Eddy Bormann (rechts) zeichnete in der Partie gegen den Spitzenreiter TSVgg Münster für den 1:1-Ausgleichstreffer des TV 89 Zuffenhausen verantwortlich. Foto: Günter Bergmann

TV 89 leistet beim 1:1 gegen Tabellenführer Münster Schützenhilfe. Der MTV punktet trotz Unterzahl.

Stuttgarter Norden - Wie war doch gleich das Motto für die Fußball-Bezirksligasaison 2014/2015? Es lautet „nichts ist unmöglich“ und wurde am 18. Spieltag mehrfach bestätigt. Da bringt der abstiegsgefährdete TV 89 Zuffenhausen den Tabellenführer TSVgg Münster an den Rand einer Niederlage, da patzt die ebenfalls abstiegsgefährdete Sportvg im Kellerduell beim Tabellen-Vorletzten TSV Mühlhausen, und auch Croatia Stuttgart hat sich den Auftritt bei der Spvgg Möhringen sicherlich ein bisschen anders vorgestellt. Besser aus der Affäre zogen sich der SC Stammheim, der TSV Weilimdorf und auch der MTV Stuttgart, der – obwohl 75 Minuten lang mit einem Mann weniger auf dem Platz – beim SSV Zuffenhausen zu einem 2:2-Remis kam.

Viel deutlicher kann das Zeichen an die Konkurrenten im Titelrennen nicht sein: Mit 6:0 fertigte der SC Stammheim den TSV Plattenhardt ab. Wobei sich SC-Coach Thomas Oesterwinter nicht nur über die die Höhe des Sieges freuen konnte, sondern auch über die Art und Weise, wie er zustande gekommen war. „100 Prozent Konzentration über 90 Minuten“, sagte Oesterwinter. „Das hat mich schon ein wenig überrascht.“ Zwar wehrte sich der Gast in der ersten Hälfte noch nach Kräften, doch der SC hätte schon früh in Führung gehen müssen. In der 7. Minute traf Tobias Oesterwinter aus spitzem Winkel nur den Pfosten, dann verpasste erst Michele Cinque, dann Sinan Karlikli, die Nord-Stuttgarter in Führung zu bringen. Am Ende musste eine Standardsituation für das 1:0 herhalten: Eckstoß, Kopfball Michael Schunger – das 1:0 in der 41. Minute und zeitgleich der Auftakt zu einer kurzen, aber intensiven Phase, in der der SC für klare Verhältnisse sorgte. Zwar wurde ein Treffer von Vadim Kromm in der 43. Minute wegen Foulspiels nicht gegeben, doch zwischen der 49. und der 53. Minute bauten der zweimal erfolgreiche Cinque und Tobias Oesterwinter das Resultat auf 4:0 aus. Dass sich die Stammheimer danach mehr in Hacke-Spitze-Tricks statt in Zielstrebigkeit übten, konnte der Coach verschmerzen. Zumal Cinque und Schauki Djelassi mit ihren Treffern das halbe Dutzend vollmachten. Nun sind die Stammheimer zwar wie ein Meisterschaftsanwärter aufgetreten, aber der Trainer bremst: „Der erste meiner Spieler, der von der Landesliga redet, macht 50 Liegestütze.“

Rückkehrer und Neuzugang schlagen ein

Ein Rückkehrer und ein Neuzugang hatten maßgeblichen Anteil daran, dass sich der TSV Weilimdorf mit einem 3:0 gegen den SV Sillenbuch wenigstens ein bisschen für die herbe 2:6-Hinspielpleite revanchieren konnte. Wie schnell beispielsweise der von der TSG Giengen gekommene Georg Kum dazulernen kann, zeigte sich in der 24. Minute. Als Vorbild diente Güney Cömert, der 60 Sekunden zuvor per Kopf einen Eckstoß von Patrick Härle ins Sillenbucher Tor gewuchtet hatte. Und genau nach diesem Muster und wiederum auf Vorlage von Patrick Härle sorgte der Neuzugang für das zweite Tor des TSV. Geschenkt, dass sich die Weilimdorfer zwischen der 50. und 65. Minute eine kleine Auszeit nahmen und in diesem Spielabschnitt einige gute Chancen für die Gäste zuließen – zumal der SV diese Gelegenheiten nicht zu nutzen wusste. Im Gegensatz zu Gökhan Kücükcolak, der in der 70. Minute zum 3:0 traf und so für eine Vorentscheidung sorgte. Der Vorlagengeber war übrigens Rückkehrer Aykut Can gewesen.

