Immer im Einsatz: Biathlon-Urgestein Fritz Fischer Foto: Baumann

Die Sport-Legende Fritz Fischer sucht die Biathlon-Stars von morgen. Dafür tingelt er durch ganz Deutschland.

Ruhpolding - So richtig traut sich Christel nicht – immerhin steht da eine echte Biathlon-Legende. Ihre Tochter muss den ersten Schritt machen. Ein gemeinsames Foto und ein Autogramm später zieht Christel mit einem Strahlen im Gesicht von dannen. Der ehemalige Weltklasse-Skijäger Fritz Fischer ist an diesem Abend in einem Sportgeschäft mitten in Ruhpolding nur für seine Fans da. Es ist nicht sein einziger Termin während der Weltcup-Woche. Dort ein Sponsorentreffen, da ein Weißwurstfrühstück mit Kunden, und dann muss er auch noch seinen Betrieb am Laufen halten. Fritz Fischer ist im Dauereinsatz für den Biathlon.

Der 59-Jährige ist Olympiasieger, Weltmeister, er war viele Jahre als Bundestrainer der deutschen Herren tätig, heute kniet er sich vor Kindern in den Schnee, um ihnen beim Skianschnallen zu helfen. „Der Sport hat mir sehr viel ermöglicht. Nun möchte ich etwas zurückgeben“, erklärt Fischer. Deshalb sucht er die Biathlon-Stars von morgen.

In Ruhpolding bietet er regelmäßig Camps an. Für Kinder, aber auch für Erwachsene, für alle, die von ihm die Skating-Technik und den Umgang mit dem Gewehr lernen wollen – garniert mit der einen oder anderen Geschichte aus seinem Skijäger-Leben. Gemeinsam mit dem Deutschen Skiverband (DSV) hat er zudem ein Projekt angeschoben, das sich Biathlon Shooting Star nennt. Fischer tingelt dafür durch ganz Deutschland. Vereine, Gemeinden, Firmen – alle können ihn und sein mobiles Biathlon-Stadion buchen. „Es ist genau wie an einem echten Schießstand“, erklärt der Trainer, „wir schießen auch mit den gleichen Gewehren wie die Profis, nur auf Laserbasis.“ Auf diese Weise will er Lust auf seinen Sport machen und Talente finden.

Fischer sieht sich als „väterlichen Berater“

Nicht nur finden will er sie, auch unterstützen. Finanziell, bei der Sponsorensuche, mental. So wie zum Beispiel Franziska Preuß. Sie bekam im Alter von 15 Jahren von ihren Eltern einen Gutschein für einen Biathlon-Schnupperkurs. Fischer erkannte ihr Talent, überredete sie dranzubleiben. Heute zählt sie zur Weltspitze. „Es ist aber nicht das Ziel, dass jeder Weltmeister wird“, sagt Fischer. Ihm gehe es bei seinen Aktionen hauptsächlich darum, den Menschen Spaß an der Bewegung zu vermitteln, die Leute raus aus den Büros zu bekommen und zu zeigen, dass es harte Arbeit ist, an die Spitze zu kommen.

„Ohne Fleiß kein Preis, heißt es doch. Das lässt sich auf fast alle Bereiche übertragen“, sagt er. Der dreifache Vater ist selbst immer noch topfit, mental wie physisch. Und er ist ein Original mit Unterhaltungswert sowie jeder Menge Tiefsinn. Er macht sich viele Gedanken über die Gesellschaft, dass „heute immer alles cool“ sein muss zum Beispiel, dass es oft an Wertschätzung fehlt. Fischer merkt schnell, wie sein Gegenüber tickt, was den anderen beschäftigt. Vermutlich suchen deshalb auch Stars wie der Uhinger Simon Schempp seinen Rat. „Ich bin ein väterlicher Berater“, sagt Fritz Fischer nicht ohne Stolz.

Und wahrscheinlich ist er deshalb auch so beliebt bei seinen Fans und den Sponsoren. Die Arbeit geht ihm deshalb jedoch nicht aus. 500 Meter vor der Chiemgau-Arena, wo er ein Büro nutzt, hat er zusätzlich eine Hütte für Veranstaltungen für bis zu 20 Leute gemietet. Dort ist er auch in dieser Woche zu finden, genauso beim mobilen Schießstand vor dem Stadion, beim Fan-Treffen und natürlich ganz nah an der Strecke, um die Athleten bei den Weltcuprennen anzufeuern – Fritz Fischer ist eben immer im Einsatz für seinen Sport.

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