Büsnaus Japhet Manuschewski zieht an Botnangs Patrick Lehmann vorbei. Foto: Rudel

Nach dem 27. Spieltag der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen gibt es einen neuen Tabellenführer, einen suspendierten Akteur und einen Trainer, der mit den VfB-Frauen feiert.

Es ist nicht gewöhnlich, dass ein Spitzenspiel hält, was es verspricht. Die Partie zwischen dem vormaligen Tabellenführer ASV Botnang und dem Drittplatzierten TSV Jahn Büsnau beinhaltete am 27. Spieltag der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen jedoch alle Zutaten, die den neutralen Zuschauer begeistert mitfiebern lassen. Spannung, Tore, Platzverweise und letztlich ein Ergebnis, das einen Dritten lachend dastehen lässt: Willkommen an der Tabellenspitze, SV Deckenpfronn.

 

Hat der ASV Botnang etwa Angst vor der eigenen Courage, wird den Akteuren allmählich bewusst, was auf dem Spiel steht, was sie erreichen können? „Mitnichten“, sagt der Botnanger Coach Alexander Schweizer. In der Vorwoche beim 1:6 gegen Vaihingen sei seine Belegschaft durchaus nervös gewesen, im Spitzenspiel gegen den TSV Jahn Büsnau keineswegs. Dieses Mal habe sein Team „brutal gearbeitet“. Vielmehr die Umstände brachten es aus Schweizers Sicht mit sich, dass nach 90 Minuten „nur“ ein 3:3 für sein Team stand, gleichbedeutend mit dem Sturz vom Tabellenthron. Denn nach dem Abpfiff schlich nur ein dezimierter Teil der Botnanger Entourage vom Platz, genauer gesagt acht Akteure. Gelb-Rot gab’s jeweils für Louis Steinbach (71. Minute) und Maroun Abarriche (81.) und glatt Rot wegen Handspiels auf der Linie für Rick Hachenbruch. Letzteres zog in der ersten Minute der Nachspielzeit zurecht einen Elfmeter nach sich, den Büsnaus Torjäger Sebastian Lehnhardt zum 3:3 verwandelte. Viele der Karten könne er unterschreiben, auch die Rote, sagt Schweizer, die erste Gelbe von Steinbach nach drei Minuten auf Höhe der Mittellinie indes nicht. „Ich weiß nicht, was der Schiedsrichter damit bezwecken wollte. Das war niemals verwarnungswürdig und schon gar nicht zu so einem frühen Zeitpunkt. Er hat aktiv auf das faire Spitzenspiel eingewirkt, denn dann war er gezwungen, Louis die zweite Karte zu geben, was uns aus dem Tritt gebracht hat.“ Gleichwohl spricht auch Büsnaus Abteilungsleiter Ralf Lehnhardt von einem „Spitzenspiel, das den Namen auch verdient hat, bei dem es zwar ordentlich zur Sache ging, aber es nie unfair war“.

Die meisten Entscheidungen seien richtig gewesen, jedoch habe sich der Unparteiische durch das frühe Kartenziehen unter Zugzwang gebracht, dann etwas die Linie verloren. Rein sportlich hatten die Gäste laut Lehnhardt zwar mehr Ballbesitz, doch über schnelle Umschaltmomente hätten die Hausherren für viel Gefahr und letztlich auch Tore gesorgt. Nach den Treffern von Steinbach und zweimal Daniel Schweizer und dem zwischenzeitlichen Ausgleich von Johannes Specht, der durch die Botnanger Reihe tanzte, drei Spieler schlecht aussehen ließ und dann einnetzte, führte der Spitzenreiter mit 3:1. „Bis dato hatten wir eine gute Leistung abgeliefert, alles im Griff“, sagt Schweizer. Der Anschlusstreffer durch Japhet Manuschewski nach 65 Minuten und Steinbachs Platzverweis plus folgende „machten es uns dann schwer, das Ergebnis über die Zeit zu bringen“. Gleichwohl erhöhten die Gäste den Druck und wurden belohnt. Sowohl Schweizer als auch Lehnhardt sind sich einig: „Wäre die Partie fünf Minuten länger gegangen, hätte der Sieger Büsnau geheißen.“ Grundsätzlich haben die West-Stuttgarter ihr Ziel erfüllt. Sie wollten gegen Büsnau nicht verlieren. „In Sachen Meisterschaft ist für uns noch alles drin“, gibt sich

Schweizer weiter kämpferisch. Einziges Problem nach den Platzverweisen: „Wir müssen schauen, dass wir nun gegen Croatia genügend Leute zusammenbekommen.“ Den Titel hat Büsnau indes abgeschrieben. „Ich denke, wir müssen uns auf die Relegation konzentrieren, zumal wir nun das schwere Spiel gegen Vaihingen vor der Brust haben“, sagt Lehnhardt.

