Zufrieden und dennoch voll sportlichem Ehrgeiz: Biathletin Kathrin Lang, die in Ruhpolding ihr Saisondebüt im Weltcup feiert. Foto: Getty

Wenn ab diesem Mittwoch der Biathlon-Weltcup in Ruhpolding Station macht mischt erstmals in dieser Saison auch Kathrin Lang wieder mit. Was deshalb alles andere als selbstverständlich ist, da die 27-Jährige eine Doppelrolle innehat: Als Biathletin und Mutter.

Wenn ab diesem Mittwoch der Biathlon-Weltcup in Ruhpolding Station macht mischt erstmals in dieser Saison auch Kathrin Lang wieder mit. Was deshalb alles andere als selbstverständlich ist, da die 27-Jährige eine Doppelrolle innehat: Als Biathletin und Mutter.

Ruhpolding - Es ist ja eigentlich kein Wunder, dass Kathrin Lang sich ernsthafte Gedanken gemacht hat, ob es nicht besser wäre, ihre Karriere als Biathletin zu beenden. Als junge Mutter wäre ein Ende der sportlichen Laufbahn nur allzu verständlich. Bei Kathrin Lang aber war alles ganz anders.

Sicher, sie waren da, die Pläne rund um den sportlichen Ruhestand. Mit der Geburt von Töchterchen Lenia Maria aber hatten sie rein gar nichts zu tun. Im Gegenteil: Seit die in Balingen geborene Sportlerin nicht mehr nur Biathletin, sondern auch Mutter ist, hat sie noch einmal richtig Motivation getankt. „Schwangerschaft und Geburt haben mir gutgetan“, sagt Kathrin Lang – und will es in dieser Woche erstmals in dieser Saison im Weltcup beweisen. Wobei: Diese Formulierung trifft nicht ganz zu. Nicht auf das neue Leben von Kathrin Lang.

Die 27-Jährige, die unter ihrem Mädchennamen Hitzer ihre größten Erfolge gefeiert hat, ist den zweiten Teil ihrer Karriere als Biathletin zwar mit dem gewohnten Ehrgeiz und Kampfgeist angegangen – aber eben auch mit einer ganz neuen Sichtweise. „Die Schwangerschaft hat mir viel gebracht“, sagt sie, „in erster Linie die Erkenntnis, dass ich den Sport für mich mache.“

„Ich habe diesen Reifeprozess gebraucht“

Als junge Athletin, erinnert sie sich, habe sie sich immer und immer wieder beweisen müssen. Das Sportlerleben wurde dominiert von Ergebnislisten und Vergleichswerten. Fortwährende Verletzungssorgen und Schmerzen brachten zudem immer wieder diese Gedanken ans Aufhören. Die unerwartete Pause bot dann die Gelegenheit, alles ganz neu zu betrachten. „Ich war nicht mehr drin, aber auch nicht weg“, sagt sie und zieht einen interessanten Vergleich: „Ich war wie ein Vogel, der auf seinem Käfig sitzt.“ Dem außerdem klargeworden ist, dass „ich vor allem mir selbst zeigen will, was ich draufhabe“. Und dass es kein Ding der Unmöglichkeit ist, das Dasein als Mutter und Leistungssportlerin unter einen Hut zu bringen. Wobei Kathrin Lang auch zugibt: „Es war zuletzt keine leichte Zeit.“

Seit Juni 2012 ist die zweimalige Weltcup-Siegerin mit dem früheren Biathleten Toni Lang verheiratet. Einen Monat später kam die gemeinsame Tochter zur Welt. Und als in Kathrin Lang wenige Wochen später der Entschluss reifte, die Karriere fortzusetzen, galt es, Organisationstalent zu beweisen. Ihr Gatte studiert unter der Woche in München, die jeweiligen Eltern des Paares wohnen auch nicht in der Nähe des Wohnorts Ruhpolding. Nur gut, dass eine Freundin sich bereiterklärte, den Job der Babysitterin zu übernehmen und Kathrin Lang den Rücken freizuhalten. „Es pusht mich, dass alles so gut klappt“, versichert sie und betont: „Ich habe diesen Reifeprozess gebraucht.“

Den bescheinigen ihr auch langjährige Weggefährten. „Sie hat deutliche Fortschritte gemacht in ihrer persönlichen Handlungsweise“, sagt Bundestrainer Uwe Müßiggang. Für einen Platz im Weltcup-Team reichte es zu Saisonbeginn dennoch nicht, da jüngere Athletinnen in die Mannschaft drängten. Über starke Auftritte im zweitklassigen IBU-Cup aber bot sich Kathrin Lang immer wieder an – und wurde mit der Nominierung für Ruhpolding belohnt.

„Ich freue mich, dass ich diese Chance bekomme“, sagt die 27-Jährige, die es in der Saison 2006/07 unter die Top Ten im Gesamtweltcup geschafft hat, „ich versuche, es ruhig anzugehen.“ Die Staffel an diesem Mittwoch (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport) findet ohnehin noch ohne Kathrin Lang statt, im Einzel am Freitag (14.15 Uhr/ZDF und Eurosport) aber kämpft sie um ihre Minimalchance, sich doch noch für Olympia in Sotschi zu qualifizieren. Oder anders gesagt: Um einen Platz im Käfig.