Trotz Dreierpack von ihm noch nicht am Ziel: Manuel Klopfer und der Spvgg Möhringen fehlt zum endgültigen Klassenverbleib noch ein Punkt. Foto: Günter Bergmann

Die Nachbetrachtung zum 29. Spieltag mit Fokus auf die Filderteams.

Filder - Da waren es nur noch zwei: NAFI Stuttgart und SV Bonlanden. Zwischen diesen beiden Mannschaften fällt am Pfingstsamstag im Fernduell die Entscheidung, wer in der Stuttgarter Fußball-Bezirksliga als Meister direkt aufsteigt und wer als Vizemeister in die Relegation geht. Der Dritte im bisherigen Dreikampf an der Spitze, Türkspor Stuttgart, hat sich am aktuellen Spieltag aus dem Rennen verabschiedet. Ebenso weiter offen ist, welches Team in die Abstiegsrelegation muss. In diesem Fall gilt: ein Wackelplatz, vier Kandidaten – darunter trotz erneutem Sieg auch nach wie vor die Spvgg Möhringen.

SV Bonlanden – FC Stuttgart-Cannstatt

Wohl dem, der in dieser Saison nicht mehr gegen sie spielen muss. Denn die Kicker des SV Bonlanden haben weiter einen Lauf. Flapsiger formuliert: sie schießen gerade alles zu Kleinholz, was ihnen vor die Flinte kommt. Vor Wochenfrist ein 8:0 gegen Feuerbach, nun gar ein 9:0 gegen den Tabellenletzten FC Stuttgart-Cannstatt – jenes war der sechste Sieg in Serie bei insgesamt 33:3 Toren. Und trotzdem: die große Freude mag an der Humboldtstraße nicht aufkommen. An einem ärgerlichen Umstand hat sich nämlich bei aller Trefferlaune nichts geändert: Im Klassement ist da nach wie vor dieser verflixte eine Punkt, der gegenüber dem Spitzenreiter NAFI Stuttgart fehlt. Am Sonntag ist die Wahrscheinlichkeit erneut gestiegen, dass der ursprüngliche Titelfavorit eben nur als knapp geschlagener Zweiter über die Ziellinie gehen wird. Heißt: nachsitzen, Verlängerung der Saison – Relegation.

Zumindest die dafür nötige Vizemeisterschaft haben die Bonlandener inzwischen sicher, nachdem sich ihr Verfolger Türkspor eine 2:6-Schlappe gegen den MTV Stuttgart geleistet hat. „Jetzt haben wir keinen Druck von hinten mehr und schauen einfach mal, was am letzten Spieltag passiert“, sagt der Trainer Klaus Kämmerer. Während die Seinen zum Rundenschluss in vier Tagen in Rohr zu Gast sein werden, tritt ihr Rivale NAFI in Obertürkheim an – mithin ebenfalls bei einem Gegner, für den es selbst um nichts mehr geht. Dass am Ende womöglich eine Gesamtbilanz von 72 Zählern nicht zum Direktaufstieg reicht? „Wahnsinn“ nennt Kämmerer dies, wollte mit seiner Mannschaft dann aber eben für die Zusatzschicht im Kampfmodus bleiben. Diese begänne für die Filderstädter wie berichtet bereits am Mittwoch nächster Woche an einem noch zu benennenden Ort im Bezirk Donau/Iller, voraussichtlich gegen die Regionalliga-Reserve des SSV Ulm.

Vor diesem Hintergrund ist denn auch Kämmerers aktuelles Personalpuzzle zu sehen. Vier Treffer erzielten die Schwarz-Weißen schon in der ersten Hälfte, viermal jubelte Nico Presthofer. Kämmerers „Lohn“? Er nahm seinen Topangreifer nach 45 Minuten früh vom Feld – und brachte ihn so „um einen möglichen Torrekord“, wie er weiß. Doch die Vernunft setzte sich durch. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, erläutert der Coach. Ein Schritt unter der Devise „Kräfte sparen“, schließlich folgen ja wie gesagt vermutlich noch wichtigere Aufgaben. Presthofer selbst stimmte nickend zu. Zumal: die Torschützenkanone der Filder-Zeitung dürfte ihm bei nun fünf Treffern Vorsprung auf den Rohrer Ramin Sina auch so sicher sein.

Meha-Wechsel perfekt

Zur nächsten Saison kündigt sich für den 28-Jährigen derweil eine hausinterne Konkurrenz an. Der Wechsel Feriz Mehas von Türkspor nach Bonlanden ist mittlerweile fix. Schützenkönig kann demnächst also zusammen mit Schützenkönig stürmen – Meha war in der Staffel bereits zweimal der treffsicherste Akteur (2004/05 für Rohr, 2013/14 für Calcio). „Er ist ein Knipser mit Erfahrung. Es freut uns, dass er zu uns kommt“, sagt Kämmerer. Erledigt hat sich dagegen die Personalie Ömür Karatas (bisher ebenfalls Türkspor). Ob des aufgekommenen Transferhickhacks mit dem TSV Rohr um den Offensivmann haben die Filderstädter dem Spieler nun von sich aus abgesagt.

In drei anderen Fällen bemühen sie sich weiter: Fabio Andretti (TSV Rohr), Nektarios Malamidis (Türkspor, allerdings inzwischen auch vom KTSV Hößlinswart und TSV Schornbach umworben) – und Markus Großhans. Letzterer, schon von 2014 bis 2016 in Bonlanden, könnte vom VfL Kirchheim zurückkehren.