Nutznießer des 3:3-Spitzenspiels ist der SV Deckenpfronn. Das beste Rückrundenteam der Liga hat durch den 5:3-Erfolg bei der Spvgg Cannstatt erstmals in dieser Runde die Tabellenführung übernommen. „Eine harte, aber keineswegs unfaire Truppe, die gelaufen ist wie die Ochsen“, so das Fazit von Cannstatts Coach Damian Nagler. Entscheidend für die Niederlage sei nicht die Qualität gewesen, vielmehr die Tabellensituation. „Man hat gemerkt, für Deckenpfronn geht es noch um alles, bei uns nur noch um eine bessere Platzierung. Dementsprechend waren die Gäste konsequenter und machten auch aus Halbchancen Tore.“ Immerhin, den erfolgreichsten Torschützen hatten die Neckarstädter in ihren Reihen. Claudio Caruso erzielte alle drei Einheimischen-Tore, zweimal war er per Foulelfmeter erfolgreich.

Derweil hatte der Spielabbruch aus der Vorwoche gegen den TSV Musberg das angekündigte Nachspiel für Cannstatts Verteidiger Hani Ajolbek. Bei diesem schlug nach einer Gelben Karte der Puls zu hoch, worauf er sofort Gelb-Rot sah und daraufhin den Unparteiischen anfasste. Dieser machte daraufhin vorzeitig Schluss (wir berichteten). „Wir haben Hani Ajolbek auf ungewisse Zeit suspendiert“, sagt Nagler. Was aber nicht heiße, dass es für den Verteidiger kein zurück mehr an die Hofener Straße geben würde. Wenn er sich sozial im Verein engagiere, beispielsweise als Jugendtrainer oder beim Kuchenverkauf, dann könne man über eine Rückkehr sprechen. Zumal: „Er ist ja eigentlich ein guter Typ.“

Profitiert auch der SV Vaihingen vom Remis im Spitzenspiel, geht doch noch eine Türe in Sachen Relegation auf? „Ehrlich“, sagt der scheidende Trainer Tim Schumann, „ich habe erst am Tag nach dem Spiel auf die Tabelle geschaut“. Grund: Schumann war im Feierstress. Seine Lebenspartnerin Jana Spengler spielt bei den VfB-Frauen und am Sonntag wurde der Aufstieg in die Bundesliga in Bad Cannstatt gebührend gefeiert. Gleichwohl selbst nach dem späten Tabellenblick für Schumann das Aufstiegsrennen kein Thema ist. „Fünf Punkte Rückstand bei noch neun zu vergebenen Punkten – das ist einfach zu viel“, sagt er. Mit dem 7:3 der Seinen beim abstiegsgefährdeten SV Nufringen war er indes sehr zufrieden, zumal es aus seiner Sicht das schwierigste Spiel der Restsaison war. „Eine Mannschaft gegen ein Team aus der unteren Region zu motivieren, ist stets nicht einfach.“ Am Sonntag war es indes kein Problem. Cooler Auftritt, hohe Intensität, über die gesamte Spielzeit dominant, so Schumanns Urteil. Einzig bei den Gegentoren habe man etwas geschlampt, was aber bei dem Ergebnis zu verkraften sei. Einmal mehr überragend im Vaihinger Trikot war Itzak Sandoval. Nicht nur als dreifacher Torschütze, sondern auch als Vorbereiter. Er legte die 1:0-Führung durch Maximilian Eisentraut auf. Marvin Dürr und zweimal Tyron Ferrari hießen die weiteren Vaihinger Schützen, für die am kommenden Samstag das Auswärtsspiel beim Tabellennachbarn Büsnau ansteht.

Am anderen Ende der Tabelle ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen. Vor allem, weil nicht gewiss ist, wie viele Teams tatsächlich absteigen müssen. Woche für Woche stellt sich die Lage anders dar. Um auf Nummer sicher zu gehen, hätte der SV Bonlanden bei der Spvgg Holzgerlingen gewinnen müssen. Am Ende hieß es aber 2:2. „Vier Minuten haben uns gefehlt, um den Klassenverbleib endgültig sicher zu machen“, sagt Bonlandens Coach Carmine Napolitano. Wobei er zugibt: „Ein gutes Spiel, mit vielen Chancen auf beiden Seiten und einem gerechten Ausgang. Die Partie hätte keinen Verlierer verdient gehabt.“ Für die Seinen trafen Yannic Wieland und Dennis Adam, wobei der schönste Streich am Sonntag den Hausherren gelang und besagter Treffer zum Endstand war. „Flugball, Volleyabnahme in die Mitte, Volleyabnahme aus 16 Metern und rein. Das kannst du nicht verteidigen“, sagt Napolitano immer noch völlig begeistert. Den endgültigen Klassenverbleib wollen die Bonlandener bereits am Donnerstag (19.30 Uhr) auf der heimischen Anlage gegen den SV Rohrau eintüten.

Auch der TSV Musberg braucht noch Punkte gegen den Abstieg. Das 1:1 beim VfL Herrenberg war für ein vorzeitiges Hurra zu wenig. Doch der TSV hat noch den Spielabbruch der Vorwoche gegen Cannstatt in der Hinterhand. „Es ist zwar noch kein Urteil da, aber es würde mich sehr überraschen, wenn die Partie nicht mit 3:0 für uns gewertet wird“, sagt der Musberger Coach Christopher Eisenhardt, der mit dem jüngsten Resultat und der Leistung seiner Elf zufrieden war. „In der ersten Hälfte haben wir auf dem großen Platz wenig zugelassen und zurecht geführt. Nach der Pause sind wir zehn Minuten geschwommen und hätten auch mehr als nur den Ausgleich kassieren können.“ Das Gästetor markierte Denis Bubalo.

