Vorwürfe, Spitzen, Streit und Ärger. Warum besonders Frauen oft Stress mit der Schwiegermutter haben.
Die einen backen wunderbaren Kuchen, helfen der Schwiegertochter im Haushalt und sind fantastische Ratgeber in allen Lebenslagen, die anderen füttern die Enkel ständig mit unerlaubtem Zucker, putzen ungefragt die Wohnung und mischen sich andauernd ein.
Der Grat ist schmal, auf dem sich eine Schwiegermutter bewegt, und nicht immer ist auf den ersten Blick ersichtlich, ob etwas nett gemeint oder böse gedacht war. Es gibt fantastische, liebevolle Vertreterinnen ihrer Art und solche Schwiegermuttis, neben denen der gute alte Luzifer ziemlich blass aussieht.
Einst war sie die wichtigste Frau im Leben des Partners
25 bis 30 Prozent der Frauen in einer Beziehung sind mäßig bis gar nicht begeistert von der Mama ihres Liebsten. Das ist eine gute Nachricht, denn sie bedeutet, dass mindestens 70 Prozent keine Probleme mit der einst wichtigsten Frau des Partners haben. Vor allem das Verhältnis zur Schwiegertochter ist oft belastet.
„Familienarbeit ist nach wie vor einfach mehr in weiblicher Hand. Deshalb ist die Berührungsfläche im Alltag innergeschlechtlich viel größer. Von Frau zu Frau ist dieser direkte Rollen- und Persönlichkeitsvergleich deutlich einfacher als über Kreuz“, sagt Felicitas Heyne.
Die Psychologin, systemische Therapeutin und Autorin des Ratgebers „Hassgeliebte Schwiegermutter“ hat selbst „eine ganz liebe Schwiegermami“, aber aus ihrer Praxis zahlreiche Erfahrungen mit Frauen, die unter meckernden, besserwisserischen, sich einmischenden, übergriffigen und teils sogar intriganten Exemplaren leiden.
Woher kommt die Rivalität?
Tiefenpsychologen gehen davon aus, dass eine Rivalität häufig dadurch entsteht, dass Mütter das eigene Kind noch nicht richtig losgelassen haben. Häufig handelt es sich aber auch schlicht um Kommunikationsprobleme, beispielsweise wenn die spröde Schwiegermutter aus dem hohen Norden auf eine offenherzige Rheinländerin mit Vorliebe für innige Umarmungen und feuchtfröhliches Feiern trifft. Da prallen Welten aufeinander, und es kann gehörig krachen.
„Dann sind wir bei einem typisch weiblichen Ding“, erklärt Heyne. „Wir Frauen erraten gerne, bilden uns ein, dass wir Gedanken lesen könnten, und sind ja so sensibel. Aber statt hinzugehen wie die Kerle und zu fragen: „Wie hast du das denn jetzt gemeint?“, tragen wir unsere Interpretationen in uns, nähren sie, das Ganze wächst und gedeiht und schnell gibt es einen Riesenkonflikt.“
Am besten: schnell handeln
Auf Schlachtfeldern ist Vergebung schwer zu erlangen, deshalb rät die Therapeutin, frühzeitig zu handeln. Schließlich nimmt sich keine Mutter von vornherein vor, eine böse Schwiegermutter oder gar ein Drachen zu werden: „Das Blöde als Therapeut ist, dass alle Beteiligten erst kommen, wenn es richtig scheiße ist. Es kommt ja keiner, wenn es nur ein bisschen knirscht. Aber das wäre eigentlich wünschenswert, denn rückblickend betrachtet fangen die allermeisten Fälle mit Bagatellen an, mit Missverständnissen und Temperamentsunterschieden.“
Felicitas Heyne unterteilt die Schwiegermuttertypen in fünf Kategorien: „die Auster“, also die Unerbittliche, an der man sich die Zähne ausbeißt. „Da stecken aber fast immer Ängste, Selbstzweifel oder Unsicherheiten dahinter. Das Wichtigste ist deshalb: Wie reagiere ich darauf? Blase ich das weiter auf oder finde ich einen Weg? Ich habe ja nicht die Schwiegermutter geheiratet.“
Weitere Typen sind „die Meckerziege“, die ihrem Namen durch ständiges Herumzetern gerecht wird, „das Klammeräffchen“, also die Bedürftige, die viel Aufmerksamkeit und Zuneigung braucht, oder „die Tyrannosaura“, die nicht selten verbrannte Erde hinterlässt. Ganz nach Caesars Vorbild: Veni, vidi, vici. Widerspruch meist zwecklos.
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Am gefährlichsten ist laut Heyne aber „die Intrigenspinne“, denn sie ist manipulativ, narzisstisch, hinterhältig und bedient sich gern der emotionalen Erpressung. Sie findet jedes Haar in der Suppe, legt es oft sogar selbst hinein. Sie erzählt dem Sohn Lügen über seine Frau und stellt sich noch als Opfer dar. Wer sie zum Feind hat, braucht gute Freunde. Wer böte sich da besser an als der werte Gatte, doch hält sich dieser so manches Mal bedeckt.
„Dann hat man aber vermutlich gar kein Schwiegermutter-, sondern ein Paarproblem“, weiß die Psychologin. „Das ist, wie wenn ich eine neue Waschmaschine brauche, die alte aber nicht allein aus dem Keller tragen kann. Wenn der Mann dann sagt: ,Ja ist mit doch egal, wie du das hinkriegst‘, dann bräuchte man schleunigst einen Paartherapeuten.“
Zuerst das Gespräch mit der Schwiegermutter suchen
Wer die Unterstützung des Liebsten hat, sollte zuerst ein Gespräch mit dessen Mutter suchen, aber nicht direkt nach einem Eklat. Mit einem Puls von 180 findet man vermutlich nicht unbedingt die Gelassenheit für eine versöhnliche Unterhaltung. „Da wäre es einfach besser, in einem ruhigen Moment einen Kaffee miteinander zu trinken, zu erzählen, wie etwas angekommen ist, und ob es tatsächlich so gemeint war. Man sollte keine Du-Sätze verwenden, sondern in Ich-Botschaften miteinander reden.“
Missglückt so ein Gespräch, muss man die Schwiegermama vielleicht nicht direkt zur Hölle, aber doch zumindest nach Hause schicken. Mein Haus, meine Regeln. Blöd nur, wenn sich das Haus auf dem Anwesen eben dieser Schwiegermutter befindet.
So geschehen in Heynes Klientenkreis: Weil das Paar auf dem gleichen Anwesen wohnte wie die Schwiegereltern, suchte die Herrin des Hauses gern des Nachts ungefragt das Schlafzimmer der Jungen auf, um zu überprüfen, woher denn die Geräusche kommen. In jenem Fall konnte man sich – trotz großer Einwände der Schwiegermutter – auf den Austausch der Schlösser einigen, aber prinzipiell gilt: „Gute Zäune machen gute Nachbarn. Auch in der Familie.“