Seite 2Bienen-Parasit: Mittel gegen Varroa-Milbe entdeckt Die häufigsten Ursachen für das Bienenstreben

Von Markus Brauer 

Steckbrief : Varroa-Milbe

1977 wurde die Varroa-Milbe nach Europa eingeschleppt. Der 1,6 Millimeter große Parasit hat sich zum Hauptfeind der Honigbiene entwickelt. Die Milbe beißt sich bei ihr fest und saugt sie aus. Vor allem Larven sind von den Attacken betroffen. Von der Ohe: „Der Hauptfaktor für das Massensterben der Bienenvölker ist die Varroa-Milbe. Es scheint, dass sie immer aggressiver wird.“ Varroa-Milben machen offenbar einen Zyklus durch, was die Intervalle beim Bienensterben erklären würde. Nach Wintern, in denen es große Verluste gab, bricht die Population der Milbe ein.

Colony Collapse Disorder

US-Forscher haben dem massenhaften Bienensterben der vergangenen Jahre den Namen Colony Collapse Disorder (CCD – Völkerkollaps) gegeben. Nach dem Winter fehlt ein Großteil der erwachsenen Tiere im Stock. Auch in der näheren Umgebung sind keine toten Bienen zu finden. Nur die Königin, Brut und Jungbienen, die von Parasiten, Pilzen und Viren befallen sind, befinden sich im Stock.

Viren und Pilzehttps://www.uni-hohenheim.de/organisation/person/priv-doz-dr-rer-nat-peter-rosenkranz

Als weitere Faktoren für das Sterben der Honigbienen kommen Viren und Pilze in Frage. Sie dringen in die Darmepithelzellen der Bienen ein und zersetzen deren Eingeweide. Die von Bieneninstituten untersuchten Völker zeigen neben einem starken Varroa-Befall auch virale Sekundärerkrankungen. Offensichtlich haben die Mikroben leichtes Spiel, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

Mangelernährung

Für den Leiter des Laves-Instituts für Bienenkunde in Celle, Werner von der Ohe, ist die schlechte Ernährungsgrundlage mitentscheidend. Proteine und Vitamine, die über Blütenpollen aufgenommen werden, tragen zur Robustheit der Bienen bei. Der Mangel an pollen- und nektarliefernden Trachten, transgene Pflanzen und einseitige Ernährung führen zum Umwelt- und Ernährungsstress, der die Tiere schwächt.

Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imkerbundes: „Die Bienen haben nichts mehr zu fressen. Und das, was sie haben, ist zu einseitig.“

Pestizide

Der Wirkstoff Clothianidin gehört zur Gruppe der Neonicotinoide, einem Pestizid, das als Kontakt- und Fressgift wirkt. Laut Hederer sind diese Mittel, die von Bayer Crop-Science vermarktet werden, „für Bienen 500- bis 700-mal giftiger als DDT“. Rund 30 000 Tonnen Pestizide werden in Deutschland jährlich auf Äcker und Obstplantagen gespritzt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) resümiert: „Die Hinweise verdichten sich, dass der Einsatz hochwirksamer und bienengefährlicher Neonicotinoide eine entscheidende Rolle in dieser katastrophalen Entwicklung spielt.“

Hederer, der 4500 Berufsimker vertritt, fordert seit langem ein Verbot der Gifte. „Jedesmal wenn ein neuer Wirkstoff kam, ging die Anzahl der Bienenvölker zurück. Neonicotinoide kommen überall vor. Die Belastung der Umwelt wird immer größer.“

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