Zum Schluss war es ein umkämpftes Derby – mit dem besseren Ende für Enes Korkmaz (r.) und den SSV Zuffenhausen. Foto: Günter E. Bergmann

Fußball
Im Abstiegskampf der Bezirksliga regiert die Dramatik. Der SSV Zuffenhausen verschafft sich Luft.

Stuttgarter Norden - Hier ein Tor in der Nachspielzeit, dort ein vermeintlicher Spielabbruch. Der Abstiegskampf in der Fußball-Bezirksliga ist am Sonntagmittag nichts für Nervenschwache gewesen. Während sich die Situation für die Sportvg Feuerbach nach dem Spiel in Bonlanden immer brenzliger gestaltet, ist dem SSV Zuffenhausen ausgerechnet im Derby beim TV 89 Zuffenhausen ein Befreiungsschlag gelungen. An der Tabellenspitze hat sich derweil kein Favorit eine Blöße gegeben.

Derby entscheidet sich erst in der Nachspielzeit

Im Nachbarschaftsduell zwischen dem TV 89 und dem SSV Zuffenhausen an der Langen Allee lief bereits die 91. Minute und alles deutete auf ein leistungsgerechtes Unentschieden hin, als die Partie doch noch die Dramatik erhielt, die eines Derbys würdig war. Nico Garziella, bis dato guter Sonderbewacher des stets gefährlichen SSV-Flügelflitzers Martin Mataija, zog gegen seinen Gegenspieler einmal den Kürzeren und selbigen zu Boden. Den anschließenden Freistoß spielte Enes Korkmaz überraschend zurück auf Fatih Erdemir, der einfach mal draufhielt und einnetzte.

Es war die 2:1-Führung für die Gäste, die sich in einer hektischen Nachspielzeit mit aller Kraft gegen wütende Gegenangriffe stemmten und nach dem Abpfiff des souveränen Schiedsrichters Hans Wolf beim Freudentänzchen im Kreis mit ihren Anhängern „Derbysieger, Derbysieger“ skandieren durften.

„Es freut mich riesig für die Jungs, weil sie sich den Sieg nach ihrem Aufwand zuletzt verdient haben“, sagte der SSV-Coach Ingo Ramljak, während sein Amtskollege Marco Scheel bedient war. „Der Freistoß vor dem 1:2 darf niemals entstehen“, sagte er und ärgerte sich zurecht. Nach schwachem Beginn hatten sich die Seinen ins Spiel hineingefuchst. „Wir haben zu Beginn zu wenig investiert“, kritisierte Scheel. Zum Hallo-wach-Erlebnis wurde das 0:1, das Mataija sehenswert vorbereitete und Fabian Eichner kaltschnäuzig erzielte. Sergio Mavinga schlug kurz darauf mit einem feinen Schuss ins linke Eck zurück. In der zweiten Hälfte hatte der Gastgeber mehr vom Spiel, ohne sich klare Torchancen zu erarbeiten. Auch Ramljak musste zugeben: „Ein Unentschieden wäre okay gewesen.“

Schiedsrichter beendet Spiel vorzeitig

Den Sieg nimmt der SSV Zuffenhausen dennoch gerne mit, hat er sich durch ihn im Tabellenkeller doch etwas Luft verschafft – auch, weil die Konkurrenz Punkte liegen ließ. Der TSV Plattenhardt und die Sportvg Feuerbach verloren, letztere auf kuriose Weise. Nach einem schweren Foulspiel von Tim Frieß an Christian Schenk in der 91. Minute kochten die Gemüter auf Bonlandener Seite über. „Das war dunkelrot“, sagte deren Trainer Robert Stadtmüller. Der Schiedsrichter Marcel Schaich zeigte nur Gelb. Was dann passierte, schildern die Sportvg-Verantwortlichen so: Anhänger des Gastgebers hätten den Unparteiischen bedrängt, der daraufhin in der Kabine verschwunden sei, obwohl er zuvor noch fünf Minuten Spielzeit angezeigt habe. „So etwas habe ich in meinen 30 Jahren Karriere noch nicht erlebt“, sagte der Sportvg-Trainer Kosta Choudiakis. Schaich allerdings meldete die Partie als regulär beendet.

In den gut 90 Minuten zuvor hatten die Nord-Stuttgarter eigentlich eine mehr als ordentliche Leistung geboten. Zweimal waren sie nach Rückstand zurückgekommen. Dann sah der Keeper Frank Schubert infolge eines Zusammenstoßes mit einem Bonlandener Gelb-Rot – warum wussten hinterher weder Choudiakis noch Stadtmüller zu sagen. Mangels Ersatzkeeper ging der Feldspieler Durim Haklaj in den Kasten, der zehn Minuten vor Schluss den Ball nach einem in Choudiakis Augen unberechtigten Foulelfmeter passieren lassen musste.