Spvgg Möhringen – VfB Obertürkheim

Unterdessen durchlebte die Spvgg Möhringen ein Wechselbad der Gefühle. So groß die Freude über den eigenen wichtigen 3:1-Heimsieg gegen den VfB Obertürkheim, so groß auch die anschließende Ernüchterung ob der anderen Resultate. Obwohl die Mannschaft unter dem zur Winterpause eingestiegenen Trainer Karl-Heinz Fuhrmann mittlerweile das sechstbeste Rückrundenteam ist, ist der Klassenverbleib noch immer nicht unter Dach und Fach. Um endgültig auf der sicheren Seite zu sein, fehlt am letzten Spieltag in Plattenhardt noch ein Punkt. Einstweilen hat vor allem der Sillenbucher Erfolg gegen Croatia Stuttgart einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Jetzt müssen wir halt eine weitere Woche lang Vollgas geben“, sagt Fuhrmann, der den Seinen aktuell „eine tolle Performance“ attestiert.

Zuvorderst einem. Manuel Klopfer erzielte alle drei Möhringer Treffer. Dreimal wartete er nach klugen Zuspielen seiner Teamkollegen als kühler Vollstrecker auf. Dank somit auch an die Vorarbeiter Manuel Lan, Nils Große Scharmann und Matthias Rätzke. Doch nicht nur ob dieser Statistik sah Fuhrmann in Klopfer „den überragenden Mann“. „Er ist auch unheimlich viel gelaufen“, lobt er. Und das bei diesen Temperaturen, die den Rasen an der Hechinger Straße zum Backofen machten. Freilich: dass zwei andere Leistungsträger deswegen auf ihr Mitwirken verzichteten, ist nur ein Gerücht. Der wahre Grund: Marvin Kuhn weilte mit Kumpels auf einem Junggesellenabschied in Prag, und der Torjäger Bastian Malchow lag krank im Bett.

SSV Zuffenhausen – TSV Plattenhardt

Nur noch um die viel zitierte „goldene Ananas“ geht es hingegen für die anderen Filderteams. Das heißt: für den TSV Plattenhardt immerhin noch um den vierten Platz, in dem die Trainer Sascha Krammer und Paulo Bayrak ein gutes Abschlussergebnis sähen. Das Problem jedoch ist, dass am Sonntag gleich zwei Serien hielten. Erstens: jene seltsame, dass ein jedes Mal, wenn der aktuelle Vierte Stammheim patzt und somit die Chance zum Überholen da wäre, auch das eigene Team stolpert. Zweitens: dass jenes eigene Team seit Monaten auf gegnerischen Plätzen keinen Fuß auf den Boden bekommt. Diesmal wäre es selbst beim bereits als Absteiger feststehenden SSV Zuffenhausen beinahe krachend schief gegangen. Bei einem 0:3-Pausenrückstand schienen die Weilerhau-Kicker bereits in die siebte Niederlage ihrer vergangenen acht Auswärtsspiele zu taumeln – ehe 30 passable Minuten wenigstens noch für ein 4:4-Remis reichten.

„Man muss eingestehen: wir haben über weite Strecken desolat gespielt“, sagt Krammer, „80 Prozent Fehlpässe.“ Bei allen Gegentreffern ließen sich die Seinen auskontern. Die wenigen Lichtblicke? Sie hießen Dennis Rößner, Dorian Kapaun und Marvin Jauch. Der eine brachte nach seiner Einwechslung frischen Wind. Der andere, der mit seinen 19 Jahren eine Bewährungschance im Tor erhielt, verhinderte einen zwischendurch noch höheren Rückstand. Und Jauch? Den hatte Krammer in der Personalnot zum Aushilfscomeback überredet. Inwieweit er seine Zusage nach diesem Spiel bereut hat, ist nicht bekannt.

Sportvg Feuerbach – TSV Rohr

Bleibt der TSV Rohr. Der Aufsteiger musste sich in Feuerbach mit einem 2:2-Unentschieden begnügen – nachdem er durch seinen Torjäger Ramin Sina sowie den eingewechselten Pedram Khoshdani zweimal geführt hatte. Beide staubten aus zentraler Strafraumposition ab. Den Auswärtserfolg kostete schließlich ein vom Torhüter Henri Dieterle verursachter Elfmeter.

Hinter den Kulissen klingt es unterdessen gut, dass der von den Rohrern zuletzt voreilig bereits als Rückkehrer verkündete Angreifer Ömür Karatas nun definitiv nicht zum Mitbewerber SV Bonlanden wechselt – gut allerdings nur auf den ersten Blick. Denn von wegen damit freie Bahn. An die Dürrlewangstraße zieht es den 25-Jährigen, wenn die Anzeichen nicht trügen, ebenfalls nicht. Das Motto könnte stattdessen lauten: wenn zwei sich streiten. lacht ein Dritter – in diesem Fall Karatas’ aktueller Verein Türkspor Stuttgart. Beide Seiten wollen sich in dieser Woche noch einmal zusammensetzen und überlegen, ob es nicht doch eine viel einfachere Lösung gibt. Diese hieße: der Kandidat macht schlicht dort weiter, wo er bislang ist. In diesem Fall viel Wirbel um nichts.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: