrsführung in beide Richtungen berichtet. Genaueres zur Baustelle soll im Frühjahr bekannt gegeben werden.

Abgestimmt mit ihm wurden die Pläne für die große Baustelle bislang nicht, sagt Breier. Immerhin stehe er nun in gutem Kontakt zum Planer der Baustelle vom Regierungspräsidium. Der Tankstellenbetreiber hofft nun, dass heuer etwas mehr an die Bedürfnisse der Anlieger gedacht wird. Einbußen werde er aber auch dieses Mal wieder deutlich spüren – immerhin soll der Durchgangsverkehr dazu gebracht werden, Bietigheim großräumig zu umfahren. Ein Großteil der täglich 1400 Kunden in seiner Tankstelle seien keine Ortsansässigen.

Erste 24-Stunden-Tankstelle in der Stadt

Ursprung
Als Werkstatt startete Matthias Breiers Vater Karl in Bietigheim 1949 den Familienbetrieb. 1956 erfolgte der Umzug in einen Neubau auf dem Gelände der heutigen Tankstelle. 1985 übernahm Matthias Breier den Betrieb und entschied sich vor 20 Jahren, die erste 24-Stunden-Tankstelle in Bietigheim-Bissingen daraus zu machen.

Gegenwart
Zwölf Mitarbeiter sind heute an der kürzlich runderneuerten Tankstelle im Einsatz. Voriges Jahr führte Breier den Kraftstoff „HVO100 Diesel“ ein, der aus pflanzlichen Rest- und Abfallstoffen hergestellt wird und den CO2-Ausstoß um mindestens 85 Prozent reduzieren soll. Wichtiger Bestandteil des Angebots der Avia-Tankstelle ist auch das Bistro.