Nach einem Neun-Tore-Spektakel im Spiel gegen seinen Ex-Verein will es der Büsnauer Trainer wissen. Derweil fliegt in Botnang der Torjäger ein und sind in Cannstatt vier Zugänge fix.
Da waren es nur noch drei. Zwei Spieltage vor Rundenschluss hat sich das Aufstiegsrennen in der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen auf einen Dreikampf reduziert. ASV Botnang, SV Deckenpfronn oder TSV Jahn Büsnau? Das ist die für den Saisonendspurt verbleibende Frage. Einer aus dem Trio wird als Meister in die Landesliga aufsteigen. Einer wird die Chance erhalten, über die Relegation nachzuziehen. Und einer wird leer ausgehen. Einstweilen, an diesem Pfingstwochenende, haben die Büsnauer in der Staffel das dickste Ausrufezeichen gesetzt. In einem 5:4-Offensivspektakel beendete der ursprünglich krasse Außenseiter die Träume seines großen Nachbarn SV Vaihingen.
TSV Jahn Büsnau – SV Vaihingen
Neun Tore, zwei Elfmeter, ein Platzverweis. Was für ein Derby am Adolf-Engster-Weg! Danach erst einmal hinsetzen und tief Luft holen. Einerseits „ein geiles Spiel, unfassbar unterhaltsam für die Zuschauer“, findet Dominik Lenhardt, der Coach des Gewinners TSV Jahn Büsnau. Andererseits: „Nichts für Trainernerven an der Seitenlinie.“ Noch ein paar solche Wochenenden, und es wird Zeit für einen Reha-Aufenthalt.
Mit dem Sieg hat der Klassenneuling seine Chancen auf eine der größten Sensationen der Stuttgarter Amateurfußball-Geschichte gewahrt. Die Hoffnung auf den Durchmarsch von der Kreis- in die Landesliga lebt. Und Teil eins einer mutigen Lenhardt’schen Prognose ist erfüllt. Jene hatte vor der jetzigen Begegnung gelautet: „Gewinnen wir unsere drei letzten Spiele, werden wir am Ende auf dem Relegationsplatz stehen.“ Was freilich nur möglich sein wird, wenn gleichzeitig die Konkurrenz die „passenden“ Ergebnisse liefert. Einkalkuliert ist in dieser Rechnung, dass sich die beiden Rivalen aus Deckenpfronn und Botnang beim Saisonfinale am 7. Juni ja auch noch im direkten Duell gegenüberstehen.
Klar ist bereits, dass der Vizemeister in der ersten Runde eben der Relegation auf den Qualifikanten der Landesliga treffen wird. Dies wäre am 13. Juni nach jetzigem Stand der TV Echterdingen.
Aktuell kam für Lenhardt noch eine spezielle persönliche Komponente hinzu: Beim Gegner SV Vaihingen handelte es sich um seinen Stammverein. Von den Bambini bis zu den Aktiven hat er 16 Jahre lang am Schwarzbach gekickt. „Für mich nach wie vor ein toller Club. Einer, der meiner Meinung nach eigentlich eine Liga höher gehört“, sagt Lenhardt. Doch dieses Thema hat nun just er mit den Seinen für die alten Kollegen beendet. Klein düpierte Groß, wenn man es an Strukturen und Umfeld misst. Und vor allem einer erwischte einen Sahnetag.
Marc Hetzel netzte dreifach ein, zuletzt nach einem Sprint über den halben Platz, bei dem er den Ball mit der Hacke an seinem Gegenspieler vorbei legte und die Kugel anschließend in den Winkel schweißte. Für seinen Trainer war es eine Bestätigung: „Wenn er fit ist, ist er für mich der mit Abstand beste Spieler der Liga.“ Und wenn der 27-Jährige sich wie derzeit eigentlich mit Knieproblemen quält, reicht es immer noch für Glanzmomente.
Dass Hetzel obendrein einen Elfmeter verschoss? Und dass die Büsnauer nach Gelb-Rot für Marco Bischoff gut 40 Minuten lang in Unterzahl waren? Letztlich egal. In einem streckenweise wilden Schlagabtausch setzten sie sich dennoch durch – dies wiederum sehr zur Enttäuschung von Tim Schumann auf dem gegnerischen Trainerstuhl. „Unglücklich. Hätten wir gewonnen, wäre vorne in der Tabelle noch einmal Dynamik reingekommen. So ist unser Traum leider vollends gestorben“, bilanziert er. Selbst zwei Toredoppelschläge seiner Dauerknipser Tyron Ferrari (nun 20 Saisontore) und Maximilian Eisentraut (nun 19 Saisontore) waren nicht genug.
Ohnmächtig zuschauen musste Schumann schließlich, wie seine Mannschaft mehrere dicke Chancen zumindest noch zum Ausgleich vergab. Bei der besten von Marcel Kousol kratzte der Büsnauer Johannes Schneider den Ball von der Torlinie.
Croatia Stuttgart – ASV Botnang
Erster ist nun wieder der ASV Botnang. Allerdings kann der SV Deckenpfronn in seinem auf diesen Dienstagabend verlegten Heimspiel gegen den VfL Herrenberg noch nachlegen. Mit einem Sieg würden die Kicker aus dem Landkreis Böblingen ihrerseits zurück auf den Tabellengipfel klettern.
Die Botnanger selbst erfüllten ihre Pfingstpflicht mit einem 5:3 beim bereits als Absteiger feststehenden Vorletzten Croatia Stuttgart. Oder, um es mit dem Trainer Alexander Schweizer zu sagen: „B-Aufgebot hat sich gegen B-Aufgebot behauptet.“In einem Duell zweier stark ersatzgeschwächter Teams fehlten den Gästen unter anderem die Rot- respektive Gelb-Rot-Sünder Rick Hachenbruch (zwei Spiele Sperre), Marouan Abarriche und Louis Steinbach. Die beiden Letztgenannten werden nun aber am nächsten Spieltag wieder zur Verfügung stehen, ebenso der aktuell noch im Amerika-Urlaub weilende Torjäger Edison Qenaj. Entsprechend gut gelaunt blickt Schweizer auf das, was kommt. Volle Kraft voraus für die Wochen der Entscheidung. „Wir haben richtig Bock darauf und gehen das mit Vorfreude und einem breiten Grinsen an“, sagt der Coach.
Geschenkt, dass die vorherige Aufgabe am Samstag auf dem Frauenkopf nach einer 3:0-Pausenführung im zweiten Durchgang zum „lauen Sommerkick“ geriet. Auch die Temperaturen forderten ihren Tribut.
TSV Dagersheim – Spvgg Cannstatt
Unterdessen hat es die Spvgg Cannstatt verpasst, in Sachen Klassenverbleib die letzten Restzweifel vorzeitig auszuräumen. Ja, zwar bereits 40 Punkte auf dem Konto. Aber in Anbetracht von nach wie vor bis zu fünf möglichen Direktabsteigern reicht das heuer noch nicht, um durch zu sein. Im eben schlechtesten Fall wird Rang elf der Relegationsplatz sein – und zu jenem sind es für die Neckarstädter nach ihrer 0:1-Schlappe beim designierten Absteiger TSV Dagersheim lediglich vier Zähler Distanz.
Das Problem: Auch die Cannstatter waren mit einem letzten Aufgebot unterwegs. VfB-Fan-Reisende nach Berlin, Verletzte, Urlauber – „ein ganzer Strauß von Absagen“, konstatiert der Trainer Damian Nagler halb angesäuert, halb schulterzuckend. „So etwas ist schon ein bisschen enttäuschend“, sagt er, „aber was soll ich machen: Wir sind im Amateurfußball.“ Nicht bei den Profis. Zusammengebracht hat er gerade mal noch zwölf Erste-Mannschaft-Kicker. Und nur noch elf waren es, als für seinen Abwehrchef Markus Lurz wegen muskulärer Probleme schon nach 18 Spielminuten Feierabend war.
