Durch die EnBW-Flächen auch beim Gaskessel hat der Stuttgarter Osten in den kommenden Jahren ein riesiges Entwicklungspotenzial. Foto: Jürgen Brand

Alle fünf Jahre kommt eine neue Bezirksvorsteherin mit anderer politischer Herkunft – weil sich die Parteien immer wieder gegen den drittgrößten Stadtbezirk der Landeshauptstadt entscheiden.

S-Ost - Charlotta Eskilsson (FDP) ist seit Mittwochabend offiziell Bezirksvorsteherin im Stadtbezirk Stuttgart-Ost, dem drittgrößten Stadtbezirk der Landeshauptstadt. „Demokratie lebt vom Wandel“, sagte der für die Stadtbezirke zuständige Erste Bürgermeister Fabian Mayer, der die konstituierende Sitzung des neuen Bezirksbeirats leitete. Der Wandel trifft auf Stuttgart-Ost gerade beim Bezirksvorsteher in besonderem Maße zu. Während es in den anderen vier Innenstadt-Bezirken eine gewisse Kontinuität gibt, ist Eskilsson schon die vierte Ost-Bezirksvorsteherin in den vergangenen gut zehn Jahren. Dabei wechselten nicht nur die Personen, sondern auch deren politische Herkunft regelmäßig.

Für die Besetzung der ehrenamtlichen Bezirksvorsteher in den Innenstadtbezirken ist nicht das Wahlergebnis im jeweiligen Stadtbezirk ausschlaggebend. Das sah bei der jüngsten Kommunalwahl für Stuttgart-Ost so aus:

Grüne               26,9 (+1,4)

CDU                 16,7 ( – 9,0)

SPD                  12,5 (-3,2)

FDP                  7,5 (+2,3)

Linke                7,2 (+1,9)

SÖS                  6,5 (-1,8)

AfD                  5,0 (+1,3)

Freie Wähler   4,5 (+0,3)

Stadtisten       3,1 (+3,1)

Junge Liste     2,3 (+2,3)

Stattdessen wird aus dem Gesamtergebnis errechnet, welche Partei wie viele Bezirksvorsteher stellen darf. Bis zum Jahr 2009 war Bernhard Kübler (CDU) Bezirksvorsteher in Stuttgart-Ost. Nach dem damaligen Einbruch der Christdemokraten bei der Wahl verloren diese einen der Innenstadtbezirke – und verzichteten auf den Osten, sehr zum Ärger einiger Parteimit­glieder.

Kübler, Körner, Strohmaier

Küblers Nachfolger wurde Martin Körner (SPD), der in seiner Amtszeit bis 2014 viel bewegte. Die umfangreiche Bürgerbeteiligung für den Schwanenplatz bei den Mineralbädern in Berg war Vorbild für viele weitere Beteiligungsprozesse. Bei der Kommunalwahl 2014 wurde Martin Körner in den Gemeinderat gewählt. Das Bezirksvorsteher-Amt in Stuttgart-Ost war also wieder vakant – und stand dank leichter Wahlgewinne erneut der CDU zu, worüber es aber zwischen den Parteien Streit gab.

Die Christdemokraten kürten Tatjana Strohmaier zur neuen Bezirksvorsteherin, die am Anfang mit erheblichen Widerständen zu kämpfen hatte. Eine Mehrheit im Bezirksbeirat lehnte sie ab, der Gemeinderat wählte sie trotzdem, wenn auch mit einem schwachen Ergebnis. In den vergangenen fünf Jahren rauften sich Strohmaier und der Bezirksbeirat zusammen und konnten einige Projekte auf den Weg bringen. So ist der gerade entstehende Bürgertreff Gablenberg ihrer Initiative zu verdanken, sie engagierte sich sehr für die Ansiedlung des Cap-Marktes in Gaisburg und sorgte mit Unterstützung der Lions-Clubs dafür, dass viele Spielplätze saniert wurden. Das war ihr auch ein persönliches Anliegen, wurde sie doch in ihrer Amtszeit zweimal Mutter.

Die FDP wollte lieber den Norden

Bei der Wahl in diesem Jahr kandidierte Tatjana Strohmaier auf einem aussichtsreichen Listenplatz für den Gemeinderat. Durch die herben Verluste der CDU schaffte sie es nicht. Die Christdemokraten verloren auch den Anspruch auf den zweiten Bezirksvorsteherposten. Sie mussten sich zwischen Stuttgart-Nord mit Sabine Mezger (seit 2014 Bezirksvorsteherin), und Strohmaier, die gerne weiter gemacht hätte, entscheiden. Die Entscheidung fiel gegen Stuttgart-Ost aus.

So wurde der Weg frei für Charlotta Eskilsson, die bei der Wahl zum Gemeinderat ebenfalls gescheitert war. Durch ihr Wiedererstarken bei der Wahl hatten die Freien Demokraten plötzlich Anspruch auf einen der Innenstadtbezirke und hätten am liebsten die Bezirksvorsteherin in Stuttgart-Nord gestellt, wo sie immerhin 10,5 Prozent der abgegebenen Stimmen bekamen. Nach der Entscheidung der CDU für Stuttgart-Nord und dem Votum der Grünen für den Westen blieb nur der Osten, wo die FDP nur 7,5 Prozent und damit etwas weniger als im Ergebnis der Gesamtstadt (7,9 Prozent) erreicht hatte. Eskilsson, die in der Nähe des Friedensplatzes und damit schon im Stadtbezirk Mitte wohnt, steht jetzt vor der Herausforderung, ein Gremium, in dem ihre eigene Partei nur einen Sitz hat, zu moderieren, von ihrer Vorgängerin angestoßene Projekte gut abzuschließen und neue auf den Weg zu bringen. Die neue Sitzverteilung im Bezirksbeirat Ost sieht so aus:

Grüne 5 (+1)

CDU 3 (-1)

SÖS/Linke etc. 3

SPD 2 (-1)

FDP 1

AfD 1

Freie Wähler 1

Puls 1 (+1)

Betätigungsfelder für Charlotta Eskilsson gibt es genug, gilt der Stuttgarter Osten doch nicht zuletzt wegen der frei werdenden riesigen EnBW-Flächen am Neckarufer von Berg bis Gaisburg und am Stöckach als der Innenstadtbezirk mit dem größten Entwicklungspotenzial.

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