Selbst bestimmter Ausstieg: Jörg Elser ist nach fünfjähriger Amtszeit nicht mehr Trainer der Spvgg Möhringen. Foto: Yavuz Dural

Die Nachbetrachtung zum zehnten Spieltag mit Fokus auf die Filderteams.

Filder - Paukenschlag in der Stuttgarter Fußball-Bezirksliga. Fast genau fünf Jahre nach seinem Amtsantritt bei der Spvgg Möhringen hat Jörg Elser am Montag sein Amt als Trainer zur Verfügung gestellt. „Ich denke, ein neuer Impuls tut gut“, sagt der 59-Jährige. Zuvor war seine Mannschaft mit einer weiteren Niederlage auf einen Abstiegsplatz gerutscht. Derweil dürfen sich die Kicker des SV Bonlanden und des TSV Plattenhardt als die großen Gewinner des Spieltags fühlen. Da das bisherige Führungstrio geschlossen Punkte abgegeben hat, sind die beiden Filderstädter Clubs mit ihren Erfolgen dick im Rennen um die vordersten Tabellenplätze dabei. Jubel auch beim Aufsteiger TSV Rohr – jener fuhr seinen fünften Saisonsieg ein und steht damit weiter in der oberen Hälfte des Klassements.

    

VfB Obertürkheim – Spvgg Möhringen

Auf die Dauer mochte er sich das einfach nicht mehr leisten: eine schlaflose Nacht nach der anderen. „Das geht an die Substanz“, sagt Jörg Elser. Auch nach dem aktuellen Spieltag habe er kaum ein Auge zugetan. Gegrübelt hat der 59-Jährige aber weniger über die 3:6-Niederlage der Spvgg Möhringen beim VfB Obertürkheim, sondern über seine Zukunft als Trainer beim Filderclub. Das Ergebnis: eine solche gibt es nicht mehr für ihn. Am Montagvormittag hat Elser den Abteilungsverantwortlichen seine Entscheidung mitgeteilt. „Es tut mir leid für den Verein und die Mannschaft“, sagt der Coach, der an der Hechinger Straße seit November 2011 im Amt war. Es waren Jahre, die stets einem Ritt auf der Rasierklinge glichen. Abstiegskampf in Serie. Auch jetzt stecken die Möhringer wieder mittendrin. Durch das Ergebnis vom Sonntag sind die auf einen Direktabstiegsplatz gerutscht.

„Kein Druckmittel gehabt“

Zwar ist Elser nach wie vor überzeugt, dass er großen Rückhalt in der Mannschaft hat, „aber vielleicht tut ein neuer Impuls ja gut“, sagt er. Noch sei viel Zeit, etwas zu bewegen. Dass er gefrustet ist, ist nicht zu überhören. Nachkarten und schmutzige Wäsche waschen, das betont er, will er aber nicht. Der Verein sei ein guter, und bei den Spielern handle es sich um gute Jungs. Einziges Problem: zu oft sei deren persönliche Planung nicht kompatibel mit dem Fußball gewesen. Und bei einem Verein wie der Spvgg Möhringen, bei dem die Spieler für umme die Kickstiefel schnüren, „hast du eben auch kein Druckmittel“, sagt Elser. Keine Begegnung in der laufenden Saison, in der er seine Startelf nicht auf mehreren Positionen umbauen musste. In der Woche zuvor, beim 1:2 gegen die Spvgg Cannstatt, hatte ihm gar ein halbes Dutzend privat verhinderter Stammkräfte gefehlt. „Ich habe wirklich immer alles probiert und ausgereizt, nichts hat gegriffen“, sagt Elser. Jetzt scheint auch der Erfahrene mit seinem Latein am Ende.

Wer beim Tabellen-14. am nächsten Sonntag im Heimspiel gegen den TSV Plattenhardt stattdessen auf der Bank sitzen wird, ist noch offen. Die Führungsspitze mit Anel Agovic, Peter und Thomas Kohler, Roland Strobel sowie dem für die Finanzen zuständigen Dieter Roth wollte sich am Montagabend zusammensetzen und die neue Situation erörtern. Einstweilen nur so viel: „Der Rücktritt kam schon plötzlich“, sagt Roth.

FC Stuttgart-Cannstatt – SV Bonlanden

Vermutlich hat Klaus Kämmerer am Sonntag ein paar graue Haare mehr bekommen – auch wenn es letztlich einen 2:0-Erfolg seines SV Bonlanden beim FC Stuttgart-Cannstatt zu verbuchen gab. Gut im Griff hatten die Seinen den Gegner in den ersten 45 Minuten. Jedoch: mit dem Toreschießen wollte es abermals nicht klappen. So traf Ronald Ried per Kopf nur den Pfosten, und Nico Presthofer jagte den Ball frei stehend vor dem Torwart in den Himmel. „Wir hätten schon zur Pause locker mit 2:0 führen können“, sagt Kämmerer. Stattdessen stand ein torloses Remis, das den Gegner mutiger werden ließ. Die Cannstatter suchten ihr Heil auf dem kleinen Kunstrasenplatz in weit geschlagenen Bällen und setzten den Favoriten nach dem Seitenwechsel ,erheblich unter Druck.

