In dieser Szene gewinnt Michele Cinque (r.) vom SC Stammheim das Kopfballduell gegen Moritz Helmes vom MTV . Doch das Duell der beiden Clubs endete remis. Foto: Günter Bergmann

Während sich vorne die beiden Top-Teams absetzen, schwebt hinten die halbe Liga in Abstiegsgefahr.

Stuttgarter Norden - Von einem Mittelfeld wird gewöhnlich erwartet, dass es sich in der Mitte befindet. Das ist allerdings in der Stuttgarter Fußball-Bezirksligatabelle nur eingeschränkt der Fall. Hinter dem an diesem Wochenende spielfreien Spitzenreiter TSVgg Münster und dem einzigen noch hartnäckigen Verfolger TSV Weilimdorf beginn, nun ja, das Mittelfeld des Klassements. Dort tummeln sich diejenigen, die immer dann Federn lassen, wenn sie sich an das Spitzenduo heranarbeiten oder es zumindest nicht zu weit davonziehen lassen könnten: der SC Stammheim etwa, der FC Stuttgart-Cannstatt und auch der MTV. Einzig der SV Vaihingen hat durch seinen Sieg über Croatia Stuttgart dieses Mittelfeld ein bisschen aufgemischt. Apropos Croatia: Bei den achtplatzierten Kroaten beginnt eigentlich schon die Abstiegszone, in der alle Beteiligten ein bisschen enger zusammengerückt sind.

Ganze zwei Punkte hatte der TV 89 Zuffenhausen aus den vergangenen fünf Punktspielen geholt. Umso erleichterter war TVZ-Coach Marco Scheel, als am Sonntag endlich wieder einmal drei Zähler auf das Konto der Zuffenhäuser wanderten. 3:0 siegte Scheels Team – und dies ausgerechnet gegen seinen Ex-Club Sportvg Feuerbach, der seinerseits in der vergangenen vier Begegnungen punktlos geblieben war. Bei der Sportvg hatte am Donnerstag Kosta Choudiakis seinen Dienst als Trainer angetreten, nachdem Peter Secker vor zwei Wochen das Handtuch geworfen hatte und Interims-Coach Jochen Weber wieder zur zweiten Mannschaft der Feuerbacher zurückgekehrt war. „Ich musste mich erst einmal akklimatisieren“, sagte Choudiakis. 90 Minuten später war er schlauer. Sein Fazit: „Ich war von der zweiten Halbzeit meiner Mannschaft positiv überrascht, nachdem ich die erste gesehen habe.“ Denn in Hälfte eins hatten die Feuerbacher bis auf zwei Freistöße in Richtung Tor keine einzige Möglichkeit verbucht.

Nur bei Standards gefährlich

Wobei auch der TV 89 nur bei Standards gefährlich war. Dem ersten Treffer durch einen von Aladin Mahmutovic in der 10. Minute verwandelten Freistoß wurde allerdings zurecht die Anerkennung verweigert. Der Zuffenhäuser hatte den indirekten Freistoß direkt geschossen. Dass die Platzherren dennoch mit einer 1:0-Führung in die Pause gingen, verdankten sie Eddy Bormann – und den Gästen aus Feuerbach, die in der 37. Minute einen Eckstoß per Kopf zu dem frei stehenden Bormann verlängert hatten. Hatten die Zuffenhäuser bis dahin ihren Kontrahenten weitgehend im Griff gehabt, änderte sich in Durchgang zwei das Kräfteverhältnis. Die Sportvg drängte mit Macht, aber ohne die letzte Konsequenz auf den Ausgleich und hatte obendrein Pech im Abschluss. In der 52. Minute klärte TVZ-Keeper Weyershäuser gegen Tunahan Dogan, Mahmutovic prüfte bei einer missglückten Kopfballabwehr seinen eigenen Keeper und in der 64. Minute blockte Marc Lindenmaier einen Schuss von Chris Brand kurz vor der Linie. Beim für den TV 89 erlösenden 2:0 in der 86. Minute stand wiederum ein Feuerbacher Pate: Torwart Frank Schubert. Dessen Abschlag landete auf dem Kopf von Bormann, der den Ball für Christian Linder vorlegte. Linder spitzelte das Spielgerät an dem heraus eilenden Schubert vorbei ins Netz. Der Treffer zum 3:0 durch Mahmutovic fiel per Freistoß – nachdem sich der Schütze durch Nachfrage beim Unparteiischen vergewissert hatte, dass es diesmal ein direkter Freistoß ist.

