Wer schnappt sich diesmal die Bezirkspokale? Die Entscheidungen fallen wie gehabt an Christi Himmelfahrt. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Um das Außenseiterduell zwischen dem TSV Weilimdorf II und dem SV Sillenbuch ziehen Gewitterwolken auf. Bei den Frauen will der Rekordsieger seine tolle Serie fortsetzen.

Mittlerweile hat die Veranstaltung ihren jährlich festen Platz im Kalender. Christi Himmelfahrt gleich großer Fußball-Endspieltag im Bezirk Stuttgart/Böblingen. So werden auch an diesem Donnerstag im Bernhausener Fleinsbachstadion nicht weniger als fünf Pokalsieger ermittelt: Männer, Frauen, dreimal Junioren. Also eigentlich ein Hurra-Event. Allein, vorab ziehen Gewitterwolken auf. Der Höhepunkt, das Männer-Außenseiterduell zwischen dem SV Sillenbuch und dem TSV Weilimdorf II, wird von einem Terminstreit und Vorwürfen der Wettbewerbsverzerrung umrankt.

 

Endspiel Männer: SV Sillenbuch – TSV Weilimdorf II (18.30 Uhr)

Schade, dass Beamen in der Realität noch nicht erfunden ist und man sich auch nicht zweiteilen kann. Dies würde die Dinge für alle Weilimdorfer deutlich einfacher machen. So jedoch ergibt sich für die Nord-Stuttgarter ein Problem, um nicht zu sagen Ärgernis. Da erreicht der Verein gleich zwei Endspiele. Und was passiert? Beide finden am selben Abend gleichzeitig statt, dummerweise an zwei verschiedenen Orten. Wer es mit den Rot-Weißen hält, der wird sich an diesem Donnerstag folglich entscheiden müssen: Scharrena oder Fleinsbachstadion. Futsal oder Fußball. Im einen Fall kämpfen die eigenen Kicker um den deutschen Meistertitel (19 Uhr gegen VfL 05 Hohenstein-Ernstthal), im anderen greifen sie nach dem Bezirkspokal. Und ihr sportlicher Leiter Michael Bachmann macht aus seiner Missstimmung über die Umstände keinen Hehl.

Bis zuletzt hat Bachmann versucht, die Terminkollision zu verhindern – ohne Erfolg. Eine Futsal-Verlegung aufs Wochenende scheiterte am dann stattfindenden Stuttgart-Lauf. Und die Idee, dafür in Bernhausen die Anstoßzeit des Männerfinales mit jenem der Frauen zu tauschen? Da holte er sich vom Bezirk eine Absage ein. „Unverständlicherweise“ aus Bachmanns Sicht. Er moniert einen Mangel an Kooperation. Seine Kritik: „Der Veranstalter schaut nicht danach, was für die qualifizierten Mannschaften am besten passt, sondern nur, wie es für die Kasse am besten funktioniert.“

Dass Letzteres, die Finanzen, beim Nein zumindest mit eine Rolle gespielt hat, bestätigt der Bezirksspielleiter Ulrich Probst demgegenüber indirekt – freilich ohne darin Verwerfliches zu sehen. Dass ein Ausrichter wie der TSV Bernhausen ob des von ihm betriebenen Aufwands auch ein paar Euro einnehmen will, versteht sich für ihn von selbst. „Wir haben die Weilimdorfer Anfrage intensiv diskutiert. Aber organisatorisch und im Hinblick auf die Zuschauerzahlen wäre das schwierig geworden“, sagt Probst. Allemal gefürchtet hätten er und die Seinen um die Statik und Dramaturgie ihres Veranstaltungstags. Der geplante Höhepunkt schon am frühen Nachmittag statt am Schluss? Eben dazu kommt es nun nicht. Zu einem zweiten Zündstoffthema hingegen womöglich schon, was die Beteiligten des TSV Weilimdorf aber schulterzuckend in Kauf nehmen.

Schon in den vorherigen Runden sahen sie sich mit Vorwürfen der Konkurrenz konfrontiert. Stichwort Wettbewerbsverzerrung. Denn erreicht haben die Kicker von der Giebelstraße ihren favoritensturzgepflasterten Vormarsch bis ins jetzige Finale mit Hilfe zusätzlicher PS: Verstärkungen holten sie sich jeweils aus ihrer ersten Mannschaft. Jedoch, der für Bachmann entscheidende Punkt: alles regelkonform. Die Statuten, wenn auch im komplizierten Konstrukt, geben es entsprechend her. „Für uns“, sagt Bachmann, „war es stets auch eine Möglichkeit, Spielern, die bei der Ersten nicht so oft zum Zug kommen, als Lohn für ihren Trainingseifer Einsatzzeit zu geben."

