Viel zu spät, halb gar und halbherzig: Der neue Bezahldienst Wero wirkt als Herausforderer großer US-Rivalen überfordert, schreibt unser Finanzreporter Hannes Breustedt.
Nachdem Paydirekt und Giropay krachend gescheitert sind, geht mit Wero ein neuer Service für digitale Zahlungen an den Start. In der rückständigen deutschen Bezahllandschaft sind neue Angebote und Alternativen zu US-Finanzriesen wie Paypal, Visa oder Mastercard grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings kommt Wero viel zu spät und dürfte es im Wettbewerb schwer haben.
Deutschlands und Europas Banken hängen weit hinterher
Revolutionär ist an dem Bezahldienst ohnehin nichts. Schnell mit dem Mobiltelefon Geld an Freunde, Familie oder Händler zu schicken, ist in vielen Teilen der Welt seit Jahren üblich. Deutschlands und Europas Banken hängen jedoch weit hinterher. Auch ihre neue Lösung scheint noch nicht der große Durchbruch.
Um von einer ernsthaften Konkurrenz für Paypal und Co. sprechen zu können, müsste das Angebot international verfügbar sein. Doch Wero beschränkt sich auf Europa – und selbst hier ziehen etliche Banken nicht mit oder halten sich noch zurück. Auch dass die Anzahl der am Projekt beteiligten Geldhäuser während der Entwicklungsphase nicht weiter anstieg, sondern schrumpfte, lässt befürchten, dass hier ein weiterer Rohrkrepierer ins Rennen geschickt wird.
Nutzwertvorteile gegenüber zwischengeschalteten Drittanbietern
Das ist schade. Denn das Bezahlsystem hat durch die direkte Kopplung mit Girokonten, Echtzeitüberweisungen und Integration in bestehende Banking-Apps theoretisch sogar klare Nutzwertvorteile gegenüber zwischengeschalteten Diensten von Drittanbietern wie Paypal, Apple Pay oder Google Pay. Aber solange es sich mit reduzierten Funktionen auf wenige Länder beschränkt und viele Banken nicht dabei sind, wirkt es halb gar und halbherzig, sodass Paypal und Co. sich davor nicht fürchten müssen.