MTV und SCS liefern sich schönes Spiel

Für die Zuschauer war es ein schönes Spiel, das sich der SC Stammheim und der MTV Stuttgart lieferten: temporeich und mit vier Toren inklusive eines kuriosen Treffers. Nur: das Remis hilft keiner der beiden Mannschaften weiter, um den Rückstand zur Spitze zu verkürzen. Die Elf vom Kräherwald war durch einen sehenswerten Fallrückzieher durch Raphael Hahn in Front gegangen, während auf Seiten der Stammheimer einige gute Chancen ungenutzt blieben. Die beste davon vergab Michele Cinque, der nach einem Heber von Emre Yildizeli über MTV-Schlussmann Marc Wulle das leere Tor verfehlte. 20 Sekunden nach Wiederanpfiff traf Hahn zum 2:0, ehe wieder der Schlussmann des MTV in den Fokus rückte. Wulle wollte per Volleyabnahme klären, traf mit dem Schuss aber den Rücken seines Teamkollegen Robin Friess. „Das war der Knackpunkt“, urteilte MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco, dessen Team in der 64. Minute den Ausgleich durch Leonardo Marra hinnehmen musste, der zum ersten Mal seit geraumer Zeit wieder in der Startelf der Stammheimer stand. „Er hat gut trainiert und hat sich das verdient“, sagte SC-Coach Thomas Oesterwinter.

Ebenfalls mit einem 2:2 endete die Partie zwischen dem FC Stuttgart-Cannstatt und dem SV Bonlanden II. Ein Resultat, mit dem der FC gut leben konnte – zumal das Team nach Gelb-Rot für Ali Sivka ab der 43. Minute in Unterzahl spielen musste.“Eine fragwürdige Entscheidung“, sagte FC-Spielleiter Erol Sivka über den Platzverweis. Davor hatte Recep Yildiz nach Foul an Ali Sivka die Bonlandener Führung per Elfmeter ausgeglichen. Und obwohl die Gastgeber einen Mann weniger auf dem Platz hatten, gingen sie in der 85. Minute in Front: Eine Flanke von Spiridon Katsiulas wuchtete Faith Dursun ins Tor. Allerdings hatte die Führung nur drei Minuten Bestand. Hans Fakner hatte seinen Gegenspieler regelwidrig von den Beinen geholt. Der SV verwandelte den Strafstoß zum 2:2. „Angesichts der Umstände ein gewonnener Punkt“, sagte Erol Sivka.

Weilimdorf braucht 20 Minuten, um Fahrt aufzunehmen

20 zähe Minuten an Anlaufzeit brauchte der TSV Weilimdorf, ehe er gegen das sich nach Kräften wehrende Tabellenschlusslicht SKV Palästina Al Q’uds Stuttgart in die Spur fand. Leo Christ sorgte per Feistoßtreffer für die 1:0-Pausenführung. In Hälfte zwei sorgte ein Doppelschlag für klare Verhältnisse: Erst traf Demis Jung, der mit seinem einzigen Torschuss in der gesamten Partie das 2:0 erzielte, zwei Minuten später Carmine Pescione, der nach einem Foul an ihm den fälligen Strafstoß selbst verwandelte und in der 80. Minute nach einem Alleingang noch Treffer Nummer vier folgen ließ. Am 5:0 war Pescione zumindest als Vorlagengeber beteiligt: SKV-Schlussmann Achim Hadasch klatschte den Ball nach Pesciones Schuss direkt an den Fuß seines Teamkollegen Mohammad Orhan ab. Von dort prallte das Spielgerät ins Netz.

SSV gleicht dreimal einen Rückstand aus

Dreimal war der SSV Zuffenhausen in der Begegnung im Rückstand, dreimal gelang es dem Team von Trainer Ingo Ramljak, den Rückstand auszugleichen. Grund für Lob ist das allerdings nicht. „Wir hatten sehr viele Totalausfälle im Team“, zürnte der Zuffenhäuser Trainer. „Wir haben viel zu pomadig gespielt und sind einfach nicht in den Wettkampfmodus gekommen.“ Immerhin Mehmet Kuzu traf, nachdem er gefoult worden war, per Elfmeter zum 1:1. Kevin Hachenbruch erzielte das 2:2 und kurz vor Schluss verhinderte Ilker Aybar per Kopfballtreffer nach einem Eckstoß eine Niederlage. Zu wenig für Ramljak, der auf drei Punkte gehofft hatte: „An einem normalen Tag und in normaler Form hätten wir das Spiel gewonnen.“

Normal ist ein Begriff, mit dem man bei Croatia Stuttgart angesichts der wechselhaften Leistungen ohnehin sehr vorsichtig umgehen muss. Hatte das Team von Trainer Igor Ilicic vor wenigen Tagen im Bezirkspokalwettbewerb noch über den Bezirksliga-Spitzenreiter TSVgg Münster triumphiert, setzte es nun beim SV Vaihingen eine 0:3-Pleite. „Wir hatten einfach das Pech, dass wir nach dem 0:1 für Vaihingen drei Riesenchancen ungenutzt gelassen haben“, sagte Ilicic. Zweimal vergab Andreas Simic, dann traf Maijan Kelentric aus kurzer Distanz nur den Pfosten. Als die Platzherren in der 82. Minute das 2:0 erzielten, war die Luft bei den Gästen draußen. „Da war der Fisch geputzt“, sagte Ilicic. Das galt allerdings nicht für die Vaihinger – denn die legten in der Schlussminute noch das 3:0 nach.

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