Den entscheidenden Gegentreffer kassierten die Gäste nach einem Eckball in der Nachspielzeit von Hälfte eins. Schlimmeres verhinderte danach ihr an diesem Tag bester Mann: Salim Fara, eigentlich nur Keeper des Kreisliga-Teams, wartete mit mehreren Paraden auf, „Ein tolles Debüt von ihm“, lobt Nagler, der es wissen muss. Er selbst war einst Torhüter.
Das immerhin Positive: Für die nächste Saison stehen inzwischen vier Zugänge fest. An der Hofener Straße einsteigen werden: Noah Felthaus (26, KV Plieningen, Mittelfeld), Luis Spayes (pausierte/zuletzt SV Fellbach II, Mittelfeld), Samuele Sciangula (18, Sportkultur Stuttgart, Angriff) und Noel Ghirme (17, A-Junioren SV Fellbach, Torhüter).
Weitere Spiele
Bereits am Donnerstag beziehungsweise Freitag haben der SV Bonlanden (0:0 gegen Rohrau) und der TSV Musberg (3:1 gegen Darmsheim) gespielt. Berichte siehe hier.
Noch nicht beendet war bei Fertigstellung dieses Artikels die Begegnung des TV Echterdingen II beim Schlusslicht VfL Oberjettingen.
Die Statistik zum 28. Spieltag
Spvgg Holzgerlingen – SV Nufringen 2:0. Tore: 1:0 Horn (21.), 2:0 Hamm (49.. Besonderes: –
SV Bonlanden – SV Rohrau 0:0. Tore: – . Besonderes: –
TSV Musberg – TV Darmsheim 3:1. Tore: 1:0 Pinheiro Martins (36.), 2:0 Kappeler (59.), 3:0 Pinheiro Martins (69.), 3:1 Laur (80.). Besonderes: –
TSV Jahn Büsnau – SV Vaihingen 5:4. Tore: 1:0 Wences (2.), 2:0 Hetzel (24.), 2:1 Ferrari (30.), 2:2 Eisentraut (32.), 3:2 Hetzel (37.), 3:3 Ferrari (42., Foulelfmeter), 4:3 Hetzel (48.), 5:3 Omoregie (62.), 5:4 Eisentraut (63.). Besonderes: Ulmer (Vaihingen) wehrt Foulelfmeter von Hetzel ab (28.); Gelb-Rot für Bischoff (Büsnau, 51.)
TSV Dagersheim – Spvgg Cannstatt 1:0. Tore: 1:0 Bernhardt (45.+2). Besonderes: –
Croatia Stuttgart – ASV Botnang 3:5. Tore: 0:1 Daniel Schweizer (11., Foulelfmeter), 0:2 Ceesay (15.), 0:3 Kamberi (36.), 0:4 Ilhan (46.), 1:4 Anic (67.), 1:5 Hassan (74.), 2:5 Lovro Kobasic (78.), 3:5 Lovro Kobasic (80.). Besonderes: –
VfL Oberjettingen – TV Echterdingen II. Noch nicht beendet.
SV Deckenpfronn – VfL Herrenberg verlegt. Neuer Termin: Dienstag, 26. Mai.
Restprogramm
ASV Botnang: gegen TSV Musberg (31. Mai), beim SV Deckenpfronn (7. Juni). SV Deckenpfronn: gegen VfL Herrenberg (26. Mai), beim TV Darmsheim (31. Mai), gegen ASV Botnang (7. Juni). TSV Jahn Büsnau: gegen SV Nufringen (31. Mai), bei Croatia Stuttgart (7. Juni).