Bibelmuseum Bibel in Muttersprache soll das Herz treffen

Von Martin Haar 

D Foto: Martin Haar
D Foto: Martin Haar

Wie klingt die Bibel in verschiedenen Sprachen? Was bedeutet es, Texte in eigener Sprache lesen zu können? Das zeigt eine Sonderausstellung im Bibelmuseum.

Stuttgart - Ausstellungen sollten den Geist der Zeit treffen. Oder zumindest einen Nerv. Der Sonderausstellung „Die Bibel – durch die Muttersprache ins Herz . . . da weht Freiheit“ scheint zumindest ein Merkmal zu erfüllen. Nicht zuletzt ist das Thema sehr aktuell. Denn gerade in dieser Zeit wird das Evangelium mehr denn je von Flüchtlingen nachgefragt. Erst zuletzt hatte Stiftspfarrer Matthias Vosseler wieder zwei Dutzend Konvertiten getauft. Sie alle bekommen in der Regel eine Bibel in deren Muttersprache.

„Seit dem ersten Pfingstfest in Jerusalem feiert es die Christenheit, dass wir trotz verschiedener Muttersprachen durch den Geist Jesu Christi verbunden sind“, sagt Pfarrerin Franziska Stocker-Schwarz, die das Bibelmuseum im Hospitalviertel leitet, „außerdem hat der Pfingstmontag als Tag der weltweiten Kirche in Stuttgart inzwischen Tradition.“ Genau dort war im Herbst 2015 die Idee entstanden, das diesjährige Fest der weltweiten Kirche und Mission mit einer Sonderausstellung im Bibliorama in der Büchsenstraße zu bereichern.

Auf der Erde wird in etwa 6900 lebenden Sprachen gesprochen

Mit der Ausstellung will Stocker-Schwarz die Vielfalt der weltweiten Gemeinden aufzeigen, indem anschaulich und hörbar wird, in wie vielen Sprachen das Bibelwort inzwischen erklingt. „Möge es dazu führen, dass wir voneinander lernen“, sagt die Museumschefin.

Zum Hintergrund: Auf der Erde wird in etwa 6900 lebenden Sprachen gesprochen. Doch es gibt derzeit nur 648 Bibelübersetzungen in der jeweiligen Muttersprache. „Es ist erschreckend zu hören, in wie wenig Muttersprachen es die gesamte Bibel gibt“, Pfarrerin Stocker-Schwarz. Immerhin: einzelne Bibelteile gibt es in 3225 Sprachen. Doch die Übersetzung der Bibel sei ein faszinierendes Arbeitsfeld, das in der Sonderausstellung vorgestellt wird.

Gerade die verschiedenen Übersetzungen des Urtextes könnten laut Stocker-Schwarz widerspiegeln, welchen Bedeutungsraum ein hebräisches oder ein griechisches Wort einnehmen könne. Schon innerhalb der verschiedenen deutschen Übersetzungen sei das schon zu sehen. Alleine im Übergang von der Lutherbibel 1984 zur Lutherbibel 2017 ist das zu beobachten – zum Beispiel am so genannten Tauf- oder Missionsbefehl. In der Lutherbibel 1984 hieß es: „Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker!“ Luther 2017 nimmt dieses Jesuswort folgendermaßen auf: „Darum gehet hin und lehret alle Völker!“

Für Franziska Stocker-Schwarz sind Übersetzungen ein Reichtum

„Beides, das Lehren und die Lerngemeinschaft einer Jüngerschaft steckt im griechischen Urtext“, erklärt Franziska Stocker-Schwarz, „das eine griechische Wort Matheteusate und doch ein weiter Wortraum.“ Daher übersetze die Basis-Bibel: „Geht nun hin zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern und Jüngerinnen.“ Und in einem Text am Rand wird erklärt: „Lehrt alle Menschen, so zu leben, wie ich es euch vorgelebt habe.“

Für Franziska Stocker-Schwarz ist es ein Reichtum, verschiedene Übersetzungen nutzen zu können: „Es ist ein unüberbietbarer Schatz, wenn das Wort Gottes in der eigenen Sprache, der Muttersprache, ­gelesen und gehört werden kann. Die Muttersprache geht eben ins Herz! Und genau das kann man in dieser Sonderausstellung erleben.“

Ansprechpartner
Martin Haar
s-mitte@stz.zgs.de

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