Umso größer die Bonlandener Erleichterung, als Julian Schwarz nach 71 Minuten auf sehenswerte Weise der erste Treffer der Begegnung gelang. Nach einem maßgenauen Pass von Felix Böse netzte der Routinier mit der Hacke ein – ehe der eingewechselte Rüchan Pehlivan in der Nachspielzeit bei einem Konter alles klar machte.

Muskelfaserriss bei Stannull?

Mit diesem dritten Sieg in Serie haben sich die Filderstädter auf den dritten Tabellenplatz verbessert und sind nun punktgleich mit dem Zweiten Türkspor Stuttgart. Ein Wermutstropfen: Marcel Stannull, der erneut mit Presthofer das Angriffsduo bildete, musste bereits nach zehn Minuten ausgewechselt werden. Es besteht der Verdacht auf einen Muskelfaserriss. Er wird im Pokalspiel an diesem Dienstag gegen den MTV Stuttgart ebenso fehlen wie der studienhalber verhinderte Böse. Ein Fragezeichen steht noch hinter Presthofer, den Kämmerer wegen Adduktorenproblemen vorsorglich vom Platz nahm.

        

TSV Plattenhardt – SSV Zuffenhausen

Am Ende ging auch an den Konkurrenten ein Lob. „Das war nicht unser schwächster Gegner“, sagt der Trainer Sascha Krammer nach dem 3:2-Heimsieg seines TSV Plattenhardt gegen das Ligaschlusslicht aus Zuffenhausen. Das Spiel gegen die Nord-Stuttgarter um deren neuen Coach Emrah Uyar sei deutlich schwieriger gewesen als erwartet. „Die waren von der ersten bis zur letzten Minute aggressiv und haben uns ständig unter Druck gesetzt“, sagt Krammer. Den vermeintlichen Kräfteunterschied gab es nur auf dem Papier. Für die Erlösung des Favoriten sorgte schließlich erst Krammers Trainerpartner Paulo Bayrak. Er traf nur vier Minuten nach seiner Einwechslung zum letztlichen Erfolg. Zuvor war das 0:1 der Gäste aus stark abseitsverdächtiger Position gefallen – und ihr zwischenzeitliches 2:2 ein 20-Meter-Knaller der Marke Tor des Monats gewesen. „In der Schlussphase hatten wir den Gegner dann aber komplett im Griff“, sagt Krammer, der mit der Doppeleinwechslung von Philipp Mantilla Mayans und Bayrak auf drei Spitzen umstellte und damit ein glückliches Händchen bewies.

Im Pokalspiel ohne vier

Durch den Sieg haben die Plattenhardter ihre Erfolgsserie auf acht Begegnungen ohne Niederlage (zwei davon im Pokal) ausgebaut. Ob der Lauf auch an diesem Dienstag im Cup-Achtelfinalspiel beim Liga-Spitzenreiter NAFI Stuttgart hält? In Alperen Albayrak, Denis Antonov, Daniel Siegler (alle beruflich verhindert) und Denis Kroer (Zerrung) müssen Krammer und Bayrak gleich vier Stammkräfte ersetzen.

     

TSV Rohr – Sportvg Feuerbach

Beim TSV Rohr könnte die Stimmung nach dem 5:3-Sieg gegen den Tabellennachbarn Sportvg Feuerbach nicht besser sein. Nun zehn Punkte beträgt der Vorsprung des Aufsteigers zum ersten Direktabstiegsplatz. „Das ist sensationell“, sagt der Co-Trainer Panagiotis Andreadis. Zumal der aktuelle Erfolg deutlicher war, als es das Ergebnis vermuten lässt. „Wir haben den Gegner 80 Minuten dominiert“, sagt Andreadis. Schon nach einer guten halben Stunde führten die Seinen mit 3:0. Und als dann der Gegner noch einmal bis auf ein Tor herankam, bewies der Trainer Moudachirou Amadou mit der Einwechslung von Ömür Karatas ein goldenes Händchen. Der Offensivmann, der erst kurz vor Spielbeginn von einer Hochzeit aus München erschienen war und deshalb zunächst auf der Bank saß, besorgte prompt das 4:2 und bereitete auch das 5:2 durch Ramin Sina vor. „Wir hätten danach noch zwei Tore machen können, waren aber zu verspielt“, sagt Andreadis, der neben dem zweifachen Torschützen Sina und Karatas auch Ricardo Luongo lobt. Er habe im Mittelfeld eine starke Partie gemacht.

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