Heißer Einsatzkandidat: der Weilimdorfer Verbandsliga-Routinier Tamer-Harun Fara. Foto: Günter Bergmann

Klar ist: auch diesmal werden die Weilimdorfer diese personelle Möglichkeit ausschöpfen. Warum sollte es just im letzten wichtigsten Spiel des Pokaljahrs anders sein? Angekündigt ist aus dem Verbandsliga-Team etwa dessen Torjäger Daniel Baierle. Als weitere heiße Einsatzkandidaten gelten der Keeper Matej Barisic, Maximilian Wojcik, Riccardo Scarcelli und der Routinier Tamer-Harun Fara. Und ebenso sicher ist, wer damit im eigentlichen Außenseiterduell die Favoritenrolle hat.

Kein Bezirksligist im Endspiel! Nein, dafür ein Tabellenzehnter und ein Tabellenachter aus der Kreisliga A – wer hätte es ursprünglich gedacht? Für beide, im Punktspielalltag in verschiedenen Staffeln unterwegs, ergibt sich nun die Chance zum unverhofften Saisontriumph. Und zugleich dürfen zwei sich gegenüberstehende Trainer auf ein tolles Abschiedsgeschenk spekulieren. Während in Weilimdorf der letztjährige Aufstiegscoach Jürgen Zeyer nach dieser Runde auf eigenen Wunsch aufhört, endet beim SV Sillenbuch eine Ära – in diesem Fall für den Coach unfreiwillig. Zvonimir Topalusic hätte nach neun Jahren am Spitalwald gern die zehn voll gemacht, doch bevorzugt die neue Abteilungsleitung um Fabio Di Cerbo überhaupt einen Neuanfang.

Einstweilen ist sich der Co-Trainer und Sillenbucher Pressesprecher Nico Hering bewusst, „dass da eine sehr schwere Aufgabe auf uns zukommt“. Für diese Einschätzung müsse man kein Experte sein. Doch ändert dies nichts an den eigenen Absichten. Jene lauten hüben wir drüben: her mit dem Pott! „Wir wollen das Ding gewinnen.“

Hering und seine Vereinskollegen werden es allesamt live vor Ort verfolgen. Und die Weilimdorfer? Schimpfen, Zähneknirschen, Augenrollen – es hilft ja alles nichts. Zumindest der Sportchef Bachmann hat für sich bereits entschieden: Sein Fahrtweg wird nach Cannstatt führen, sind seine Söhne doch Futsaler. Wo am Ende im Fall der Fälle die gemeinsame Feier der Nord-Stuttgarter Titelaspiranten steigen würde, das ist dann noch einmal eine andere Frage.

Endspiel Frauen: VfB Obertürkheim – Sportvg Feuerbach (13.45 Uhr)

Mit einem Blick in die Vergangenheit müsste die Frage nach dem wahrscheinlichen Gewinner bei den Frauen eigentlich einfach zu beantworten sein. Die Sportvg Feuerbach, wer sonst? Sechsmal in Serie haben die „Talkrabben“ den Pott geholt. Nun kann die Serie auf sieben ausgebaut werden. Gegner ist dieses Mal der VfB Obertürkheim um den Trainer Valon Kica. Beide Teams wollen sich nicht nur den Pokal schnappen, sondern streben auch nach dem Double. In der Staffel 2 der Regionenliga sind die Pokalfinalisten nämlich auch die heißesten Anwärter auf die Meisterschaft. Punktgleich stehen sie an der Spitze. Durch den 13:0-Sieg am vergangenen Spieltag gegen den FSV Waldebene Stuttgart-Ost II haben die Feuerbacherinnen um ihren Trainer Axel Süßlin die Nase um drei Tore vorn. Im bisherigen einzigen direkten Duell dieser Runde unterlagen sie allerdings mit 1:4.

Ligabegegnung zwei findet am letzten Spieltag, 7. Juni, statt – nach dem Pokalfinale am Donnerstag dann womöglich das nächste Endspiel zwischen den beiden. Für dessen Verlierer bleibt die Chance über die Relegation.

Endspiele Junioren

C-Jugend: VfL Sindelfingen – Spvgg Cannstatt (10 Uhr).

B-Jugend: Spvgg Holzgerlingen – FV Germania Degerloch (11.45 Uhr).

A-Jugend: TSV Bernhausen – FV Germania Degerloch (16 Uhr).