Bienen Hohenheimer Forscher entdecken Antimilbenmittel

Von Werner Ludwig 

Eine Honigbiene sammelt Pollen und Nektar. Foto: dpa
Eine Honigbiene sammelt Pollen und Nektar. Foto: dpa

Lithiumchlorid wirkt überraschend gut gegen die Varroa-Milbe – ohne Nebenwirkungen für die befallenen Bienen. Das haben Wissenschaftler der Universität Hohenheim per Zufall herausgefunden.

Stuttgart - In der Wissenschaft spielt nicht selten der Zufall eine wichtige Rolle. So auch bei der Entdeckung eines vielversprechenden Wirkstoffs gegen die gefürchtete Varroa-Milbe, die Bienenvölker in ein bis drei Jahren komplett ausrotten kann. Denn eigentlich hatten die Forscher um Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim, an einer anderen, komplizierteren Bekämpfungsmethode für die Milben gearbeitet. Sie fütterten Bienen mit kurzen RNA-Schnipseln. Das Molekül überträgt in Zellen die Informationen des Erbmoleküls DNA – etwa bei der Bildung von Proteinen. Die Idee der Forscher: Wenn die Milben bei den Bienen Blut saugen, nehmen sie die RNA-Stücke mit auf und bauen sie in ihr eigenes Erbmaterial ein. Dadurch sollen lebenswichtige Gene des Parasiten ausgeschaltet werden.

Tatsächlich ging der Milbenbefall bei derart behandelten Bienen zurück. Derselbe Effekt zeigt sich aber, wenn statt der für die Milben „maßgeschneiderten“ RNA-Stücke beliebige RNA-Abschnitte verwendet wurden. „Etwas in unserer Genmischung bekam den Milben nicht“, sagt Rosenkranz. Dieses Etwas entpuppte sich schließlich als Lithiumchlorid, das bei der Gewinnung der RNA-Bruchstücke als Hilfsmittel diente.

Ein völlig neuer Wirkstoff

Damit stehe nach mehr als 25 Jahren Forschung ein völlig neuer Wirkstoff zur Verfügung, der nach den Erkenntnissen der Forscher zudem unschädlich für die Bienen ist. Auch die Anwendung ist einfach: Das Salz wird in Zuckerwasser gelöst, das an die Bienen verfüttert wird. Bislang werden Varroa-Milben etwa mit Ameisensäure, Oxalsäure oder chemischen Wirkstoffen bekämpft. Das führt oft zu Resistenzen sowie zu Rückständen im Honig, für die es bei Lithiumchlorid bis jetzt keine Anzeichen gebe. Zudem sei der Stoff, der auch als Antidepressivum eingesetzt wird, weltweit in großer Menge verfügbar, so die Hohenheimer Forscher, die ihre Erkenntnisse in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Scientific Report“ veröffentlicht haben. Bevor ein Lithium-Medikament für Bienen auf den Markt kommen kann, seien aber weitere Tests nötig – etwa zur optimalen Dosierung.

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