Bier ist nicht gleich Bier: Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone©

Das 4. Stuttgarter Craft Beer Festival bot Bierfreunden in den Wagenhallen Geschmackserlebnisse zwischen Tradition und Extravaganz.

Stuttgart - Eine freundliche Gurke lacht dem Besucher des 4. Stuttgarter Craft-Beer-Festivals vom Stand des Hopfengartens Bamberg entgegen. „Gurki“ ist ein alkoholhaltiges Malzgetränk der kleinsten Brauerei aus dem fränkischen Bier-Mekka.

„Die Schlangengurken für diese Kreation kommen ebenso aus unserem Anbau wie der Hopfen“, erklärt Daniel Biesenecker, der daheim in der seit vier Generationen bestehenden Gärtnerei arbeitet.

Bis zu 30 Sorten der Hanfpflanze gedeihen auf dem Areal. Was sonst noch wächst, wird saisonal genutzt, um Biere wie das fruchtige „Himbo“, oder den bernsteinfarbenen „Kürbis King“ zu brauen.

Ein paar Schritte weiter lockt David Hertl die Besucher mit einem Jägermeister-Bock. 16 Testsude habe man angesetzt und verkostet, ehe man sich endgültig festgelegt habe, verrät der 28-Jährige. Selbstredend stammt der Jägermeister direkt aus dem Holzfass. „Da hat er ein intensiveres Aroma, als die Version, die man aus Flaschen kennt“, so Hertl. „Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Das Ding kann was!“

Der Markt hat noch eine Menge Platz

David Singh, Gründer von Singhbräu aus Weilheim an der Teck, geht es weniger um Geschmacksexperimente. Der Braumeister, der sein Handwerk in Weihenstephan erlernt hat, interessiert sich für alte Traditionen. In den Wagenhallen schenkt er unter anderem ein Dampfbier aus. „Bis ins 19. Jahrhundert hinein, war diese Biersorte weit verbreitet“, klärt er auf. „Heute ist sie fast vergessen. So etwas mit eigener Note wiederzubeleben, reizt mich.“ Singh, der erst 2018 mit seinem Unternehmen gestartet ist, empfindet die Atmosphäre des Festivals als sehr anregend. Die Fülle an Angeboten macht ihm keine Sorgen: „Im Raum Stuttgart haben wir nur eine Hand voll kleiner Brauereien“, sagt er. „Auf dem Markt ist noch eine Menge Platz.“

Zwischen den Ständen wird es am Freitagabend hingegen langsam eng. Gut, dass die Veranstalter vom Kraftpaule-Team mit Sitzgelegenheiten Raum geschaffen haben, sich aus dem Trubel zurückzuziehen. Florian Wölfle aus dem Vorstand der Stuttgarter „Kesselbrauer“ freut sich über den großen Andrang. Der Verein, in dem 40 Mitglieder ihrem Hobby nachgehen, hat seine Biere des Jahres dabei, unter anderem ein Trollinger Ale. „Ob man damit die Viertelesschlotzer bekehren kann, weiß ich ja nicht“, überlegt Standbesucher Harald (39) und nippt an seinem Glas. „Interessant ist die Kombination aber auf jeden Fall und solche Erfahrungen sind schließlich, der Grund, warum man hierherkommt.“

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