Bislang können Menschen mit Gehbehinderung nicht an öffentlichen Sitzungen des Ortschaftsrats Dagersheim teilnehmen. Das will die Stadt Böblingen jetzt ändern. Das denkmalgeschützte Bezirksamt bekommt einen Aufzug.
Für Gehbehinderte soll bald mehr als nur das Erdgeschoss des Bezirksamts im Böblinger Teilort Dagersheim erreichbar sein. Dazu soll das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1964 einen Aufzug bekommen. Zur Schließung des Bezirksamts soll es während der Bauarbeiten aber nicht kommen.
„Menschen mit einer Gehbehinderung können keine Dienstleistungen im Bezirksamt wahrnehmen und auch nicht an den öffentlichen Sitzungen im Ortschaftsrat teilnehmen. Zudem können keine Menschen mit einer Gehbehinderung im Gebäude beschäftigt werden“, schrieb die Stadt Böblingen in einer Sitzungsvorlage für den Gemeinderat im vergangenen Jahr. Mit den Rampen vor dem Gebäude erreicht man aktuell nur das Foyer sowie die Räume des Bürgeramts. Das Bezirksamt wurde ursprünglich als Rathaus gebaut und wird seit der Eingemeindung Dagersheims im Jahr 1971 als Bezirksamt genutzt. Dort befinden sich unter anderem Ortschaftsrat, Standesamt, Bürgeramt und Rentenstelle.
Arbeiten sollen Mitte April abgeschlossen sein
Zunächst keine Angebote
Mit der Planung des Aufzugs wurde nach einem Haushaltsantrag im Jahr 2022 begonnen. Eigentlich waren die Bauarbeiten schon für Oktober 2024 angedacht gewesen, doch auf die erste Ausschreibung habe es keinerlei Rückmeldungen gegeben, heißt es vonseiten der Stadt. „Somit mussten wir nochmals ausschreiben, was hauptsächlich den zeitlichen Verzug ausgelöst hat“, erklärt Stadtsprecher Gianluca Biela. Auch die Abstimmungen mit dem Denkmalamt sowie die besonderen Anforderungen an den Aufzug hätten dazu geführt, dass die Planungen länger gedauert hätten.
Auch die Entscheidung für ein Aufzugmodell sei nicht ganz einfach gewesen, denn das Bezirksamt habe kein Fundament im herkömmlichen Sinne. Es hänge vielmehr über der Schwippe. Eine normale Aufzugsanlage wäre deshalb zu schwer gewesen. Es sei daher überprüft worden, ob der Aufzug an der Außenseite des Gebäudes angebracht werden könne, teilt die Stadt mit. Dies wäre aber laut Vorlage viereinhalbmal so teuer gewesen wie die letztlich gewählte Variante. Die Stadt Böblingen geht nun davon aus, dass der Kostenrahmen von 120 000 Euro eingehalten werden dürfte.
Der sogenannte „Homelift“ soll für alle handbetriebenen Rollstühle sowie eine Mehrzahl der elektrischen Rollstühle zugänglich und mit Glas verkleidet sein. Das Aussehen sei auch mit der Denkmalbehörde abgestimmt. Mit seinen vier Haltepunkten soll fortan das gesamte Gebäude auch für Gehbehinderte erreichbar sein.
Am Montag, 17. März, soll mit den vorbereitenden Arbeiten begonnen werden. Der Einbau des Aufzugs selbst beginnt laut aktueller Zeitplanung eine Woche später. Nach rund einem Monat, am 16. April, sollen die Arbeiten beendet sein.