Der Feuerbacher Rückstand zum nach momentanem Stand rettenden 13. Tabellenplatz beträgt nun bereits vier Punkte. Dort steht nun die SG Untertürkheim, die beim FC Stuttgart-Cannstatt zu einem torlosen Unentschieden kam. Mit dem konnte auch der Trainer des Gastgebers, Isa Topac, leben, der auf vier Stammspieler hatte verzichten müssen. Neben den verletzten Halit Özcelik und Spiridon Katsiulas fielen kurzfristig auch die privat verhinderten Ali Sivka und Saban Erdogmus aus. „Es war ein taktisch geprägtes Spiel“, berichtet Topac, der bei seinem Team die offensive Durchschlagskraft vermisste. Drei Chancen standen zu Buche, ein Tor fiel nicht. Topac aber ist als Coach mit dem Ziel angetreten, die Defensive zu stabilisieren. Seine Bilanz: Vier Spiele, zwei Gegentreffer, „Das ist ein gutes Resultat.“

Stammheim zerlegt Mühlhausen

Dasselbe Zitat könnte an diesem Wochenende von Thomas Oesterwinter kommen. Seine Spieler vom SC Stammheim zerlegten am Sonntagnachmittag den TSV Mühlhausen mit 7:1 und vor allem ein Mann schien seine höchste Freude am Spiel gehabt zu haben. Dominik Maier traf dreimal und bereitete einen weiteren Treffer vor, mehrfach in Szene gesetzt von Timm Geipel. Zum Mann der Partie wollten Oesterwinter aber weder den einen noch den anderen erklären. „Von der Eins bis zur 14 haben heute alle richtig gut gespielt, da lässt sich keiner herausgreifen“, sagte der Coach. Die bemitleidenswerten Gäste schienen kein Mittel gegen die offensive Stammheimer Dampfwalze zu finden. „Der Sieg war auch in der Höhe verdient.“

In einem ausgegelichenen Spiel siegt Weilimdorf

In Oesterwinters Kalender dürfte nun vor allem ein Sonntag ein fettes rotes Kreuz zieren. Am 17. Mai, dem viertletzten Spieltag, kommt es zum Auswärtsduell beim TSV Weilimdorf – einer Begegnung, die im Kampf um den Titel oder den Relegationsplatz eine hohe Bedeutung einnehmen könnte. Der 28. Spieltag hat am Abstand der beiden Nord-Stuttgarter Clubs in der Tabelle nichts geändert. Auch die Weilimdorfer siegten, wenngleich sie sich beim 2:0 über den SV Vaihingen deutlich schwerer taten. „Es war ein ausgeglichenes Spiel zweier Teams, die sich taktisch sehr gut verhalten haben“, bilanzierte der Weilimdorfer Trainer Sven Peuckert und spricht von einem „Stellungskampf“. Auf die Siegerstraße kamen seine Mannen durch ein Tor von Gökhan Kücükcolak, der nach Vorlage von George Kum vollstreckte. Der Gast aus Vaihingen, der sich durch die Niederlage endgültig aus dem Rennen um die vorderen Plätze verabschiedet hat, riskierte danach etwas mehr, in der Schlussminute gelang dem Joker Andre Pires nach schönem Alleingang die Entscheidung.

Fast stellt Croatia Stuttgart dem Klassenprimus ein Bein

Auf einen Ausrutscher des Klassenprimus TSV Münster hofften derweil sowohl die Weilimdorfer als auch die Stammheimer vergeblich. Dabei fehlte Croatia Stuttgart nicht viel und das Team von Trainer Igor Ilicic hätte dem Spitzenreiter ein Bein gestellt. „Fußball kann manchmal sehr bitter sein“, kommentierte der Coach die 2:3-Niederlage nach einer Begegnung, die seine Kicker über zwei Drittel dominiert hatten. Eine wunderschöne Kombination, von Hasan Isbert abgeschlossen, brachte zunächst die 1:0-Führung, ein von Branimir Bresic völlig unnötig verschuldeter und von Marco Schulz verwandelter Foulelfmeter das 1:1. Kevin Reinhardt erzielte nach dem Wechsel per Lob zwar das 2:1 für Croatia, danach aber schwanden die Kräfte und der Gegner schlug eiskalt zurück. Zu allem Überfluss handelte sich Oktay Bozkurt wegen eines Kopfstoßes noch eine rote Karte ein. „Das kam als Negativfaktor noch hinzu“, sagte Ilicic.

Ob sich Croatia in der Tabelle sich nun noch mal nach hinten orientieren muss? Sicher ist: Der Derbysieg des SSV Zuffenhausen hat die Schlagzahl im Abstiegskampf erhöht. Es bleibt spannend in der Schlussphase dieser Bezirksliga-Saison.

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