Auf dem Bundesparteitag in Köln wurde Alice Weidel zur Spitzenkandidatin der AfD für die Bundestagswahl nominiert. Foto: dpa

Alice Weidel hat immer angegeben, sie wohne in Überlingen. Nun wird bekannt, dass die neue Frontfrau der AfD auch in Biel in der Schweiz angemeldet ist, wo ihre Lebenspartnerin mit den beiden Kindern wohnt. Wie passt das zu ihrem national-konservativen Auftreten?

Stuttgart - Die Situation ist scheinbar eindeutig. Rechtlich ist es kein Problem, dass eine Kandidatin für den deutschen Bundestag im Ausland wohnt. Doch die frisch gekürte national-konservativen AfD-Front-Frau Alice Weidel muss sich nun einige Fragen gefallen lassen, warum sie sie selbst Überlingen am Bodensee als ihren Hauptwohnsitz angibt, aber gleichzeitig in der über 200 Kilometer entfernten Schweizer Stadt angemeldet ist. Dort lebt sie offensichtlich mit ihrer Lebenspartnerin und den beiden Kindern. Nach Recherchen des „Bieler Tagblatts“ habe das Paar zuerst in einer Vorstadt gewohnt und sei dann in eine gemeinsame Eigentumswohnung in der Innenstadt gezogen. Nachbarn beschrieben Weidel als „nett und umgänglich“. Nach Angaben der Zeitung verbringe Weidel nicht nur einzelne Tage in Biel, sondern sei über längere Zeiträume anwesend.

Überraschung in der Schweiz

Der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr zeigte sich überrascht, dass die AfD-Politikerin in Biel angemeldet ist. „Man geht ja eher davon aus, dass Spitzenpolitiker in ihrem jeweiligen Land leben“, erklärte er. Weidel sei er bisher noch nicht bewusst begegnet, so Fehr in einer Erklärung. Es gebe auch keine Anzeichen, dass sie sich von Biel aus aktiv politisch betätigt habe. Täte sie dies, hätte der Stadtpräsident daran allerdings „keine Freude“.

Weidel, die auf dem AfD-Parteitag in Köln vor einigen Tagen unter dem Applaus der Delegierten sagte, dass sie die politische Korrektheit „auf den Müllhaufen der Geschichte“ werfen möchte, gibt sich in der Sache sehr zugeknöpft. Sie erklärt den Wohnort ihrer Kinder mit „Sicherheitsgründen“.

Die zehn wichtigsten Fakten zur AfD sehen Sie im Video:

Spott in den sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken ist der Spott natürlich groß, zumal Alice Weidel das Wort Deutschland immer wieder mit sehr viel Pathos über die Lippen kommt. Ein Nutzer vermutet, dass die AfD-Kandidatin nun auch eine Art Flüchtling sei.

Eine andere Twitternutzerin nannte Weidel eine «Teilzeit-Migrantin» und spielte damit auf die Einwanderungsfeindlichkeit der AfD an. Häme kommt via Twitter auch von Johannes Hillje, ehemaliger grüner Europa-Wahlkampfleiter und Kommunikationsberater.

Ein anderer Nutzer schreibt, dass die Schweiz für die national-konservative Politikerin also durchaus eine Alternative für Deutschland sei.

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