Christopher Eisenhardt kehrt im Sommer zu dem Verein zurück, für den er einst in der Jugend kickte. Foto: Günter Bergmann

Der TSV Bernhausen überrascht mit der Verpflichtung von Christopher Eisenhardt. Für den Neuen schließt sich damit ein Kreis – er schluckt aber auch eine Kröte.

Bernhausen - Auf den ersten Blick war es ein eher kühner Versuch. Denn wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein ehemaliger Oberliga-Kicker, der seine Trainerkarriere bislang auf Mindestniveau Landesliga betrieben hat, zu einem Verein wechselt, der seinerseits womöglich bald nur noch in den Niederungen der Kreisliga A auf Punktejagd geht? Doch fragen kostet bekanntlich nichts. Also haben die Verantwortlichen des TSV Bernhausen einfach einmal angeklopft – und inzwischen steht das Resultat. Es ist eines, das am Fleinsbach in ansonsten eher tristen Zeiten ins Fäustchen lachen lässt: Der Umworbene hat tatsächlich Ja gesagt. Christopher Eisenhardt wird zur nächsten Saison Trainer beim derzeitigen Tabellenletzten der Bezirksliga.

Mit der Verpflichtung des Noch-Coachs des TV Echterdingen setzen die Bernhausener ihre personellen Renovierungsarbeiten abseits des Rasens fort. Erst in Marcel Fenske ein neuer Abteilungsleiter, dann in Eugen Uhl und Joachim Epple zwei neue Spielleiter, nun also auch ein neuer Trainer, der im Juli die Nachfolge des momentan tätigen Interimsgespanns Konstantinos Kalantidis/Serdar Kurt antreten wird. Letzterer fungiert künftig wieder als Co-Trainer und bleibt zudem als Torhüter erhalten.

„Eine absolute Chance für uns“

„Toll, dass das geklappt hat. Das bedeutet für uns eine absolute Chance, etwas aufzubauen“, sagt Fenske. In Eisenhardt sei „ein Topmann“ gefunden, unter dessen Ägide die Kurve wieder nach oben gehen soll, auch kurz-, mehr aber noch mittel- und langfristig. Zwar haben beide Seiten fürs Erste nur einen Ein-Jahres-Vertrag abgeschlossen. Doch Eisenhardt spricht von „etwas, das auch eine längere Geschichte werden könnte“ – freilich im Wissen, dass es mit derartigen Prognosen im schnelllebigen Fußballgeschäft so eine Sache ist.

Für den 36-Jährigen selbst schließt sich mit dem Engagement ein Kreis. Kennt man weitere Eckdaten aus seiner Vita, kommt die jetzige Entwicklung nicht mehr ganz so überraschend. Eisenhardt ist in Filderstadt geboren, hat gut 20 Jahre lang in Bernhausen gelebt, inzwischen in Sielmingen – und es handelt sich bei den „Veilchen“ nicht zuletzt um seinen Ex-Verein. Als Jugendlicher schnürte er dort seine Kickstiefel. Die Bande sind seither schon allein deshalb nicht gerissen, weil in Manuel Justus ein Eisenhardt-Kumpel bereits aus Kindertagen Vorstandsmitglied beim Filder­club ist. So auch entstand der aktuelle Kontakt. Für Eisenhardt war nach eigener Aussage schnell klar: „Ein gutes Konzept, eine interessante Perspektive.“ Insgesamt habe das Angebot für ihn „wie die Faust aufs Auge gepasst“.

Zusage auch für die Kreisliga A

Einzige Ausnahme vielleicht: eben die Spielklasse. Bezirksliga oder gar Kreisliga A wie gesagt. „Das“. räumt Eisenhardt ein, „ist ein kleiner Rückschritt für mich.“ Doch ist er bereit, diese Kröte zu schlucken. Ihr sportliches Schicksal haben die Bernhausener in dieser Saison wohl nicht mehr in den eigenen Händen. Stichwort Corona. Seit Mitte März ruht der Ball. Als wahrscheinlich gilt mittlerweile ein Abbruch der Runde. Und dann ist die Frage, wie der Württembergische Fußball-Verband verfährt. Zählen die momentanen Tabellenstände? Gibt es Absteiger? Falls ja, wäre der TSV Bernhausen dabei. Nach einem bisher völlig verkorksten Spieljahr trennen dessen Mannschaft bereits neun Punkte vom Relegationsplatz. Mit Entscheidungen von Verbandsseite ist Ende dieser Woche zu rechnen.

Eisenhardt, von Beruf Teiledienstleiter in einem Autohaus, ist bislang höhere Stationen gewohnt. Als Abwehrrecke hielt er für den VfL Kirchheim einst in der Oberliga die Knochen hin. Als Trainer arbeitete der zweifache Familienvater jeweils in der Landesliga für den TSV Weilheim (2016 bis 2018) sowie den erwähnten TV Echterdingen (2018 bis heute). Dass er in den Goldäckern im Sommer aufhören wird, steht seit ein paar Wochen fest. Der Grund: interne Meinungsverschiedenheiten mit dem sportlichen Leiter Valentin Haug. An allen seinen Wirkungsstätten legte Eisenhardt großen Wert auf die gleichen Attribute: Teamgeist, Teamplay, Einsatzwillen und Identifikation mit dem Verein.

Schlechte Kunde für einen Ex-Spieler?

Diese dürften fortan folglich auch im Bernhausener Anforderungskatalog weit vorne stehen – und auch bei der Kaderplanung eine gewichtige Rolle spielen. Jene soll nun der nächste Schritt sein. Fenskes Vorgabe lautet: „Wieder mehr auf die eigene Jugend setzen.“ Eisenhardt erwartet darüber hinaus „einen gewissen Umbruch mit Verstärkungen von außerhalb“. Zwei Akteure des momentanen Aufgebots kennt er schon aus Echterdingen: Onur Aycil und Nils Schaller. Der eine, Aycil, galt dort als Eisenhardts Wunschspieler. Das sollte also passen.

Und der andere, Schaller? Nun, der dürfte sich beim Thema etwas schwerer tun. Um nicht zu sagen, dass ihm, ganz im Gegensatz zu den Bernhausener Verantwortlichen, das Lachen vermutlich gerade vergangen ist. Dass der Angreifer im vergangenen Jahr in Echterdingen seinen Abschied nahm, lag vor allem an einem: Eisenhardt, unter dem er vom langjährigen Leistungsträger zum Reservisten abrutschte. Nun holt Schaller die Vergangenheit ein.

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