Die Bezirksbeiräte wollen von der Bahn informiert werden. Foto: Weingand

Der Vaihinger Bezirksbeirat ärgert sich, dass die Bahn ein Jahr für eine Absage braucht – und dann auf den Filderdialog verweist.

Vaihingen - Vor weit mehr als einem Jahr hatte der Vaihinger Bezirksbeirat die Bahn eingeladen, über das Projekt Stuttgart 21 und seine Auswirkungen auf Vaihingen zu informieren. Am Dienstag, symbolischerweise um kurz vor 12 Uhr, hat Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt nun die Antwort des Konzerns erhalten. Sven Adam, Referent für Großprojekte bei der Bahn, bedankte sich für das Interesse der Vaihinger Bürger. Aber die Information über Planungen zum Abschnitt 1.3 werde „nunmehr zentral über den anstehenden Filderdialog erfolgen“. Hinter dem Begriff Abschnitt 1.3 verbirgt sich der Bau der Rohrer Kurve, die Anbindung des Flughafens an den Tiefbahnhof im Talkessel sowie die Lage des Fernbahnhofs am Flughafen.

„Wir wollen nicht auf Filderdialog verwiesen werden“

Im Bezirksbeirat Vaihingen sorgte diese Antwort fraktionsübergreifend für Empörung. „Wir haben vor zwei Jahren beantragt, zu erfahren, wie die Planungen für die Rohrer Kurve aussehen. Wir wollen nicht auf einen wie auch immer gearteten Filderdialog verwiesen werden“, sagte Kristin Wedekind von den Grünen. Sie fürchtete, dass die Interessen Vaihingens im Filderdialog nicht ausreichend zur Sprache kämen. Die Aussicht darauf, dass in den Filderdialog aller Voraussicht nach auch Stuttgarter Stadträte entsandt werden, die dann für die Vaihinger Interessen sprechen, ist für Wedekind kein Argument. Die Gemeinderatsvertreter müssten für das Gesamtwohl der Stadt sprechen argumentiert die Bezirksbeirätin der Grünen – und dies sei nicht per se identisch mit den Interessen Vaihingens.

Sven Ostertag (SPD) pflichtete ihren Bedenken bei: „Es hat den Anschein, als wollte man uns umgehen.“ In die gleiche Kerbe schlug Konrad Ruf von den Freien Wählern: „Im Grundsatz steht unser Antrag nach wie vor. Wir wollen unsere Vorstellungen vorab einbringen können“, forderte er. Kristin Wedekind verwies auf die Gemeindeordnung: „Wir als Bezirksbeirat haben von der Gemeindeordnung einen Auftrag, in wichtigen Fragen gehört zu werden. Die Situation in Vaihingen ist nun mal anders als etwa die in Filderstadt.“

Information noch vor dem Filderdialog

Das Ergebnis: Mit einer Gegenstimme hat der Bezirksbeirat einen Antrag der Grünen angenommen. Darin wird die Bahn aufgefordert, noch vor dem Start des Filderdialogs das Vaihinger Gremium über den Bauabschnitt 1.3 zu informieren. „Denn nach dem Filderdialog ist alles schon besprochen. Dann müssen wir keine Vorschläge mehr machen“, sagte Christa Tast von den Grünen. Wolfgang Georgii von der CDU ergänzte: „Die Bahn will uns informieren, dann kann sie gerne zu uns kommen.“

Deswegen will Meinhardt in diesen Tagen den Antrag an die Bahn losschicken. Er sah jedoch wenig Chancen auf Erfolg: „Die Bahn hat gesagt, dass sie nicht in die Bezirksgremien gehen wird.“ An eine Ausnahme für Vaihingen glaubt er nicht. Zumal der Filderdialog schon am 25. Mai beginne, und die Kommunikationswege an die Entscheidungsträger der Bahn verschlungen seien. Im Auftrag des Bezirksbeirats habe er im vergangenen Jahr immer wieder bei der Bahn nachgehakt. „Lange Zeit gab es keinen direkten Ansprechpartner für uns.“

Aus Sicht der Grünen habe Meinhardt dies aber nicht nachdrücklich genug getan. „Es sieht so aus, als wollten Sie sich in diesem Punkt nicht für Vaihingen engagieren“, warf Bernward Goes, stellvertretender Bezirksbeirat der Grünen, dem Bezirksvorsteher in der Sitzung vor.

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