Derweil hat die Abschiedstour von Torhüter Giorgio Alber begonnen. In der nächsten Saison wird er beim Noch-Landesligisten TSV Plattenhardt zwischen den Pfosten stehen. Bereits am Freitag (19 Uhr) empfängt der TSV den TV Darmsheim.

Immer kritischer in Sachen Klassenverbleib sieht es Woche für Woche für den TV Echterdingen II aus. Die 2:3-Heimpleite gegen den TSV Dagersheim bedeutete den fünften Punkteleerlauf hintereinander und das Abrutschen auf Tabellenplatz zwölf. Womöglich auf jenen Platz, der die Relegation bedeutet. Dennoch überwiegt die Zuversicht beim Team vom Sportpark Goldäcker, den Klassenverbleib aus eigener Kraft zu schaffen. „Mut macht uns, dass wir selten die schlechtere Mannschaft sind“, sagt Trainer Sascha Blessing, „es fehlt uns aber derzeit auch das Glück“. Jedoch haben die Echterdinger ein weiteres Problem: Ihre erste Mannschaft in der Landesliga – auch deren Klassenverbleib steht weiterhin gewaltig auf der Kippe. Ein Scheitern des A-Teams bedeutet automatisch den Abgang der Zweitvertretung.

Der Abstieg ist bei Croatia Stuttgart nach der 2:4-Niederlage beim TV Darmsheim so gut wie besiegelt, die Verantwortlichen planen auch bereits für die Kreisliga A. Dennoch ärgert sich der scheidende Spielleiter Niki Oroz. „Wieder einmal wurde eine klare Notbremse nicht gepfiffen, wurden wir benachteiligt. Das zieht sich die ganze Saison durch“, sagt er. Nach der 2:0-Führung durch den Doppelpacker Duje Tokic hätte es den angesprochenen Roten Karton gegen einen Darmsheimer geben müssen. Dies war nicht der Fall und das Spiel drehte sich noch zu Gunsten der Hausherren. Gehandicapt waren die Gäste bereits vor dem Anpfiff. Schlussmann Matej Hodak winkte wegen einer Schulterverletzung ab. Notgedrungen stellte sich Trainer Marko Matovina zwischen die Pfosten.

Statistik zum 27. Spieltag

TV Echterdingen II – TSV Dagersheim 2:3. Tore: 1:0 Acholonu (20.), 1:1 Wichert (30.), 1:2 Yesilirmak (45.), 1:3 Dannecker (70.), 2:3 Inthasane (90.). Besonderes: –

ASV Botnang – TSV Jahn Büsnau 3:3. Tore: 1:0 Steinbach (14.), 1:1 Specht (33.), 2:1 Daniel Schweizer (37.), 3:1 Daniel Schweizer (64.), 3:2 Manuschewski (65.), 3:3 Sebastian Len-hardt (90.+1, Handelfmeter). Besonderes: Gelb-Rot für Stein-bach (Botnang, 71.) und Abarriche (Botnang, 81.); rote Karte für Hachenbruch (Botnang, 90./Handspiel).

SV Nufringen – SV Vaihingen 3:7. Tore: 0:1 Eisentraut (6.), 1:1 Tauber (16.), 1:2 Sandoval (23.), 1:3 Dürr (25.), 1:4 Ferrari (30.), 1:5 Ferrari (44.), 1:6 Sandoval (45.), 2:6 Günther (65., Eigentor), 2:7 Sandoval (79.), 3:7 Kappus (85.). Besonderes: –

Spvgg Holzgerlingen – SV Bonlanden 2:2. Tore: 0:1 Wie-land (6.), 1:1 Hamm (75.), 1:2 Adam (77.), 2:2 Hamann (86.). Besonderes: –

SV Rohrau – VfL Oberjettingen 2:0. Tore: 1:0 Kaya (21.), 2:0 Hellmann (63.). Besonderes: –

TV Darmsheim – Croatia Stuttgart 4:2. Tore: 0:1 Tokic (8.), 0:2 Tokic (33.), 1:2 Hirth (47.), 2:2 Schneider (58.), 3:2 Hirth (66.), 4:2 Vukoja (90.+5). Besonderes: –

Spvgg Cannstatt – SV Deckenpfronn 3:5. Tore: 0:1 Schwarz (7.), 0:2 Wetsch (32.), 1:2 Caruso (42., Foulelfmeter), 1:3 Mehl (45.+1), 2:3 Caruso (54.), 2:4 Wunsch (66.), 3:4 Caruso (72., Foulelfmeter), 3:5 Kimmerle (85., Foulelfmeter). Besonderes: –

VfL Herrenberg – TSV Musberg 1:1. Tore: 0:1 Bubalo (39.), 1:1 Egeler (47.). Besonderes: –