Dem Croatia-Kicker Vinko Bilac (3. von links) droht nach einem Knorpelschaden das Karriereende. Foto: Günter E. Bergmann

Die drei Nord-Stuttgarter Clubs müssen am neunten Spieltag etliche Ausfälle verkraften.

Stuttgarter Norden - Es ist erst der neunte von 32 Spieltagen in der Fußball-Bezirksliga. Aber einige Vereine aus dem Stuttgarter Norden gehen personell betrachtet jetzt schon am Stock. Die Sportvg Feuerbach, der TV 89 Zuffenhausen und Croatia Stuttgart – bei allen dreien kann unter der Mannschaftsliste zurzeit der Vermerk „letztes Aufgebot“ stehen. Wobei die Kroaten sogar schon in erwogen haben, ihre Partie mangels spielfähiger Kicker abzusagen.

Vor Wochenfrist war es dann so weit: Igor Ilicic, Trainer von Croatia Stuttgart und eigentlich seit dreieinhalb Jahren Fußball-Ruheständler, wechselte sich selbst ein. „Eigentlich hatte ich das Fußballspielen abgehakt“, sagt der Croatia-Coach. Aber der Personalmangel zwang ihn dann doch zu einem Comeback. Allerdings hat sich die ohnehin angespannte Lage inzwischen noch einmal verschlimmert. Stürmer Hasan Isbert und Keeper Mirko Perkovic verletzten sich und fallen für das Auswärtsspiel in Plattenhardt ebenso aus wie die erkrankten Boris Lovric und Oktay Bozkurt. Und bei Vinko Bilac wurde ein Knorpelschaden diagnostiziert, der eventuell sogar das Karriereende bedeuten kann. „Im schlimmsten Fall müssen wir das Spiel absagen“, befürchtet Ilicic.

Auch bei der Sportvg Feuerbach ist die personelle Situation vor der Partie beim SV Sillenbuch alles andere als rosig. Denn die Feuerbacher, die am vergangenen Wochenende einen Überraschungs-Coup gegen Titelanwärter TSVgg Münster landeten, haben den 2:1-Sieg teuer bezahlt. Martin Henne zog sich einen doppelten Bänderriss zu, Melvin Alavac einen Muskelfaserriss. Achim Besser macht eine Verletzung an der Achillessehne zu schaffen, und Marvin Höschele handelte sich nach einem Ellenbogenschlag eines Gegenspielers ein Schädel-Hirn-Trauma ein. Anders als sein Amtskollege von Croatia Stuttgart kann Sportvg-Trainer Peter Secker nicht selbst eingreifen: „Ich habe keinen Spielerpass.“ Aber dafür zwei andere: „Die Pässe von Co-Trainer Andreas Merz und von Spielleiter Michel Niethammer müssten eigentlich noch hier sein“, sagt Secker verschmitzt.

Der TV 89 Zuffenhausen, der den TSV Mühlhausen empfängt, ist der Dritte im Bunde derer, bei denen sich das Aufgebot praktisch von alleine aufstellt. Denn in Niko Baltsios (Wadenprobleme), Marco Bardaro (Muskelfaserriss) und Yannik Krämer (Schienbeinverletzung) stehen drei neue Namen auf der Verletztenliste. Dennoch ist TVZ-Trainer Marco Scheel zuversichtlich, dass sein Team durch einen Erfolg gegen die Mühlhausener einen weiteren Schritt aus der Gefahrenzone des Klassements macht. „Wir wissen, wie der Gegner spielt, und wir haben uns darauf eingestellt“, sagt Scheel.

Personalmangel? Am Gegner orientieren? Das sind beides Dinge, über die Thomas Oesterwinter, Trainer des SC Stammheim, keinen Gedanken verschwendet. In erstem Fall deshalb nicht, weil er nicht muss: „Bei uns fällt nur Tobias Oesterwinter aus, ansonsten habe ich die Qual der Wahl“, sagt er vor der Partie gegen die SG Untertürkheim. „Außerdem haben wir vor der Saison einen Kader zusammengestellt, der auch in der Breite gut besetzt ist.“ Im zweiten Fall nicht, weil er nicht muss: „Wir schauen lieber nach uns als nach dem Gegner“, ist das Credo des SC-Coaches, der mit seiner Mannschaft weiterhin darauf lauert, dass der Spitzenreiter aus Weilimdorf patzt.

Nun hat der TSV Weilimdorf am vergangenen Wochenende Federn gelassen. Aber die Konkurrenz tat das auch. „Es ist schon witzig: Da machen wir in der Nachspielzeit das 1:1 und sind am Ende Gewinner des Spieltags“, sagt TSV-Pressewart Michael Bachmann. Ob der Spitzenreiter dieses Glück ein weiteres Mal hat, dürfte allerdings bezweifelt werden. „Wir müssen nachlegen“, fordert Bachmann vor dem Derby gegen den SSV Zuffenhausen. An Motivation wird es den Weilimdorfern wohl nicht mangeln. Denn schließlich hat die Mannschaft in Eugen Weimer, Mihal Berberoglu, Güney Cömert und Berthold Cömert gleich vier Spieler, die einst in Zuffenhausen kickten. „Die brennen alle“, behauptet Bachmann, warnt aber: „Im Vorbeilaufen schlagen wir den SSV nicht.“ Dass es durchaus ein Fehler sein kann, die nach wie vor im Tabellenkeller fest hängenden Zuffenhäuser zu unterschätzen, hat erst vor Wochenfrist der SV Vaihingen zu spüren bekommen. Was aber auch einen Nachteil hat: „Damit ist für das Spiel gegen den TSV Weilimdorf leider der Überraschungseffekt dahin“, sagt SSV-Trainer Ingo Ramljak. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der SSV-Angreifer Mehmet Kuzu eine rote Karte eingehandelt hat. Und der für ihn als Ersatz geplante Hüseyin Ugur muss wegen einer Patellasehnenreizung passen. Dennoch freut sich Ramljak auf das Prestigeduell: „Es wird heiß her gehen. Ich hoffe, wir bewahren kühlen Kopf.“

Weniger auf Kalkül als auf den Spaß setzt Francesco Mazzella di Bosco. Der Trainer des MTV Stuttgart hofft, dass seine Mannschaft in der Begegnung beim SV Bonlanden II endlich wieder das entwickelt, was sie zum stärksten Rückrundenteam der vergangenen Saison gemacht hat: Die Leichtigkeit und der Spaß am Fußball. „Das fehlt uns zurzeit“, sagt Mazzella di Bosco. Als Folge davon fehlt der Elf vom Kräherwald auch die Torgefahr. Die mit 87 Saisontoren drittbeste Offensive der vorherigen Runde hat bislang in acht Spielen erst elfmal eingenetzt.

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