Bei einer Audienz im Vatikan haben Bezirksvorsteher Kai Jehle-Mungenast und seine Frau Anna Jehle von Papst Franziskus den Neuvermähltensegen erhalten. Foto: privat

Der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Vaihingen, Kai Jehle-Mungenast, und seine Frau Anna Jehle haben im Vatikan den Papst getroffen. Wie sind sie an dieses Privileg gekommen?

Vaihingen - Ist Hochzeitskleidung nicht viel zu schön und viel zu teuer, um sie nur dieses eine Mal zu tragen? Gut vier Monate nach ihrer Hochzeit haben sich Anna Jehle und Kai Jehle-Mungenast noch mal in den feinen Zwirn geschmissen – zu einem wahrhaft feierlichen Anlass. Der Vaihinger Bezirksvorsteher und seine Ehefrau haben den Papst getroffen. Und von den vielen Händen, die das glückliche Paar seit seiner Heirat im Oktober 2019 geschüttelt hat, waren die des Heiligen Vaters wohl die besondersten. „Das ist etwas, was man nur einmal im Leben macht“, sagt Kai Jehle-Mungenast.

Bei einer Audienz im Vatikan hat das Paar jüngst den Neuvermähltensegen erhalten. Um den gespendet zu bekommen, muss man sich bei der deutschen Bischofskonferenz anmelden, die in Rom ein Pilgerbüro unterhält und die deutschen Kontingente der Zutrittskarten für die international begehrten Veranstaltungen verwaltet. Maximal vier Monate darf die Heirat zurückliegen. Dresscode: Hochzeitskleidung.

Religion spielt bei dem Paar große Rolle

Der Kirche ist Kai Jehle-Mungenast schon lang verbunden. Vor seinem Job als Bezirksvorsteher war der heute 35-Jährige der Geschäftsführer des katholischen Stadtdekanats gewesen, davor jugendpolitischer Referent der katholischen Jugendverbände. Nach einer Ausbildung zum Fachinformatiker hatte er ein Religionspädagogikstudium drangehängt. Anna Jehle wiederum ist katholische Jugendreferentin in Ludwigsburg. Die Religion spielt bei beiden daher eine große Rolle. „Ich gehe offensiv damit um, weil es zu mir gehört“, sagt Kai Jehle-Mungenast.

Zum Empfang des Papstes in der großen Audienzhalle im Vatikan haben eine allgemeine Ansprache und dann jeweils für die Paare einige Worte mit dem Kirchenoberhaupt gehört. „Ich war aufgeregt“, bekennt Kai Jehle-Mungenast. Sowohl er als auch seine Frau hätten in der Vergangenheit schon Päpste erlebt, etwa bei Minis­trantenwallfahrten, jedoch nie derart nah. Der Pontifex habe die deutschen Gäste gesegnet, ihre Hände geschüttelt, sie auf Englisch gefragt, woher sie kommen, und ein kurzes Gebet mit ihnen gesprochen. Kai Jehle-Mungenast lobt Franziskus für seine Volksnähe. „Seine Zugewandtheit zu den Menschen spricht uns an“, sagt er.

Danach mit der U-Bahn zurück gefahren

Die himmlische Begegnung war eine kurze. Der Vaihinger Bezirksvorsteher hätte sie gern verlängert, denn Themen hätte er viele gehabt. Es sprudelt fast schon aus ihm heraus. Über die Öffnung der Kirche hätte er gern mit dem Papst gesprochen, wie er sagt, über die Rolle der Frau, über den Umgang mit den Missbrauchsskandalen. „Ich bin sehr kritisch mit meiner Kirche, ich leide unter vielem“, betont er, „aber ich stehe hinter der Grundbotschaft“.

Obwohl es nicht die offizielle Hochzeitsreise war – die ging seinerzeit nach Neuseeland –, die fünf Tage in Rom waren für die Jehles besonders. Nach der Papstaudienz ist das Paar mit der U-Bahn zurück zu seiner Unterkunft gefahren. Freilich immer noch in Hochzeitskleidung. Kai Jehle-Mungenast lacht. „Die Leute haben uns gratuliert. Das war ganz toll.“

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