„Derby“ kommt manchmal von „derb“: Weilimdorfs Savas Kara (links) klärt gegen den Zuffenhäuser Enes Korkmaz in dem durchweg umkämpften Nachbarschaftsduell. Foto: Tom Bloch

In einem umkämpften Derby spielt Spitzenreiter TSV Weilimdorf gegen den SSV Zuffenhausen 1:1.

Stuttgarter Norden - Gerade sieben Tage ist es her, dass das Spitzenduo der Fußball-Bezirksliga im Gleichschritt stolperte. Das war folgenlos geblieben, weil auch die restlichen Konkurrenten patzten. Am Sonntag wiederholte sich das Schauspiel mit geringfügigen Variationen: Erneut ließen der Tabellenführer TSV Weilimdorf und der zweitplatzierte SC Stammheim Punkte liegen, doch diesmal rückten den beiden die Rivalen – darunter auch Croatia Stuttgart – wieder ein Stückchen näher. In der unteren Tabellenhälfte hat sich der TV 89 Zuffenhausen weiter von der Gefahrenzone distanziert, was weder der Sportvg Feuerbach, noch dem MTV Stuttgart oder dem SSV Zuffenhausen gelungen ist.

Wer die Partie zwischen dem Tabellenführer TSV Weilimdorf und dem auf einem Abstiegsplatz rangierenden Lokalrivalen SSV Zuffenhausen verfolgt hat, weiß eines: Die Bezeichnung „Derby“ leitet sich offensichtlich von dem Wörtchen „derb“ ab. Denn das Nachbarschaftsduell wurde von beiden Seiten mit einem Härtegrad an der Grenze des Erlaubten geführt – was allerdings auch dadurch begünstigt wurde, dass der Unparteiische den Spielern einiges durchgehen ließ. Auf die Trümpfe „Laufarbeit“ und „Zweikampfverhalten“ hatten die Zuffenhäuser von Beginn an gesetzt. Ein erfolgreiches Vorgehen: Denn obwohl die Weilimdorfer nach Kräften dagegenhielten, neutralisierten sich die beiden Kontrahenten weitgehend. Bis zur 29. Minute, als nach feiner Einzelleistung nebst Flanke von Wladimir Stoppel Bojan Nikolic frei stehend das SSV-Tor verfehlte. Eine Minute später fast dieselbe Situation: Alleingang und Querpass Cesur Sevimli, zu kurze Abwehr der Zuffenhäuser, Schuss von Gökhan Kücükcolak – das 1:0 für den TSV, der es in der Folgezeit verpasste, das Resultat gegen die durch den Rückstand angeschlagenen Gäste noch zu verbessern. Ein folgenschwerer Fehler, denn in Hälfte zwei hatten die Zuffenhäuser den Schock des Rückstandes überwunden und drängten mit Macht auf den Ausgleich. Ilker Aybars Kopfball landete in der 79. Minute nach Flanke von Reijhan Murati am Pfosten, Martin Mataijas Schuss drei Minuten später an der Latte. Weitere 60 Sekunden später traf Reijhan Murati nach Flanke von Enes Korkmaz gegen die nach Gelb-Rot für Eugen Weimer dezimierten Weilimdorfer zum inzwischen verdienten Ausgleich. In der Nachspielzeit hätte der Gast sogar noch den Siegtreffer erzielen können. Doch TSV-Torwart Burak Demirel klärte vor seinem Strafraum gegen Amel Murati. „Das Ergebnis hilft uns zwar in der Tabelle nicht weiter, aber es war wichtig, dass sich meine Jungs wenigstens das Remis erarbeitet haben“, sagt SSV-Trainer Ingo Ramljak.

Ebenfalls mit einem Unentschieden musste sich der SC Stammheim, seines Zeichens Verfolger Nummer eins, begnügen. „Die SG Untertürkheim stand mit neun Mann hinten drin und hat auf Konter gelauert“, schildert SC-Coach Thomas Oesterwinter das Geschehen. „Und uns fehlt zurzeit der Taktgeber, um solche Teams zu überwinden.“ Und so rannte der Zweitplatzierte geraume Zeit energisch, aber wirkungslos gegen das Bollwerk des Aufsteigers an, der kurz vor Schluss einen Fehler im Stammheimer Spielaufbau zur 1:0-Führung nutzte. In der 88. Minute gelang Michele Cinque noch der Ausgleich. Matthias Kassaye verpasste es dagegen in der Nachspielzeit, per Kopf doch noch das 2:1 zu markieren. Es wäre – wieder einmal – der Wachwechsel an der Tabellenspitze gewesen. Oesterwinter nahm es mit Humor: „Wenigstens ist uns der TSV Weilimdorf nicht davongezogen.“

