Ihren Titel in der Verfolgung von 2019 konnte Denise Herrmann nicht verteidigen, dennoch freut sie sich in Antholz über WM-Silber Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Endlich eine Medaille im Biathlon – die 31-Jährige holt Silber in der Verfolgung, aber außer Arnd Peiffer enttäuschen die Männer am Sonntag in Antholz.

Antholz - Es ist immer eine Gratwanderung im Sport, wenn man ein ganz großes Ziel knapp verpasst. Soll man sich ärgern, weil es nicht geklappt hat? Oder soll man sich lieber über das Erreichte freuen? Denise Herrmann stellte sich diese Frage am Sonntag überhaupt nicht – sie strahlte mit der Sonne in Antholz um die Wette, die 31 Jahre alte Biathletin freute sich über die Silbermedaille in der Verfolgung über beide Backen. „Ich habe nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen“, sagte Hermann und das Steinchen am kleinen Schneidezahn rechts im Oberkiefer blinkte und blitzte vor Glück; an Zahn Nummer zwölf, wie ein Zahnarzt den Glitzer lokalisieren würde.

Sie hätte sich auch mächtig ärgern können, und zwar über ihren letzten Schuss, der fast schon traditionell rechts hoch vorbei zischte – wäre die Kugel im Schwarzen gelandet, wäre Gold drin gewesen. Dann hätte Herrmann ihren Titel von Östersund verteidigt. So holte sich die gebürtige Antholzerin Dorothea Wierer unter dem Jubel von mehr als 20 000 Fans den Titel. „Schade, dass der Letzte vorbei ging“, sagte die neue Vize-Weltmeisterin, „beim Anfahren zum Schießstand habe ich gesehen, dass da noch was nach von geht.“ Von Position drei sprintete sie in der Schlussrunde an der Doppel-Weltmeisterin Marte Olsbu Röiseland (Norwegen) locker vorbei.

Das gesamte Frauen-Team überzeugt

Dieses Rennen tat gut für das malträtierte Ego, das unter den verflixten Fehlschüssen in Mixed-Staffel und Sprint gelitten hatte. „Ich bin erleichtert, dass ich am Schießstand eine gute Leistung gebracht habe – auch wenn drei Fehler nicht überragend sind“, sagte sie, „aber ich bin froh, dass ich endlich das, was ich beim Schießen kann, umgesetzt habe.“ Das ist auch den Kolleginnen der Sächsin gelungen. Vanessa Hinz (1 Schießfehler) wurde Fünfte, Franziska Preuß (2) erreichte das Ziel als Siebte und Karolin Horchler beendete das Rennen fehlerfrei als 15. „Ich bin glücklich“, sagte Hinz, „nach so vielen Tiefs und Problemen in dieser Saison, alles auf den Punkt hinbekommen zu haben – auch wenn es keine Medaille wurde.“ Eine starke Mannschaftsleistung nennt man das. Bundestrainer Mark Kirchner und Disziplincoach Kristian Mehringer umarmten sich herzlich, ihnen dürften ein paar Steine vom Herzen gefallen sein, nachdem es leise Kritik wegen der Wackeleinlagen der Athleten beim Schießen gegeben hatte.

Benedikt Doll leistet sich sieben Schießfehler

Die Männer machten den deutschen Trainern rund zwei Stunden später allerdings keine ganz so große Freude. Lediglich Routinier Arnd Peiffer lieferte ein gutes Ergebnis ab. Der Einzel-Weltmeister von Östersund kam mit 53,9 Sekunden Rückstand auf Sieger Emilien Jacquelin auf Platz fünf ins Ziel. „Wenn es ein Weltcup-Rennen gewesen wäre, hätte ich gesagt, das war ganz ok“, sagte Peiffer, „aber bei einer WM geht es um Medaillen, und dafür hat es wieder nicht gereicht.“ Nur ein Schießfehler, dem 32-Jährigen fehlen in der Loipe die Körner – der Mann vom WSC Clausthal-Zellerfeld belegte in der Laufzeit lediglich Platz 18. „Wenn die starken Läufer auch stark schießen“, sagte er, „ist wenig zu machen für mich – selbst mit null Fehlern hätte es wohl nicht zu einer Medaille gereicht.“

Peiffer war der einzige der deutschen Männer, der am Gewehr überzeugte. Bei den Kollegen hielt die grassierte Trefferschwäche an. Benedikt Doll leistete sich unfassbare sieben Strafrunden (Platz 29), Johannes Kühn zielte fünfmal ungenau (Platz 28), Philipp Horn schoss sechsmal daneben (Platz 18) – ein indiskutables Ergebnis. Doll war sichtlich gezeichnet. „Mir fehlt die Leichtigkeit, es macht keinen Spaß“, sagte der Schwarzwälder, „es passt vom Timing nicht.“ Der 29-Jährige wird sich mit Bundestrainer Kirchner zusammensetzen, wie die übrigen auch, und sie werden versuchen, die Fehler zu erkennen und bis zum Einzel am Mittwoch (14.15 Uhr/ARD) abzustellen. Nicht viel Zeit, aber die deutschen Frauen sind in Antholz ja auch fast über Nacht zielsicher geworden.

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