Gegen die solide SSV-Abwehr gab es für die Stammheimer Offensivkräfte wie Schauki Djelassi (r) kein Durchkommen. Foto: Günter E. Bergmann

Der MTV verlässt nach dem 2:0-Sieg über Feuerbach erstmals in der Saison die Abstiegsplätze.

Stuttgarter Norden - Kein Tor, eine einzige Torchance, aber eben auch ohne Gegentreffer geblieben – eine triste Nullnummer reichte dem SC Stammheim, um die Tabellenführung in der Fußball-Bezirksliga zu übernehmen. Das gelang allerdings nur, weil der bis dahin amtierende Spitzenreiter TSV Weilimdorf gemäß Spielplan ein freies Wochenende hatte und der SC die derzeit beste Tordifferenz von drei punktgleichen Mannschaften aufweist. Freuen konnte sich auch der MTV Stuttgart, der nach dem Sieg im Kellerduell gegen die Sportvg Feuerbach erstmals in dieser Saison die Abstiegsplätze verließ – während die Feuerbacher erstmals in der Runde auf einen Abstiegsplatz abgerutscht sind.

Von der Freude über Tabellenplatz eins war bei Thomas Oesterwinter, dem Trainer des SC Stammheim, wenig zu spüren. „Das war ein trostloses Gekicke, bei dem wir uns dem Gegner angepasst haben“, grantelte der Coach nach der Nullnummer gegen den SSV Zuffenhausen. Aber: Das Resultat war durchaus verdient. Nur eine einzige Torchance war in der Partie zu verzeichnen. In der 90. Minute flankte Daniele Garofalo, SC-Torjäger Michele Cinque verpasste knapp. Die restliche Zeit der Begegnung bestand aus einem Dauer-Belauern. Die Gäste aus Zuffenhausen bildeten einen massiven Abwehrriegel und lauerten auf Konter. Die Stammheimer berannten das Bollwerk ihres Kontrahenten ausdauernd, aber eben auch ausgesprochen einfallslos – was aber immerhin den Effekt hatte, dass der SSV gar nicht zum Kontern kam. SC-Keeper Milan Jurkovic und sein Gegenüber Jan Ertl verlebten einen weitgehend ruhigen Nachmittag, in denen gelegentliche Abschläge und das Fangen eines Flankenballs die einzigen Abwechslungen waren. „Wenn eine Mannschaft so tief steht, dann tun wir uns einfach schwer“, urteilte Oesterwinter. Der Zuffenhäuser Trainer Ingo Ramljak war dagegen mit dem Remis durchaus zufrieden. „Wir haben endlich Stabilität drin.“ Dass dem so ist, lässt sich leicht mit Fakten belegen: Hatte sich der SSV in den ersten sechs Saisonspielen insgesamt 19 Gegentore eingefangen, war es in den vier Begegnungen danach nur noch ein einziger Gegentreffer gewesen.

Ähnlich angefressen wie der SC-Coach war auch Andreas Merz, Co-Trainer der Sportvg Feuerbach. Der hatte nach der 0:2-Pleite beim MTV Stuttgart den entscheidenden Unterschied ausgemacht: „Der MTV hat den Abstiegskampf angenommen, wir haben es nicht.“ Dementsprechend engagiert ging die Elf vom Kräherwald zu Werke. Geraume Zeit konnte Torwart Emanuel Rehm einen Rückstand der Feuerbacher verhindern, die ihrerseits durch Chris Brand und Erdinc Bozoglu lediglich zwei Halbchancen verbuchten. Doch in der 83. Minute war auch Rehm machtlos: Raphael Rommel brachte den MTV mit 1:0 in Front. Eine auch aus der Sicht von Merz hoch verdiente Führung, hatten doch zuvor Emre Türköz, Raphael Hahn, Tom Kursawe und Willie Sauerborn gleich ein halbes Dutzend Hochkaräter ungenutzt gelassen. „Wir dürfen uns nicht beschweren, wenn wir hier mit 0:6 vom Platz gehen“, sagte Merz. „Normalerweise rennt man in so einem Spiel an und kassiert dann irgendwann ein blödes Tor. Ich bin froh, dass uns das diesmal nicht passiert ist“, sagte MTV-Trainer Francesco Mazzella di Bosco, dessen Team erst in der Nachspielzeit mit Raphael Rommels zweitem Treffer für klare Verhültnisse sorgte.

Beim TV 89 Zuffenhausen reichte eine Viertelstunde aus, um ein eigentlich vielversprechendes Spiel zu kippen. Hatte die Mannschaft von Trainer Marco Scheel ihren Gegner SV Vaihingen in Hälfte eins ganz gut im Griff gehabt und war durch Fadi Odesh in der 37. Minute in Front gegangen, riss nach der Pause kurzzeitig der Faden. „Da waren wir im kollektiven Tiefschlaf“, sagte Scheel. Was der einstige Landesligist dazu nutzte, den Rückstand binnen 15 Minuten in eine 3:1-Führung umzuwandeln. Zwar fing sich der TV 89 wieder, aber die Aufholjagd fand ein wenig erfreuliches Ende. Erstens, weil das Anschlusstor zum 2:3 erst in der 90. Minute und damit zu spät fiel, um vielleicht doch noch ein Remis zu erreichen. Nico Garziella war im Strafraum der Gäste gefoult worden, Selahattin Degirmenci verwandelte den daraufhin verhängten Strafstoß sicher. Zweitens, weil sich TV-Torwart Daniel Weyershäuser einen Platzverweis einhandelte. Er war in der Nachspielzeit mit nach vorne aufgerückt und hatte einen Konter der Vaihinger mit einem taktischen Foul unterbunden. Nach einem Wortgefecht mit seinem Gegenspieler stieß Weyershäuser seinen Widersacher zu Boden und sah für diese Tat vom Unparteiischen die rote Karte.

Nach der Pleite im Nachholspiel gegen die TSVgg Münster hat Croatia Stuttgart schnell wieder in die Spur gefunden. Die Mannschaft von Trainer Igor Ilicic feierte beim SV Sillenbuch einen 5:1-Sieg. Nun wäre es ein leichtes, die Torschützen Stanislav Vrcan sowie die jeweils zweimal erfolgreichen Kevin Reinhardt und Andreas Simic zu loben. Doch der eigentliche Vater des Erfolgs ist nach Ilicics Ansicht ein anderer: Keeper Igor Karacic. „Sillenbuch war offensiv auch sehr gut“, sagte der Croatia-Coach. „Der Unterschied war, dass wir unsere Torchancen genutzt haben und der SV nicht.“ Was sein Team wiederum zum großen Teil den zahlreichen guten Paraden ihres Schlussmanns verdankte. „Er hat uns den Rücken gestärkt und so dazu beigetragen, dass wir den Anschluss an die vorderen Tabellenplätze halten“, urteilte Ilicic über die Leistung des Torwarts.

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