Noch vor wenigen Tagen war Croatia Stuttgart wegen etlicher Ausfälle drauf und dran gewesen, die Partie bei der TSVgg Plattenhardt abzusagen. Das Spiel fand statt, denn Croatia-Coach Igor Ilicic hatte nicht nur ein Team zusammenbekommen, sondern auch noch ein schlagkräftiges. Zwar kickten etliche Kroaten trotz Wehwehchen, aber da gibt es ja noch die psychische Seite. „Meine Jungs sind mental unglaublich stark“, sagt Ilicic. „Deshalb waren wir das eine Tor besser.“ Andreas Simic hatte die Führung für die Gäste erzielt, die sich auch vom zwischenzeitlichen Ausgleich nicht aus dem Takt bringen ließen. Zumal Hasan Isbert schon sechs Minuten später den alten Abstand wieder herstellte.

Einen rundum gelungen Fußballnachmittag verlebte der TV 89 Zuffenhausen. „Ich hatte schon zuvor ein gutes Gefühl“, sagt TVZ-Trainer Marco Scheel. Dieses Gefühl sollte ihn nicht trügen. Mit 3:0 gewannen die Zuffenhäuser gegen den TSV Mühlhausen. Einzig die nicht ganz zufriedenstellende Chancenverwertung trübte die Freude ein wenig. Schon nach sechs Minuten staubte Christian Linder ab, nachdem der Mühlhausener Keeper einen Schuss von Fadi Odesh nur hatte abklatschen können. Sergi Mavinga erhöhte, erneut nach Vorarbeit von Odesh, noch vor der Pause auf 2:0. Den 3:0-Schlusspunkt setzte Diar Shammak mit einem 25-Meter-Schuss kurz vor dem Abpfiff.

Tristesse dagegen bei der Sportvg Feuerbach. „Spiel blöd verloren, ein Spieler schwer verletzt, eine rote Karte kassiert – wegen mir kann man den Tag aus dem Kalender streichen“, sagt Sportvg-Trainer Peter Secker nach der 0:2-Pleite beim SV Sillenbuch. „Ärgerlich, wenn man 85 Minuten lang die bessere Mannschaft ist.“ Die Feuerbacher verballerten in besagten 85 Minuten acht Chancen der Kategorie „tausendprozentig“, während die Gäste durch einen von Herolind Fejzulahi verursachten und Luca Krieglstein verwandelten Foulelfmeter in Front gingen. Kurz zuvor hatte Steffen Zeitvogel ausgewechselt werden müssen. Erste Diagnose: Verdacht auf Kreuzbandriss. Dann führte ein Patzer von Feuerbachs Schlussmann Pantelis Kamniatsos, der in der 86. Minute den Ball zum Gegenspieler beförderte, zum 2:0 für die Sillenbucher. Damit nicht genug: In der Nachspielzeit handelte sich Melvin Alavac wegen eines angedeuteten Kopfstoßes noch die rote Karte ein.

Obwohl der MTV Stuttgart beim SV Bonlanden II seinen ersten Saisonsieg praktisch auf dem Silbertablett serviert bekam, nahm das Team vom Kräherwald dieses Geschenk nicht an. Doch der Reihe nach: In Hälfte eins diktierte weitgehend der SVB das Geschehen. Die Gäste, die ordentlich begonnen, dann aber die Ordnung verloren hatten, konnten von Glück sagen, dass sie nach 45 Minuten mit einem 0:0-Zwischenstand in die Pause gehen konnten. In Durchgang zwei war das Team von Trainer Francesco Mazzella di Bosco dann besser im Spiel, geriet aber durch einen direkt verwandelten Freistoß ins Hintertreffen. Doch Tom Kursawe egalisierte neun Minuten später. Und in der letzten Minute der Nachspielzeit hätte der MTV wie eingangs erwähnt das Siegtor erzielen müssen. Raphael Hahn war gefoult worden, der Unparteiische entschied auf Strafstoß. Willie Sauerborn trat an, beförderte das Spielgerät aber an den Pfosten.

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