Von einer Bühne auf dem Feuersee soll Unterhaltungsmusik der 1920er Jahre zum dann hoffentlich voll besetzten Ufer klingen. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Livemusik am Feuersee in Stuttgart? Die Idee der „Stuttgarter Saloniker“ trifft im Bezirksbeirat auf offene Ohren. Das Orchester setzt dabei auf Picknick-Atmosphäre am Ufer.

S-West - Was bei Vollmond auf dem Fernsehturm oder an schönen Sommertagen bei Schloss Monrepos funktioniert, warum sollte das nicht auch an und auf dem Feuersee im Westen funktionieren! Die leichte Muse, unterhaltsame Musik, mit Herzblut und Schmäh serviert, zur guten Laune für ein breites Publikum. So machen das die Stuttgarter Saloniker seit vielen Jahren mit großem Erfolg. An ihrem festen Spielort in der Villa Franck in Murrhardt, aber auch an vielen anderen, ungewöhnlichen Ort. Und in den warmen Monaten auch gerne unter freiem Himmel. Das haben die Saloniker nun auch im Sommer kommenden Jahres am Feuersee vor.

Die Idee: Musikalische Untermalung auf dem Feuersee

Diese Idee hat Patrick Siben, der Kapellmeister des Orchesters, nun dem Bezirksbeirat vorgestellt. „Wir wollen handgemachte, naturnahe Musik ohne Verstärker zum Besten geben“, sagte Siben, „Johann Strauß-Musik, Tangos, die U-Musik der 1920er Jahre, mit Klavier, Geigen, Kontrabass und ein paar Bläsern.“ Dabei betonte er: „Das Wichtigste ist, dass wir kein Remmidemmi wollen, sondern hohen künstlerischen Aufwand bei möglichst geringem technischem Aufwand.“

Zu Letzterem gehört eine kleine Bühne auf dem See, für die die Saloniker eh schon die passenden Module haben. Übrigens an der Unterseite mit Kanalrohren versehen, die spezifische akustische Effekte zeitigen: „Die musikalischen Schwingungen werden vom Boot zum Ufer hin übertragen“, erklärte Siben – und geriet zugleich ins Schwärmen über den „idyllischen Ort zum Abschalten, einer der schönsten Orte in Stuttgart überhaupt“, meinte der Saloniker. Zwei, drei Stunden könne das Konzert dauern, bei zwei Pausen. Die Zuhörer könnten nebenbei Picknick machen. „Und dabei kann man die schöne Johanneskirche betrachten oder den Enten zuschauen. Und natürlich unsere Musik genießen.“ Man habe die Möglichkeit auch schon mit Ämtern besprochen, „fachliche Bedenken“ seien dabei nicht geäußert worden. Er wolle nun „aber nicht um Geld bitten“, sondern wünsche sich „nur ein positives Feedback für dieses nachbarschaftliche Konzert an einem Sonntagnachmittag im Juli“.

Damit traf der Musiker beim Gremium rundum auf offene Ohren. Bernd Mellert (Bündnis 90/Die Grünen) etwa nannte das Vorhaben ein „interessantes Experiment mit einem sympathischen Konzept“. Positiv fand er zudem, dass es „auch für die Anlieger ein Genuss sein wird, weil es nicht zu laut ist“. Roland Stricker (CDU) nannte das Vorhaben eine „super Sache“, bezweifelte aber, dass „die Sache mit dem Eintritt auf offenem Gelände funktionieren wird“.

Für ein bisschen mehr Dolce Vita in der Stadt

Siben glaubte, diese Bedenken zerstreuen zu können: „Absperrungen würden Kosten verursachen. Wir setzen auf den Goodwill der Leute“, sagte der Orchesterchef und verwies auf einschlägige Erfahrungen: „Wir laufen in den Pausen rum und bitten die Leute, etwas ins Kässle zu schmeißen. Das funktioniert in der Regel, wir haben damit bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Die meisten Leute kommen ja in der klaren Absicht, hier Musik zu hören und wie auf einer großen Terrasse ein bisschen Dolce Vita zu haben und das Leben zu genießen.“ Man setze da auch auf die Zusammenarbeit mit Pro Stuttgart, das zu dieser Idee inspiriert habe: „Sie werden mit uns an einem Strang ziehen, uns im Vorfeld bewerben und auch sonst unterstützen. Das hilft bestimmt“, meinte Siben. Das Konzert soll auch keine Eintagsfliege bleiben: „Wenn es gut ankommt, würden wir es gerne wieder machen.“ Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle begrüßt das Projekt: „Ich kann mir gut vorstellen, dass das im Bereich des Südufers funktionieren wird.“

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