Verzweifelt nach zwei Strafrunden: Miriam Gössner. Foto: dpa

Die deutsche Biathletin Miriam Gössner ist beim Doppelweltcup in Ruhpolding wieder schnell unterwegs – doch das Schießen bleibt ihre große Schwäche.

Ruhpolding - Miriam Gössner schaute ungläubig auf die Scheiben: Acht Schuss, nur drei Treffer. Und das in der Staffel. „Ich wusste überhaupt nicht mehr wohin. Ich kann mir das beim besten Willen nicht erklären“, sagte die deutsche Biathletin im Ziel. Die deutsche Frauen-Staffel holte am Ende in Ruhpolding zwar noch den zweiten Platz – getröstet hat das Gössner aber nur bedingt. „Zwei Strafrunden, das ist absolut nicht in Ordnung“, meinte die 25-Jährige mit weinerlicher Stimme. Tränen oder Freudestrahlen – dazwischen scheint es bei Miriam Gössner nichts zu geben.

Mal rettet sie der deutschen Langlauf-Staffel WM-Silber oder feiert 2012 einen sensationellen Durchbruch als Skijägerin, doch ein anderes Mal verballert sie der Biathlon-Staffel den Sieg oder erklärt nach einem schweren Mountainbike-Unfall ihr Olympia-Aus für die Spiele in Sotschi.

Nun, drei Jahre nach der schwierigen Verletzung mit mehreren Wirbelbrüchen und einer langwierigen Reha, ist sie zwar wieder schnell unterwegs, doch das Schießen bleibt ihre große Schwäche. Sechs Mal zog sie sich beim Doppelweltcup in Ruhpolding ein Startleibchen über. Kein einziges Mal blieb sie fehlerfrei. Vier Fehler bei 20 Scheiben waren im Jagdrennen noch ihr bestes Ergebnis. Im Sprint schoss sie viermal daneben, in den beiden Massenstartrennen jeweils fünfmal und im Einzel über 15 Kilometer sogar sechsmal. Abschließend folgten in der Staffel die beiden Extrarunden und beim Stehendschießen musste sie noch zweimal nachladen. Bei dieser Quote bringen auch die besten Laufzeiten nichts mehr.

Mit der Brechtstange geht es nicht

Doch wenn die Partenkirchnerin am Schießstand mal keine Nerven zeigt, dann geht’s ganz nach vorne. In Hochfilzen ließ sie im Sprint nur eine Scheibe stehen. Prompt landete Gössner auf Platz drei und erfüllte die Norm für die WM im März – doch statt das Selbstvertrauen mit in die nächsten Wettkämpfe zu nehmen, läuft seither nicht mehr viel zusammen. Ob die Tochter einer Norwegerin und eines Deutschen wirklich bei der Weltmeisterschaft in Oslo ihre Einsätze bekommt, ist mehr als fraglich. Dabei würde sie nur zu gerne wieder an ihre Weltklasse-Leistungen anknüpfen. Gössner arbeitet seit kurzen sogar mit dem Teampsychologen zusammen, obwohl sie auf die Hilfe eines Mentaltrainers lange verzichtet hatte. Bisher hat jedoch auch das noch nicht den gewünschten Effekt gehabt.

Mit der Brechtstange geht es eben nicht. „Ich kannte mal einen Trainer, der sagte: Schießen und singen kannst du nicht erzwingen“, sagte Bundestrainer Gerald Hönig. Doch den Weg raus aus dem Tief zu finden, das wird mit jedem Fehlschuss schwerer, vor allem weil keiner weiß, woran es eigentlich liegt. „Wenn überhaupt, dann kann sie diese Frage nur selbst beantworten“, meinte Rekord-Weltmeisterin Magdalena Neuner und Freundin von Gössner.

Und nun? Hönig betont nach wie vor: „Miri ist ein wichtiger Teil der Mannschaft.“ Und Gössner, seit 2013 mit dem Skirennläufer Felix Neureuther liiert, betont: „Ich muss jetzt einfach konsequent weiterarbeiten. Das ist das Wichtigste.“ Aufgeben, das gehe doch nicht, ergänzt die 25-Jährige. Zuversicht klingt aber irgendwie anders.

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