Rote Karte bereits nach 14 Minuten

Auch beim MTV Stuttgart zeigte ein Neuer im Kader, dass er eine Verstärkung ist: Kai Gensitz. In der 70. Minute wurde er eingewechselt, in der 72. Minute traf er im Spiel beim SSV Zuffenhausen nach Flanke von Tom Kursawe zum zwischenzeitlichen 2:1 für das Team vom Kräherwald. Eine Führung, die umso bemerkenswerter ist, weil der MTV seit der 14. Minute in Unterzahl spielte. Emre Türköz hatte nach einer Notbremse gegen Zuffenhausens Stürmer Mehmet Kuzu die rote Karte gezeigt bekommen. Zu diesem Zeitpunkt führten die Gäste durch ein Tor von Willie Sauerborn bereits mit 1:0 und hätten wenig später eigentlich mit 3:0 führen müssen. Doch Raphael Hahns Heber klärte Barjalei Khostwal in der 13. Minute vor der Linie. Und Hahns Schuss in der 22. Minute verfehlte das Ziel um Zentimeter. Drei Minuten später gelang dem SSV der Ausgleich, der allerdings von einem MTV-Kicker begünstigt wurde. Ein Klärungsversuch von Daniel Mägerle wurde zur Vorlage für Kuzu. Zwar verstolperte der Zuffenhäuser die Riesenchance, doch im Nachsetzen traf Kevin Hachenbruch zum Ausgleich. Es sollte für geraume Zeit der letzte stimmige Angriff des SSV gewesen sein. Der Großteil der Offensivaktionen scheiterte an mangelnder Präzision, fehlender Geschwindigkeit oder schlicht am Eigensinn der beteiligten Akteure. Dass die Platzherren in Überzahl waren, konnte eigentlich nur derjenige wissen, der nachzählte. Zumal der Gast auch noch die besseren Möglichkeiten hatte: Kursawe beförderte den Ball in der 56. Minute über das Tor, Sauerborn traf zehn Minuten später nur den Innenpfosten. Dann folgte schließlich der Führungstreffer – und in der 80. Minute der erste kluge Angriff der Gastgeber. Fabian Eichner leitete einen Pass aus der eigenen Hälfte zu Martin Mataija weiter, der frei vor MTV-Keeper Marc Wulle zum 2:2 traf. „Mit dem Resultat bin ich zufrieden, auch wenn mir drei Punkte lieber gewesen wären“, sagte SSV-Trainer Ingo Ramljak. Sein Amtskollege vom MTV, Francesco Mazzella di Bosco, hatte weniger Grund zur Zufriedenheit. „Egal, ob Platzverweis oder Gegentore: Wir haben uns einfach doof angestellt.“

Croatia fehlt der Biss

Die 1:3-Niederlage von Croatia Stuttgart bei der Spvgg Möhringen hatte andere Gründe: „Uns haben heute irgendwie der Biss und die Zielstrebigkeit gefehlt“, sagte Croatia-Coach Igor Ilicic. „Da wurde geschossen, wo man besser abgespielt hätte, und abgespielt, wo man besser draufgehalten hätte.“ Das 0:1 fingen sich die Kroaten per Konter ein, konnten den Rückstand aber durch Rückkehrer Abdullah Özdin ausgleichen. Kurz nach der Pause scheiterte Kevin Reinhardt mit der bis dahin besten Möglichkeit am Möhringer Schlussmann, ehe der zweite Croatia-Rückkehrer in den Fokus rückte. Ein Zweikampf von Jan Zajfert führte in der 56. Minute zu einem Foulelfmeter und dem 2:1 für die Spvgg. In der 64. Minute bekamen die Gastgeber erneut einen Strafstoß zugesprochen – eine Situation, der ein Ballverlust von Zajfert vorangegangen war.

Feuerbach verpennt erste Halbzeit

Im letzten Spiel vor der Winterpause hatte die Sportvg Feuerbach gegen den TSV Mühlhausen noch mit 5:2 gewonnen. Nun setzte es im Rückspiel eine 1:2-Pleite. „Die erste Halbzeit haben wir komplett verpennt“, sagte Sportvg-Trainer Peter Secker. Die Folge: ein 0:2-Rückstand nach 28 Minuten. Schon nach sieben Minuten unterlief Martin Henne bei einem Abwehrversuch ein Kopfball-Eigentor aus 16 Metern, dann landete ein 35-Meter-Schuss des Mühlhauseners Jens Peringer im Feuerbacher Tor. Noch vor der Pause verkürzte Erdinc Bozoglu nach einem Foul an Achim Besser per Strafstoß auf 1:2, aber der Ausgleich sollte der Sportvg nicht mehr glücken. „Wir haben zwar die gesamte zweite Hälfte auf ein Tor gespielt, das Ding aber nicht reinbekommen“, sagte Secker. Die beste Chance hatte Routinier Besser, dessen Schuss aber nur den Pfosten traf.

Kampfbetontes Spiel

In der Tabelle ist der TV 89 Zuffenhausen auf den 13. Platz zurückgefallen. Und doch kann TVZ-Coach Marco Scheel zufrieden sein. Denn schließlich hat sein Team den Spitzenreiter TSVgg Münster an den Rand einer Niederlage gebracht. In der kampfbetonten und von vielen Nicklichkeiten geprägten Partie ging der Tabellenerste zwar nach einem Missverständnis in der Zuffenhäuser Abwehr in Front, aber: „Eigentlich müssten wir zur Pause 3:1 führen“, sagte Scheel. Zweimal tauchte Sergio Mavinga frei vor dem TSVgg-Keeper auf, zweimal scheiterte der TVZ-Angreifer. Eddy Bormann machte es besser: In der 30. Minute wuchtete er eine Flanke von Fadi Odesh zum 1:1 ins Netz. Dabei sollte es bleiben, denn im zweiten Durchgang lieferten sich beide Mannschaften einen Abnutzungskampf im Mittelfeld, aus dem kaum noch Chancen erwuchsen.

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