Simon Schempp zählt bei der WM zu den Favoriten Foto: Getty Images Europe

Er ist in der Spur: Drei Siege, sechs Mal in Serie auf dem Podest. Der Uhinger Simon Schempp fährt als einer der Favoriten zur Weltmeisterschaft. Dass es bei der Generalprobe in Oslo nur „dezente Resultate“ gegeben habe, sei genau richtig, findet sein Trainer.

Uhingen - Ein Wimpel steht auf dem Tisch, ein riesiges Plakat hängt an der Wand, alle tragen die gleichen weißen Shirts – und überall ist Simon Schempp drauf. Die Fans des Biathleten sind gewappnet für die Weltmeisterschaft in Kontiolahti, die an diesem Samstag mit dem Sprint der Herren (13 Uhr/ZDF) erst so richtig losgeht. Und der 26-Jährige Schempp ist es auch.

Drei Rennen hat er in dieser Saison gewonnen, im Gesamt-Weltcup liegt er auf Platz zwei – der beste deutsche Biathlet ist mittlerweile auch international eine Nummer. Selbst sein größter Konkurrent Martin Fourcade ist von ihm überzeugt. „Er ist ganz sicher einer der Kandidaten für die Medaillen bei der WM“, sagt der Franzose und Schempp meint: „Wenn ich einen guten Tag erwische, kann ich um eine Podestplatzierung mitlaufen – aber dann muss alles stimmen.“

Er liebäugelt mit einer Einzelmedaille, er hat das Zeug dazu und auch sein Fanclub hat schon vorgesorgt: „Wir haben den Bürgermeister vorgewarnt“, sagt Willi Hahner, der Vorsitzende des Vereins, „wenn Simon mit einer Medaille Heim kommt, muss es einen Empfang geben.“ Den „1. Simon Schempp Fanclub“ gibt es seit drei Jahren. Bei der Gründung hatte er etwas mehr als 30 Mitglieder, heute sind es mehr als 70. Auch drei Damen aus dem Sauerland gehören dazu. Die meisten kennen „den Simon“ jedoch schon lange, er ist ja einer von ihnen – er ist ein Volltreffer aus Uhingen.

„Er war schon immer sehr sportlich“

Werner Rommel war zum Beispiel Co-Trainer, als sich Schempp beim Handball versucht hat. „Er war schon immer sehr sportlich“, erzählt Rommel. Der junge Simon habe Leichtathletik gemacht „und selbst mal einen Triathlon absolviert“. Auch auf alpinen Skiern war Simon Schempp unterwegs und das gar nicht schlecht. Doch seine Berufung fand Schempp, als er mit 13 Jahren die Abfahrtsski in die Ecke gestellt hat. Seither jagt er auf Langlaufskiern mit Gewehr auf dem Rücken durch die Loipen.

Darauf, dass es Schempp bis in die Weltspitze geschafft hat, sind seine Fans stolz. Noch begeisterter sind sie jedoch davon, dass „er überhaupt nicht abgehoben ist“, sagt Schriftführer Rainer Hofmann.

Kurz vor Weihnachten war Schempp, der immer noch für die Skizunft Uhingen startet, mal wieder in der Heimat. Seit er als Jugendlicher aufs Skiinternat nach Furtwangen gewechselt ist und von dort wegen der Trainingsbedingungen nach Ruhpolding gezogen ist, sind solche Besuche nicht mehr an der Tagesordnung.

Die Schempp-Anhänger sind dennoch gut informiert. „Wir schreiben uns ab und zu SMS“, sagt Willi Hahner und dann gibt es ja auch noch die Besuche bei den Weltcups. So oft es möglich ist, reisen die Uhinger an die Loipen in Antholz, Nove Mesto, Oberhof..  Die Anstecker an Hahners bayrischem Hut belegen es eindrucksvoll.

Diese WM könnte Schempps bisher erfolgreichste werden

Nur nach Kontiolahti in Finnland geht es in diesem Jahr nicht. „Wir drücken von daheim die Daumen“, sagt Rainer Hofmann. Denn diese WM könnte für Schempp seine bisher erfolgreichste werden. „Ich habe in dieser Saison viel dazugelernt“, sagt der Zollwachtmeister. „Läuferisch hat er einen Riesenschritt gemacht“, lobt sein Trainer Mark Kirchner. Schießen – gelernt hat er das übrigens bei der Schützengilde SV Faurndau – hätte er schon immer gut können, „aber jetzt hat er diese beiden Komponenten noch besser zusammengeführt und er ist stabiler geworden“, sagt Kirchner.

Und Fritz Fischer (58), der sich selbst als väterlichen Freund von Schempp bezeichnet, sagt: „Er hat vor allem Erfahrung gesammelt.“ Und dennoch: „Der Simon hat ja noch gar nicht seine Höchstform. Ich glaube, dass seine gute Zeit erst noch kommt“, erklärt der ehemalige Biathlet und heutige Nachwuchstrainer, „Simon wird immer reifer, athletischer und vor allem belastungsverträglicher. Ich glaube, dass wir mit ihm noch viel Freude haben werden.“

Die Erwartungen werden größer. Deshalb betonen seine Fans, dass es nicht immer Medaillen sein müssen. „Wir glauben nicht nur wegen seines Erfolgs an ihn“, sagt Hahner. Und auch Kirchner findet, dass es gut gewesen sei, dass Schempp in Oslo mal nicht aufs Podest gelaufen ist. „Die dezenten Resultate waren gar nicht so verkehrt“, sagt der Trainer. Jetzt sei der Druck ein wenig raus. In Uhingen wird derweil für die WM geplant. Für die in Oslo 2016. Der Fanclub will dann wieder dabei sein, um noch einen Volltreffer von Schempp zu sehen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: